REISEBERICHT - April 2004

Hallo liebe Freunde,

eigentlich hatten wir angedacht,  während  unseren Reisen auf den Meeren mit unserer SAMANTHA , den Kontakt zu unseren Freunden  über eine private "Home-Page „ zu erhalten. So haben wir seit Mai 2003 immer wieder berichtet, wo wir sind und was wir so alles erleben. Zu unserem großen Erstaunen haben wir 2003 über 1400 Zugänge zu unseren Berichten registriert, und mehr noch, einige, zum Teil uns vorher unbekannte Leser  haben uns kontaktiert.

Dies hat uns ermutigt, dieses Jahr wieder unsere Berichte zu schreiben und Euch an dem Erlebten teilhaben zu lassen.

Viel Spaß

Rita und Rudy  auf der SAMANTHA

 

Es ist bald ende April und wir, das heisst, Rita und ich, Rudy sind unterwegs.

Eigentlich hat unsere Reise von 2003 gar nie richtig aufgehört. Nachdem wir im Oktober 03 nach Hause gefahren sind, wurden die Erfahrungen des ersten Segeljahres bearbeitet. Neue Ausrüstungsteile, Ersatzteile und neue Ideen, beschäftigten uns, besonders aber mich. An der Bootsmesse in Düsseldorf im Januar kauften wir was wir noch benötigten. Ich wollte unbedingt einige kleine Verbesserungen an der SAMANTHA vornehmen. So z.B.  die Bedienung des Besantravellers ins Cockpit umlegen, damit man dazu nicht jedes Mal bei einer Wende, hinten am Boot, die Umstellung von Hand vornehmen muss. Ein kleines Apero-Tischchen, das ich hinter dem Steuermannstuhl  festklemmen kann, sollte dazu dienen, uns das Leben noch angenehmer zu machen.

Im März war alles bereit und mit Francois und Norbert, besuchte ich das Schiff in der Werft von Sibari, wo zwischenzeitlich die Reparatur fertig gestellt worden ist. Mit Wachs eingeschmiert, den Besantraveller mechanisiert und alles geputzt sowie die Segel aufgezogen, wurde die SAMANTHA ins Wasser gesetzt. Stolz lag sie da und wartete noch einen Monat auf uns, bevor Rita und ich per Flieger (120€ für 2 Personen) von Zürich nach Napoli und mit dem Zug von Napoli nach Sibari anreisten.

In Sibari erwartete uns Mario am Bahnhof. Er überliess uns bis Montag sein Auto, damit wir einkaufen und essen gehen konnten. Am Montag, wurde uns dann unser Mietwagen gebracht. Wir wussten nicht genau wie lange wir in Sibari bleiben sollten denn der Kanal aus dem Hafen war noch nicht fertig ausgebaggert und die Angaben, wann die Arbeit fertig sein würde, war sehr Italienisch. Eine bis zwei Wochen könnte es schon dauern, je nach Wind, Welle und der Arbeitslust des Baggerführers.

Bereits am Dienstag wurde klar, dass wir am Mittwoch genügend Tiefe unter dem Kiel hätten um wegzufahren. Das Wetter aber war Mittwoch so schlecht, dass wir den Aufbruch auf Donnerstag verlegten.

 

22.04.04

Tatsächlich holte uns Gaetano am Donnerstagmittag ab und lotste uns durch die noch enge Kanaleinfahrt.  Dreimal sind wir aufgelaufen, jedoch ohne Geschwindigkeit, so dass eine leichte Korrektur uns wider ins tiefere Wasser brachte. Gaetano fuhr mit seinem kleinen Bötchen voraus und lotete ständig mit einer Stange nach den tiefsten Stellen.

Endlich im freien Wasser im Golf von Taranto !

Traumhaftes Wetter, keine Welle und eine Fahrt von 9 Stunden vor uns. Wir peilten den kürzesten Weg nach Galipoli an, wo wir unsere erste Nacht verbringen wollten.

Tatsächlich erreichten wir Galipoli knapp vor 2100. Per Funk nahm ich Kontakt mit der Behörde auf, jedoch scheinen die englisch sprechenden Italiener schon früher Feierabend zu machen. Mit Händen und Füssen am Funk gelang es mir, mich mit einem Beamten der Coastguard dahin zu verständigen, dass ich an dem einzig freien Platz, direkt hinter den grossen Handelsschiffen festmachen durfte. Dies war allerdings ein militärisches Sperrgebiet, und so wurden wir dann auch mit aller Ehre und Maschinengewehren empfangen.  Beim Anlegen, ich wollte erst mit dem Heck vor Buganker anlegen, gelang es mir dann auch, eine riesige Kette, die am Grund ausgelegt war, aufzufischen und mit dem Anker hochzuziehen. Aber, man ist ja für solche Gelegenheiten ausgerüstet. Also holte ich mein Extra-Leinenklariererhaken heraus und befreite den Anker. Während dem ganzen Manöver quatschte der Funker vom Dienst mit mir und wollte allerlei wissen. Eine Hand am Funk, die andere Hand am Steuer des Bootes und am Bugstrahlruder, mit der dritten und vierten Hand, den Anker befreien, ich hätte glatt eine Anstellung im Zirkus erhalten können.

Schliesslich  entschied ich mich für das Anlegen längsseits, was auch schnell gelang.

Nachdem alle Papiere mit der Hafenbehörde ausgetauscht waren,  kochte Rita ein herrliches Essen, das wir wohl verdient hatten. In Italien isst man ja sowieso spät.

Kurz nach Mitternacht, mollten wir uns unter die Decken.

 

23.04.04

 

Pum , pum, pum…., ich jucke auf, ziehe kurz die Hose über und strecke den Kopf aus dem Niedergang. Ein schöner Italiener mit einem Funkgerät erklärt mir, dass wir sofort verschwinden sollen, denn ein Handelsschiff sei vor dem Hafen und begehre einzufahren. Nichts war mit der Nachtruhe, die uns unser Coastguard-Funker bis 1100 versprochen hatte!

Wohin können wir uns legen?  Gleich gegenüber, wo gestern Abend noch die Fischerboote gelegen hatten, könnten wir gehen.

Also, Leinen los und 10 Minuten später, Boot neu angebunden. Weiterschlafen.

Hallo Mister, Haloooooo,  Hupe, Hupe, Hallooooo. Es könnten vielleicht wir gemeint sein!

Hose an, Kopf aus dem Niedergang, alles bereits Gewohnheit.   Es steht ein kleiner Italiener in einer frisch gebügelten Uniform, mit viel zu grosser Schiltmütze am Quai und faucht mich gleich mal so richtig an.

Wenn man in einen Hafen einfahre, hätte man sich per Funk zu melden auf Kanal 16.

Wer uns gesagt hätte, dass wir hier festmachen dürften?  Und so weiter….  Leider verstehe ich zu viel italienisch, um all das zu ignorieren, was er mir sagte, und zu wenig, um ihm zu erklären, dass mir ein solcher Lackaffe wie er gerade noch gefehlt hat um 0800 morgens. Kurz danach kam sein Kollege von der Einwanderungsbehörde. Er war über unsere nächtliche Einfahrt informiert und stellte dann den Kleinen ruhig. Der Einwanderungspolizist war äusserst nett, sprach fliessend französisch, (was er im Wallis bei der Arbeit an der Grenze gelernt hatte)  und erledigte alle Formalitäten im Handumdrehen. Wir wurden auf einen anderen Platz verwiesen, gleich neben einem anderen Schweizerboot. Dieser Platz war abends noch nicht frei gewesen, sonst hätte ich mir diese Hafenrundfahrten sparen können.

Also um 0830 lagen wir dann an der Stelle im Hafen, wo uns keiner mehr belästigte.

Nachdem wir die Altstadt besichtigt hatten, lernten wir Beat und Andrè aus der Schweiz kennen. Zusammen verbrachten wir ein paar gemütliche Stunden und plauderten vom Segeln.

 

24.04.04

Gegen Mittag legen wir los und segeln zum Cap Leuca, am Absatz vom italienischen Stiefel wo wir kurz nach 1700 anlegen.

 

25.04.04

Es regnet ununterbrochen. Nichts mit „site-seeing „ . Rita liesst und schläft. Meinerseits erledige ich alles am Computer, was ich mir vorgenommen hatte, denn seit Norbert im März das Gerät neu installiert hat, funktioniert es auch. Zwischendurch verfolge ich das Formula 1 Rennen in Imola am Bildschirm und freue mich über den erneuten Ferrari-Sieg von Michael.  Dank den italienischen Reportern, werde ich diese Sprache vermutlich auch noch lernen, nur werde ich sicher etwas langsamer sprechen..

 

26.04.04

Das Wetter ist etwas besser. Ein paar Sonnenstrahlen locken uns aus dem Schiffsrumpf. Wir erklimmen die 298 Stufen zum großen Monument, das Mussolini als das „ Tor zu Italien „ hat erbauen lassen. Ansonst  wandern, wandern! Ich habe schon einmal gesagt, dass man scheinbar beim Segeln das Wandern lernt. So ist es, wenn man sich die Umgebung ansehen will.

 

27.04.04

Herrliches Segeln nach Ortranto.  Leider alles gegen den Wind, aber unsere SAMANTHA läuft wie’s Lottchen. Einen anderen Segler, ein Franzose, überholen wir, lassen ihn weit hinter uns zurück, so dass ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekomme. (Hoffentlich haben wir ihm nicht den ganzen Spaß am Segeln genommen!)

In Ortranto legen wir um   1800 an. Abendessen ist angesagt. Rita hat ihre Kochkünste mit aufs Schiff  gebracht. Wir essen wie die Könige.

Leider bekommen wir heute Abend Nachricht von einem tragischen Unglück in der Familie eines guten Freundes. Wir sind schockiert und können uns kaum erholen. Die Stimmung sinkt auf Null.

 

28.04.04

Hafentag in Ortranto.  Diese Stadt riecht von Jasmin, überall wo man hinkommt, dieser Duft. Die alte Kirche ist eine Wucht. Der gesamte Kirchenboden ist ein einziges Mosaik. Soll das Weltgrößte Mosaik sein. Die Stadt ist sehenswert. Bummeln, bummeln…

 

29.04.04

Fahrt mit Rückenwind nach Brindisi.

Brindisi ist wie alle anderen alten  Städte in Italien. Wir legen hinter einem Katamaran, an der Hafenmauer, direkt vor der Altstadt an. Ein alter Italiener kommt vorbei und bietet uns seine Dienste als Schiffsausrüster an. Er könne alles herbeischaffen, was wir bräuchten. Also, gebe ich Ihm zum Spaß, aber in allem Ernst  eine defekte Klampe  (Teil zum einklemmen von Seilen) mit. Da er mir innerhalb von 5 Minuten  mindestens 3-mal erklärt hatte, dass er Vertrauenswürdig sei, habe ich an dem Teil erst alles wegmontiert, was er hätte gebrauchen können.  In einer viertel Stunde wollte er wieder zurück sein.  Nach 2 Stunden fragte ich mich schon, was er wohl mit dem defekten Teil hat anfangen können. Doch siehe da, nachdem wir die halbe Stadt besichtigt hatten tauchte unser Freund tatsächlich wieder auf. Er hätte 4 Läden in der ganzen Umgebung  abgeklappert, leider sei ein solches Teil nicht auffindbar, man könnte es aber in Bari bestellen. Dankend lehnte ich ab. Danach kam nochmals einer, dem hat sich beim Laufen die Schuhsohle vom Oberschuh getrennt. Ob man ihm helfen könnte. Segler können ja alles und mit etwas Pattex-Leim vereinten sich Sohle und Schuh wieder. Leider etwas schief, denn einspannen konnte man das Ding ja nicht. Macht nichts, er war glücklich und torkelte weiter.

 

30.04.04

Da Brindisi nicht mehr als ein paar Stunden wert ist, wollten wir gleich in der Früh weiter.

Nachdem ich unseren Nachbarn, den ich an der Schiffsflagge als Deutschen identifiziert hatte mit „ guten Tag „ begrüßt hatte, dann aber ein  Bonjour „ zurückerhielt, musste ich erkennen, dass ich in Flaggenkunde keine gute Note bekäme, denn er war Belgier!  Ab sofort wird das Flaggenbuch zur Hand genommen, bevor ich mir nochmals so eine Blöße gebe, denn viele Flaggen sind zum verwechseln ähnlich.

Nächster Hafen ist Monopoli.

Oh Schande, nachdem wir unseren Franzosen wieder einmal so richtig in die Schranken gewiesen hatten, (von weitem gesehen, überholt und dann am Horizont aus den Augen verloren), wollten wir in Monopoli anlegen. In dem relativ kleinen Hafen war ein fürchterliches Durcheinander. Am einzigen Ort, wo wir Platz gehabt hätten,  ist der Grund zu wenig tief. Die Hafenkontrolle bot uns an, etwa eine Stunde zu warten, dann könnten wir an Stelle des einen großen Frachters anlegen. Die haben Nerven und Englisch können sie auch kaum. Ob er meine gemeldeten 16 Meter mit 60 Meter verwechselt hat? Wer weiß, nachfragen wollte ich nicht. Ich meldete mich höflich ab und wir nahmen erneut Kurs auf in Richtung Bari.

Kurz nach Sonnenuntergang versuchen wir einen Platz in einer Marina in Bari zu ergattern. Der Hafen von Bari ist riesig groß. Eben wollten wir die Leinen an einem Steg festmachen, da kommt ein so kleiner Italiener hergestürmt und jagt uns fort. Nette Worte meinerseits. Ich verliere nie die Ruhe in solchen Situationen. Mit ausladender Gestik erklärt er uns, dass wir im gegenüberliegenden Hafenteil, gleich hinter den großen Fähren festmachen könnten. Also geht’s weiter, quer durch den Hafen. Ich  bin zu faul heute noch vom Schiff zu gehen.

Der Liegeplatz gleich neben den großen Fährschiffen, die die ganze Nacht be- und entladen werden, ist Ideal um eine unruhige Nacht zu erleben.

Morgen  werde ich frische Brötchen holen. Ob es gelingen wird, mich aus dem streng bewachten Hafen  hinaus und wieder hineinzuschmuggeln, steht noch in den Sternen

 

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Auf der Fahrt im Zug von Napoli nach Sibari

 

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Zum Abschied erhalten wir von der Werftbelegschaft Blumen

 

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Die Ausfahrt ist kritisch, der bagger holt noch die letzten Schaufeln heraus damit wir ins freie Wasser können.

 

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Erste Station, Gallipoli auf dem Fischmarkt

 

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Am CapLeucat, hoch über dem Hafen beim Monument

 

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Villen, wie sie einst die Könige hatten.

 

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... oder so