REISEBERICHT - Oktober 2004

 

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An der Südspitze von Sizilien besucht uns die Küstenwache

 

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Küste in Süditalien

 

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Vor Sciacca  kein Wind

 

 

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Im Hafen von Sciacca lässt und der Club Nautico anlegen

 

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Licata Hafen mit Friedhof

 

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Vermeintliches Fischerglück, es war eine Mooringleine

 

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Dafür gibt es selbstgemachte Lasagna

 

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Nachtfahrt Richtung Capri

 

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Capri

 

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Die Felsen vor Capri

 

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Besuch der blauen Grotte

 

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Einfahrt in den Hafen von Ischia

 

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Fahrt ins "Graue"

 

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Versuch, mit dem Dingi den Motor zu ersetzen

 

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Unser "Alberto" Asrophysiker-Professor an der Uni Rom bringt den Motor wieder zum Laufen.

 

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Abend in Porto di Roma

 

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Im Hafen von Trianon, 1100 Plätze

 

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Hafen auf der Insel Giglio

 

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Anfahrt von Portoferraio

 

 

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Im Hafen von Portoferraio

 

 

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An der Küste von Elba

 

 

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Tolles  Segelgebiet um Elba

 

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Blick auf das toscanische Archipel

 

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Insel Capraia, letzte Station vor Hyeres

 

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Die letzten Meilen im Golf von Lyon

 

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Einweisbojen zum Hafen "Port Napoleon"

 

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Am Ziel

 

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SAMANTHA wird aus dem Wasser gehoben,...

 

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...an den Platz transportiert...,

 

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... auf die Böcke gestellt und verpackt.

 

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Rudy ist nach 2 Tagen abpacken fix und fertig aber glücklich.

Es waren 6 schöne und erlebnisreiche Monate auf See.

 

 

 

1.10.04

23 Grad zeigt das Thermometer noch an, und das mittags. Es wird merklich kühler. Wir besichtigen die Stadt Siracusa, die einst eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt hat. Kaum mehr was davon zu sehen. Alles ist baufällig und verlottert. Einzig richtig lohnenswert zu besichtigen ist die Wallfahrtskirche der Heiligen Madonna. Ein moderner „Dom“, riesig und traumhaft schön. Ich bin völlig vom Hocker gerissen. Wurde  erst 1997 eingeweiht. Mittags legen wir ab. Ich machte alle Leinen los, vergass aber das Stromkabel einzuholen. Gut dass Francois es noch im letzten Moment gesehen hat, sonst hätten wir entweder den Steg mitgenommen (wäre bei dem Preis von 60 Euro ja auch drin gelegen) oder das Kabel abgerissen (weniger gut). Mit traumhaftem Wind und ohne Welle schaffen wir es locker am Nachmittag bis an die südlichste Spitze von Sizilien  zu kommen. Dort feiern wir den „Wendepunkt“ mit  einem herrlichen Abendessen.

Vorspeise : Trockenreis mit Eierschwämmen;

Hauptspeise : Linguida mit Salzkartoffeln

Dazu :  Gemischter Salat und Rotwein.

 

2.10.04

Wind ist knapp, größtenteils müssen wir mit dem Motor etwas nachschieben, um vor eintretender Dunkelheit Scolitti zu erreichen. Im Hafenbuch wird vor dem Einfahren ohne lokale Hilfe gewarnt. Wir schleichen förmlich in den Hafen. In den inneren Teil dürfen wir  wegen der Tiefe nicht, also müssen wir im Aussenhafen ankern. Ein freundlicher Fischer zeigt uns, wo wir uns hinlegen können. Wir liegen  genau vor der Einfahrt in den inneren Hafen und hinter einem Schwimmbagger. Kein schöner Platz und an Land können wir nicht, weil wir keine Lust haben, das Dingi auszupacken. Also bleiben wir an Bord. Da wir kein Brot mehr haben, backe ich kurzerhand ein Bauernbrot und demonstriere damit wie unabhängig wir sind auf unserer Amel. Strom vom Generator, Wasser  vom Tank, immer wieder gefüllt mit der Entsalzungsanlage und Brot vom Bäcker Rudy!

 

3.10.04

Rechzeitig, geht’s los. Motor.., Motor…. Erst gegen 1400 bekommen wir Wind zum segeln. Aber um 1500 fahren wir in Licata ein. Auch hier kein besonderer Hafen. Wir gehen längsseits an ein verrottetes Fischerboot. Der Besuch  der Stadt mit Burg, sensationellem Friedhof, einer Kathedrale  zum umwerfen und sonst viele schöne Häuser die von besseren Zeiten zeugen, lohnt sich wirklich.

Abends, nach dem Bier, essen wir eine Pizza und danach setzen wir uns in ein Strassencafe und geniessen die Aussicht.  In dieser Stadt  ist es Brauch, dass abends die Leute durch die Hauptsrasse promenieren. Es hat soviel Leute auf der Strasse wie bei uns an der Kermess. Wir geniessen den Anblick der vorbeiflanierenden Menge, wobei die jungen Damen hauptsächlich auffallen. Aber auch die Herrschaften und älteren Leute haben sich so richtig herausgeputzt. Es ist einfach schön die Menge zu betrachten. Mit Einkaufen ist nichts, denn sonntags sind hier die Läden geschlossen, nicht wie in Griechenland, wo man alle Tage einkaufen kann.

 

4.10.04

Motor… Motor…. , ich kann es schon gar nicht mehr hören. Wasser wie Öl, wieder kein Wind bis kurz vor unserer Ankunft in Empidocle. Eine scheussliche  Hafenstadt und 40 Euro nehmen sie uns noch für den Platz ab. Sechzig wären es gewesen, doch kann man verhandeln. Alles ist schmutzig. Die Moral geht in den tiefen Keller. Wir entscheiden uns, unseren Fahrplan zu ändern und von Sizilien nach Capri und dem Festland entlang zu gehen. Dort sind wir sicher, den einen oder anderen schönen Ort zu sehen. Von Capri sangen doch grosse Schlagersänger, also muss es auch schön sein.

 

5.10.04

Motor… Motor…, ich kann es schon nicht mehr glauben. Gut, dass wir in Scaccia einen netten Empfang im Nautic-Club erhalten. Man bietet uns für 2 Tage freies liegen am Steg, mit Mooring, Wasser und Strom an! Die Stadt ist, man glaube es oder nicht, so sauber und alles ist ordentlich. Zudem ist die alte Stadt, auf dem Hügel (zu Fuss ca. 20 Minuten) recht reich an schönen alten Gebäuden, besonders Kirchen. Wir geniessen ein abendliches Bierchen auf einer Terrasse  über  dem Hafen. Die Stadt ist wie ausgestorben. Um 2200 sind wir wieder vor dem Eingang zur Marina. Oh je, alles geschlossen und unmöglich über den wackeligen, hohen Zaun zu klettern. Wir angeln uns von einem Boot zum anderen, vom Ufer aus bis in die Marina und umgehen so den Sperrzaun. Vor dem Steg,  haben wir noch ein weiteres, geschlossenes Tor zu überwinden. Dies geht leicht, denn da kann man gut darüberklettern und so erreichen wir schliesslich doch noch unser Schiff und müssen nicht sonst wo nächtigen.

 

6.10.04

Nachdem der Supermarkt erst um 0830  die Tore öffnete, konnte ich ein frisches Brot holen und so sind wir erst gegen 0915, nach dem Frühstück los. Kurz nach dem Hafeneingang konnten wir die Segel setzen, denn es wehte mit ungefähr 6 Knoten aus Westen. Leider aber war die Freude nach 2 Stunden vorbei und wir hatten wieder eine absolut glatte See, wie Öl, und kein Wind mehr. Es blieb uns nichts anderes  übrig als bis Marsala unter Motor zu tuckern.

Marsala haben wir zu Fuss kreuz und quer durchwandert. Wir suchten ein Restaurant, Pizzeria um endlich mal die Spagetti Vongole essen zu können. Man glaube es nicht, in Marsala gibt es ganze 3 Restaurants, davon sind mindestens 2 nicht sehr saloonfähig!  Wenn man sich an Griechenland erinnert, wo es fast mehr Restaurants als Häuser gab!

Schlussendlich, nach eineinhalb Stunden Wanderung, fanden wir mit Hilfe der Eingeborenen eine Trattoria, in der wir unsere kulinarischen Gelüste befriedigen konnten.

 

7.-8.10.04

Wir legen vormittags los, motoren 32 Stunden durch Wasser wie Öl, wechseln uns nachts alle 3 Stunden ab und erreichen Capri am frühen Nachmittag.

Capri ist wirklich landschaftlich so schön wie von den Poeten besungen. Der untere Teil am Hafen ist nichts, aber das Dorf oberhalb, das wir mittels einer in der Schweiz  gebauten Bergbahn erreichen, hat sehr viel schöne Villen und Parks mit  überwältigender  subtropischer Vegetation. Mit einem kleinen Bus erreichen wir das noch höher gelegene Anti-Capri, wo es uns noch besser gefällt.

 

9.10.04

Ein drittel unter Segel, zwei drittel mit Motor. So sieht unsere Reise nach Ischia aus. Im Hafen von Ischia wollen die 80 Euro, lassen sich auf 65 herunterhandeln. Mir ist das aber zu viel, für den lausigen Hafen, der geboten wird. Einen Hafen weiter, nur eineinhalb Meilen weg, bekommen wir einen Platz  für 30 (von 50 heruntergehandelt). Mit dem Bus fahren wir zum „Wandern“ und Biertrinken dann nach Ischia Dorf. Ischia bietet riesige Einkaufsstrassen mit super Waren, besonders Klamotten und Schuhe an. Zudem sind überall schöne Villen und Pärke mit ebenfalls einer unglaublich üppigen Vegetation. Alles ist sauber und ordentlich. Abends geht Francois noch einmal weg. In einem Strassencafe ist Tanz. Er geniesst den Abend beim betrachten der Tänze  der alten Garde. Ich bin müde und gehe früh ins Bett, wo ich von Wind und Wellen träume.

 

10.10.04

Für heute Abend ist Regen angesagt. Wir legen los und erhaschen auch sofort Wind. Mit voll ausgebaumten Segeln rauschen wir unserem Tagesziel entgegen. Endlich wieder einmal Segeln. Ich bin glücklich. Nach  einer vollen Woche Motor um Silzilien, erinnere ich mich, dass wir letztes Jahr um Sizilien ebenfalls eine ganze Woche keinen Wind hatten. Francois hatte schon einmal eine Segelwoche bei den Liparischen Inseln verbracht und dabei ebenfalls nur unter Motor geschoben. Sizilien ist für mich als Segelgebiet abgehackt. Jetzt geht’s Richtung  Rom und Elba. Ich freue mich.

Die Freude dauert nicht lange.

Irgendmal am Nachmittag flaut der Wind ab und wir wollen den Motor starten um rechtzeitig in den Hafen von San Felice zu kommen. Dieser Hafen ist wegen Untiefen sehr schwierig anzufahren und bei Nacht geradezu verboten.  Der Motor, über  dessen Gebrauch  ich  nun so oft  geschimpft habe macht keinen Wank. Alle Versuche und meine Untersuchungen bringen nichts. Wir sind gezwungen, mit den Segeln vorlieb zu nehmen. So gegen 2100  schaffen wir es in die Nähe des Hafens und des Ufers zu gelangen, wo wir den Anker schmeissen.  Ein ungemütlicher Platz. Die ganze Nacht schaukelt das Boot seitwärts, bis knapp zum Bett hinausschmeissen. Als dann noch der Wind so richtig stark wurde, war es mit der letzten Gemütlichkeit vorbei, dafür konnten wir feststellen, dass wenigstens unsere verkatteten Anker fest sassen. Das war beruhigend, denn wir konnten ja unter Segel die Anker nicht eindampfen und deren Halt überprüfen.

 

11.10.04

Mit müden Augen saßen wir beide am Frühstückstisch. Wir hatten kein Brot mehr. Speck und Eier sorgten für etwas Aufheiterung. Als nächstes versuchen wir mit dem Dingi die SAMANTHA in den  Hafen zuschleppen, wo wir gedenken, einen Mechaniker oder Elektriker zu finden, der uns weiterhelfen kann. Es gibt auch eine Yanmar - Werkstatt in San Felice. Das Dingi vor die SAMANTHA  geschnallt, versuche ich  sie zu ziehen. Keine Chance ! Das Dingi tanzt vor dem Schiff wie ein Wurm an der Angel.  Ich binde das Dingi seitlich ans Boot, so klappts. Mit einem knappen Knoten nähern wir uns dem Hafen und zwar solange, bis der Wind aufkommt und uns schon fast rückwärts schiebt. Wir schmeissen den Anker. Mit dem Dingi fahre ich in den Hafen und versuche Hilfe zu holen. Niemand will uns helfen. Der Yanmar-Vertreter will ebenfalls nicht kommen. Ich stehe mit abgesägten Hosen da. Zurück zum Schiff und unter Segel weiter nach Anzio der nächste Hafen,  den wir unbedingt vor einbrechender Dunkelheit erreichen müssen. Die ganze Fahrt ist spannender als ein Krimi. Der Wind kommt auf, wir müssten den Hafen um 1700 erreichen. Der Wind flaut ab, neue Ankunftszeit ca. 2100.  Schlussendlich ist uns der HERR  gnädig und lässt den Wind mit 10 Knoten blasen und zwar so, dass wir hart am Wind genau den Hafen ansteuern können. Ob der Wind durchhält und uns bis in den Hafen schiebt?  Ich kaue vor Aufregung und Spannung, sämtliche Fingernägel weg. Wir bereiten uns auf die Einfahrt richtig vor. An Alles wird gedacht. Windrichtung, mögliche  Anlegeplätze, Leinen hinten, vorne und in der mitte, Fender rundum. Wurfleine, falls wir wegtreiben sollten.  Kurz vor der Hafeneinfahrt scheint uns der Wind holde zu sein und bleibt. Gemäß Hafenbuch und Seekarte kann ich hart am Molenkopf vorbei und müsste dann die dahinter liegenden Fischerplätze erreichen ohne eine Wende zu fahren. Bum… bum… bum….

Wir sitzen auf einer Sandbank. Die seitlichen Wellen heben uns immer wieder an und schieben  vorwärts. Es ist wie Sackhüpfen. Die Fock und das Grossegel ziehen uns von der Bank herunter und zwei nette Fischer zeigen uns die Fahrrinne, die wir nehmen müssen. Dank Bugstrahlruder verhindern wir noch knapp, eine im Hafen liegende Boje zu küssen. Mit zwei eleganten Wenden im Hafen gelingt uns eine saubere Anlandung längsseitig am Quai zwischen zwei Fischerbooten.

Kaum angelandet, kommt schon die Polizei und will uns wegjagen. Ich erkläre, dass wir keinen Motor haben und uns nicht bewegen können. Erst meinte einer, das sei egal, wir müssten weg. „Wie „ frage ich ihn, er zuckt nur mit den Schultern. Freundlich erkläre ich, dass ich die 16 Tonnen der SAMANTHA nicht mit einem Paddel in Gang bringen könne. Ein Italiener, der dazu gekommen ist, macht es den Herren klar, dass es sich hier um einen Notfall handle und wir zur Reparatur hier seien. Danach genügte es, unsere Papiere  zur Überprüfung zu geben. Wir dürfen bleiben bis Morgen früh. Der Zufall will’s, dass wir ein riesen Glück haben. Der nette Italiener entpuppt sich als ein passionierter Segler, der selber sein Schiff mit Elektrik und Elektronik ausgestattet hat. Nach zwei Stunden intensiver Untersuchung gelingt es, den Motor mit Hilfe eines Provisoriums zu starten. Wir müssen nun fortan unten im Motorraum zwei Kabelstücke zusammenhalten, während der andere oben am Schlüssel dreht. Aber es funktioniert! Halleluja. Unser Helfer ist ein Dr. Astrophysiker, der an der Universität in Rom arbeitet. Ist das nicht genial. Leider können wir mit Ihm nicht mal ein Gläschen auf den Erfolg trinken, denn er darf aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol zu sich nehmen. Francois und ich holen das nachher noch nach. Super, Morgen können wir weiter nach Rom.

 

12.10.04

Von Anzio nach  Rom . Herrliches Segeln, leider zwischendurch etwas Schauer, aber mit den Musto – Anzügen ist man dem Regen gefeit. Lieber schlechteres Wetter als schlechter Wind.

Der Hafen „ Porto di Roma“ ist ganz neu und in meinem Hafenbuch nicht beschrieben. Mittels der elektronischen Karte erhalten wir alle Details und die Einfahrtsangaben. Der Hafen ist gigantisch, sauber und hat über 800 Plätze. Mit den 25 Euros ( ausserhalb Saison), die ich bezahlen darf finde ich den Platz als angemessen. Da der Hafen 1,5 Km lang ist, bin ich genau 3 Km marschiert, weil wieder mal ein netter Mensch mich erst in die falsche Richtung zum Bureau geschickt hat. Ob die das extra machen ?

 

13.10.04

Regen in der früh, Schauerregen am Tag aber dafür  super Segelbedingungen. Raumer Wind 10-18 Knoten , keine Welle.

Bereits um 1600 fahren wir in den Hafen von Traiano ein, ebenfalls ein neuer Hafen, aus der Karte. Niemand meldet sich über Funk, also legen wir am erst besten Platz an. Später müssen wir uns umverlegen, ist aber kein Problem. Da bei dem Hafen eine supermoderne Werft angehängt ist, bitte ich,  dass sich ein Elektriker unser Motorproblem anschaut, besonders auch, weil seit heute früh, der Motor auch nicht mehr über den Roten Knopf gestoppt werden kann. Wie sollte es auch anders sein, der  Mann kommt, nimmt unser Provisorium weg, steckt die Kabel ein und….Brummmmmmm. der Motor springt an !!!!  Und lässt sich auch wieder normal abstellen!!!

Das Gesetz von Murphy hat sich wieder einmal bewiesen !!  

Seitdem  kein Problem mehr mit Motor anlassen oder abstellen.

Vor dem Eindunkeln, kommen Celine, die Tochter von Francois und ihr Freund zu Besuch. Sie  weilen gerade für eine Woche in der Nähe von Rom und so können wir uns Ihres Besuches erfreuen. Gutes Essen im Hafenrestaurant, mit überdimensionierten Portionen, bringt gute Stimmung auf und einen schönen Abend. Die beiden schlafen bei uns auf dem Schiff.

 

14.10.04

Um 0800 ist Tagwach, denn wir wollen heute nach Giglio, eine herrliche Insel im toskanischen Archipel. Der Wind weht erst gut, dann dreht er direkt auf die Nase, so dass wir mit dem Motor etwas mitschieben. Giglio ist wie ausgestorben. Wir wollen nach Giglio-Kastel, das oben auf dem Berg thront. Leider ist kein Taxi aufzutreiben, so dass wir bis 1900 auf einen Bus warten müssen. Gleichzeitig will auch eine deutsche Mannschaft vom Schiff nebenan ans gleiche Ort. Wir unterhalten uns und finden raus, dass diese Leute aus Dresden kommen und zum Tauch-Segeltörn in Elba mit Skipper gechartert haben. Skipper Peter kennt sich in Giglio aus und führt uns in ein schnuggeliges nettes Restaurant. Wir haben dort die Wahl zwischen Spagetti Pommodore und Spagetti Pesto.  Francois und ich nehmen Pommodore. Spagetti kann dieser Koch nun wirklich gut kochen, es ist ein Gedicht.

Mit den Dresdner werden Sprüche ausgetauscht und den ganzen Abend werden Witze erzählt. Das Highlight ist, dass wir kein Taxi bekommen können und kein Bus mehr fährt. Liebenswürdiger Weise bietet sich eine Dame aus Mailand, die ebenfalls zu Gast ist, Vier von uns Zehn mitzunehmen. Die Wirtin mit ihrem Auto übernimmt die restlichen Sechs, davon Zwei im Kofferraum.

Den lustigen Abend verlängern wir erst bei uns zum Kaffee, dann bei denen auf dem Schiff mit Wein. Reichlich, reichlich. Danach schlafe ich wie ein Murmeltier.

 

15.10.04

Die Überfahrt nach Portoferraio ist nichts Besonderes, ausser, dass der Motor wieder nicht startet. Aber wir haben ja noch unser Provisorium, das schnell wieder aktiviert wird.

In Portoferraio suche ich Andrea, meine ehemalige Segellehrerin, die mir bei der praktischen Prüfung so Hilfreich war. Ich wollte nämlich bei einem „ Mann über Bord“–Manöver zu früh eindrehen, konnte aber nicht, weil sie solange auf der Pinne stand bis es Zeit wurde zu drehen. Damit der Experte nichts merkt, belaberte sie Ihn ganz heftig mit alten Erinnerungen. Und da sich der Experte mehr für eine hübsche junge Dame als für einen alten Knaben interessierte, hat das auch gut funktioniert.

Leider konnte ich Andrea nicht ausfindig machen.

 

16.10.04

Wir mieten ein Auto und fahren um die ganze Insel. Der Tag ist traumhaft, nur etwas windig.

Abends finde ich Andrea in ihrem Laden und wir treffen uns später beim Bier in der Hafenbar.

Es wird nicht spät, denn in der Früh wollen wir ablegen und versuchen ans Nordkap von Korsika zu kommen.

 

17.10.04

Der Tag fängt schlecht an. Als erstes zerschiesse ich den Kartenplotter. Durch zu frühes drücken der Clr-Taste ist die Konfiguration weg. Mit viel Geduld gelingt es, die Konfiguration wieder  herzustellen, nicht aber, den Bildschirm im Cockpit zu aktivieren. Der ist „ out of order „ ( Scheisse ). Gut ist nur, dass Amel die Hauptstation so eingerichtet hat, dass man auch vom Cockpit aus damit arbeiten kann. Es gibt sogar eine Fernbedienung dazu !

Kurz nach dem Hafen erhalten wir guten Wind und machen gleich flotte Fahrt, nur müssen wir etwas zu stark nördlich fahren. Nach einem Drittel der Strecke frischt der Wind auf ,30, 40 und z.Teil 45 Knoten ( Spitze war 48 Knoten) gegenan. Die Wellen werden immer höher und erreichen max. Höhen von 5-6 Meter. Die Höhe selber wäre nichts Besonderes, aber diese Wellen sind so kurz und steil und brechen auf der Kante, dass die SAMANTHA beim abkippen so aus dem Wasser gehoben wird, dass die Schiffsschraube durchdreht, und das, wo doch die Schraube sehr tief liegt. Dann sticht sie in die nächste Welle ein und wir werden gleich wieder überspült. Mehr quer zur Welle geht nicht, sonst legt sich das Schiff komplett auf die Seite und nimmt das Wasser über die Seite ins Cockpit.  Eine „Monsterwelle“ hebt das Boot regelrecht aus dem Wasser, legt es quer und drückt es platt. Im Cockpit haben wir kurz mal ca. 20 cm Wasser und alles ist es so nass, als hätten wir kein Dach. Zum ersten Mal sehe ich Wasser am Cockpitrand, und das will bei der Amel was heissen. Der Kampf mit Wind und Welle über 3 Stunden geht an die Substanz. Wir entschliessen uns, nach Capraia abzulaufen und bessere Bedingungen abzuwarten, denn wir, wie auch das Schiff sind an der Grenze des Erträglichen angelangt.

Selbst unter Motor schaffen wir es nur knapp in den Hafen einzulaufen. Dort sollten wir quer zum Wind an der Mole anlegen. Ich weigere mich und lege erst mal zum Wind längs an. Etwas später, als es ruhiger ist, verlegen wir uns an den zugewiesenen Platz. Zum Einschlafen muss mir keiner ein Liedchen singen, ich bin gleich nach dem Essen weg.

 

18.10.04

Es ist schon bald 1000 als wir uns auf den Weg machen. Entgegen gestern ist die See recht ruhig und der Wind ist uns gut gesinnt. Wir starten unsere Fahrt nach Hyères. Den ganzen Tag keine besonderen Vorkommnisse, und die Nacht wird ebenfalls recht gemütlich, von einigen kleineren Regenschauern abgesehen. Die Nachtwache haben wir so eingeteilt, dass ich mit der ersten Wache anfange und bis 2400  die  Stellung halte. Von 2400 bis 0300 ist Francois im Cockpit, von 0300 bis 0600 wieder ich und die letzte Wache dann nochmals bis 0900 macht Francois.

Während der Nacht war es längere Zeit windstill, so dass wir mit dem Motor schieben mussten, was uns in unserem Zeitplan etwas früher in die Nähe von Hyères brachte als erhofft.

 

19.10.04

Immer noch auf See seit gestern Früh. Am Horizont sehen wir schon die Französische Küste.

Plötzlich, aus dem Nichts, taucht ein Helikopter auf, kommt ganz nahe an uns heran und ruft uns dann per Funk über Kanal 16 (Notrufkanal).

Da unser Schiffsname gut leserlich am Schiff sichtbar ist, meldet sich der Funker und ruft die SAMANTHA.  Es ist ein  Helikopter der Französischen Navy, der uns auffordert  unseren Kurs zu wechseln und erst mal Richtung St.Tropez zu fahren um dann der Küste entlang nach Hyères zu gelangen. Der Grund für unseren Umweg sind Schiessübungen in genau dem Gebiet, das wir durchfahren wollten. Ich finde es gut, dass uns die Navy gewarnt hat, sost hätten wir vielleicht noch eine kleine Bombe oder Rakete abbekommen. Ungutes Gefühl !

Wegen dem gefahrenen Umweg schaffen wir es dann erst gegen 1600 in den Hafen von Hyères einzulaufen. Gerade als ich die Hafeneifahrt ansteuere, erwischt uns eine Böe von 30 Knoten. Unter diesen Umständen fahre ich nicht in den engen Hafen ein. Ich drehe ab und erlaube mir noch eine kleine Wartepause. Nach 10 Minuten ist alle  wieder normal und wir fahren ein.  Nach 30 Stunden bzw. 170 Seemeilen (ca. 315 Km) sind wir froh, das Schiff vertäut zu haben und geniessen wie üblich ein kühles Bierchen.

 

20.10.04

Vormittags geht es bei uns wie im Bienenhaus zu. Die Leute von Amel bringen die bestellten Ersatzteile, stehen mit Rat und Tat bereit und prüfen auf dem Boot einige der technischen Ausrüstungen. Sie entdecken, dass im Antrieb Wasser eingedrungen ist und sich mit dem Öl vermischt hat. Um das zu beheben, muss ich den Propeller abnehmen und die Dichtungsringe austauschen.  Das kann erst geschehen wenn das Boot aus dem Wasser ist. Wie ich das bewerkstelligen muss, wird mir genaustens erklärt. Ebenfalls im Bugstrahlruder muss eine Dichtung ausgetauscht werden. Ich bekomme auch hierfür die notwendigen Teile und Instruktionen. Nochmals muss ich einfach ein riesiges Lob an die Amel -Leute aussprechen, den deren Hilfsbereitschaft ist  für einen Laien wie mich Gold wert. Von der Elektronik-Firma erledigt Mr. Patrick die Aufgabe, unsere Geräte wieder in Gang zu bringen. Ein Spezialist von Yanmar entdeckt schnell den Fehler in einem Relais an der Masse, und nach einem Austausch läuft der Motor auch wieder in alter Gewohnheit.

Glücklich und zufrieden legen wir am Nachmittag noch 25 Seemeilen bis Bandol hinter uns.

 

21.10.04

Von Bandol aus fahren wir in den Dunst, Man sieht nur einige wenige Meilen. Da wir bereits um 0800 gestartet sind erreichen wir unseren  „Winterhafen“ bereits anfangs Nachmittag. Sofort beginnen wir mit den „ Abwrackarbeiten“ und den Vorbereitungen fürs Winterlager.

 

22.10.04

Als Erstes holen wir die Segel ein, und putzen das Dingi und die Bagskisten (Stauräume). Um 1100 haben wir den Termin unter dem Kran, dort wird unsere SAMANTHA aus  dem Wasser gehoben und an ihren Winterplatz gestellt. Das Team im Port Napoleon ist sehr professionell. Um 1200 ist die Übung fertig und wir können mit dem Putzen und mit den Unterhaltsarbeiten weitermachen.

Nachmittags fährt Rita ein. Sie ist mit dem Auto in 6 Stunden zu uns gefahren und verstärkt das Putzteam.

 

23.10.04

Den ganzen Tag brauchen wir noch um alles für den Winter vorzubereiten. Eine lange Checkliste wird Punkt für Punkt abgearbeitet. Es muss alles sauber gemacht werden. Die Wäsche und alle Textilien werden in grosse Vakuumsäcke verpackt. Alle Wasserleitungen müssen durchgespült werden und die Tanks und Boiler geleert werden. Nicht zu vergessen das Saubermachen der Schmutzwassertanks usw..usw.   Es ist schön ein großes komfortables Schiff zu haben, aber es gibt auch entsprechend viel Arbeit vor dem Winterlager. Es fängt schon an zu dämmern als wir dann um 1800 fertig sind, ich das Schiff abschliesse und wir uns auf den Heimweg machen, wo wir kurz nach Mitternacht ankommen. Hätten wir nicht die Möglichkeit gehabt, mit dem Auto einiges mit nach Hause zu nehmen und in kürze nochmals aufs Boot zu gehen um noch einige, nicht dringende Arbeiten zu erledigen, hätten wir mindestens noch einen bis zwei Tage länger gebraucht.

 

24.10.04

Heute habe ich den ersten Teil der Familie  nach 6 Monaten wieder gesehen, den Bericht hier noch abgeschlossen  und  in Gedanken nochmals die herrlichen  letzten 6 Monate Revue passiert.

Die diesjährige Reise hat genau 190 Tage gedauert.

Ungefähr 135 Mal haben wir irgendwo geankert oder angelegt.

Etwas mehr als 130 neue Orte  in Italien, Kroatien, Albanien, Griechenland und Türkei konnten wir besuchen.

Fast 4400 Seemeilen (ca. 8000 Km) haben wir zurückgelegt. Genau gleichviel wie letztes Jahr, nur hat es diesmal 1 Monat länger gedauert.

Geplant ist, dass  ich das Boot nächstes Jahr an Ostern wieder ins Wasser setze und die Reise um  das Mittelmeer fortsetze.

Erfreut hat mich, dass bereits fast 4000 Mal unser Bericht (Durchschnittlich ca. 170 / Monat) aufgerufen worden ist. Diejenigen, die sich weiter interessieren, haben die Möglichkeit ab nächstem April, uns weiter zu begleiten.

Euer Kapitän der SAMANTHA

Rudy