REISEBERICHT - Juni 2005

 

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Sonnenaufgang auf dem Grossen St Bernhard

 

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Im Fährhafen Olbia

 

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Eveline und Philippe vor der Fähre

 

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Die Luxusjacht

 

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Erste Badefreuden

 

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Abendliches Shopping

 

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Das "Wildschweinrestaurant"

 

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Sonnenuntergang über Elba

 

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Vater und Sohn auf dem 1000 SM-Törn

 

 

 

20.6.05

Es ist noch stockfinster draussen. Der Wecker besteht darauf mich aus dem Schlaf zu holen. Es ist drei Uhr dreissig in der Früh. Um vier Uhr  wollen wir, mein Sohn Philippe seine Freundin Eveline und ich Richtung Sardinien fahren. Erst gestern abend bin ich aus Portugal zurückgekommen, konnte gerade mal kurz meine Rita begrüssen und schon gehts wieder los. Rita hat mir die  Reisetasche schon fertig gepackt so dass wir wenigstens noch einen gemütlichen Abend beisammen sein konnten und auf die Jungen warten die so gegen elf eintrudelten.

Etwas Aufregung hatten wir noch weil ich das Fährticket , das ich per Internet bestellt hatte  nicht ausdrucken konnte. Später vernahm ich, dass sich Philippe dieses bereits heruntergeladen hat, und somit ein weiteres öffnen scheinbar gesperrt ist.

Na gut, es ist pünktlich vier als  wir von Colombier aus wegfahren.

Bereits um  0600 sind wir oben auf dem Grossen Sankt  Bernhard Pass, wo uns ein Italienischer Zöllner in Empfang nimmt. Es ist ein junger Kerl. Vermutlich ist er an diesen gottverlassenen Ort strafversetzt oder er muss sich eine Beförderung abverdienen.

Der um diese Zeit in den Bergen erwachende Tag ist genau so schön, wie der Tagesanfang auf dem offenen Meer, nur etwas später.

Über Genua und die Toscana erreichen wir kurz vor 1400 unser Etapenziel, Civitavecchia, wo um 1500 die Fähre uns nach Olbia mitnimmt. Mit dem Online-Ticket hat es diesmal gut geklappt.

Die Fahrt von zu Hause bis zum Hafen war gemütlich und eigentlich schnell vorbei. Rita hatte uns Brötchen und Kaffee mitgegeben Eveline hat alle paar Km auf Toilette gehen müssen, was typisch Frau ist und wir hatten erstaundlich wenig Verkehr.

Die Fähre war diesmal wesentlich stärker besetzt als letztesmal im Mai und wir müssen uns richtiggehend die Stühle auf dem Deck erkämpfen.

Um mich nicht wieder in Olbia zu verfahren, wie im Mai mit Christoph haben wir den PC mit dem Reiseplaner eingeschaltet doch leider funktionierte es nicht, weil Philippe vorher den Laptop auf Standby gestellt hatte und nun der Strom verbraucht ist. Trotzdem finden wir nach einigem hin und her die Strasse nach Galetta  und sind dort um 1100 Abends.  Auf unserem Schiff ist alles OK und wir richteten uns provisorisch für die Nacht ein.

 

21.6.05

Heute ist Bootstag. Alles zur Reise klar machen. Einkaufen etc. Philippe und Eveline fahren noch nach Olbia in eine Werkstatt um die Badeleiter reparieren zu lassen.

 

22.6.05

Gleich nach dem Frühstück gehen Philippe und Eveline nochmals in die Werkstatt um die Leiter abzuholen, danach legen wir los und segeln nach Norden. Nach nur einer guten Stunde telefoniere ich mit Werner der eigentlich auch in der Gegend sein müsste.  Und siehe da er ist ganz nahe in einem Hafen. Wir drehen ab und nehmen Kurs in seiner Richtung. Wir können einander nur ganz kurz begrüssen, denn Werner ist bereits auf dem Sprung zum Flughafen. Er muss für kurze Zeit in die Firma. Schade wir legen wieder los und segeln weiter nördlich. Unser Ziel ist die Insel Elba, wo Eveline aussteigen wird um zu Hause ihr Diplom abzuholen. Heute setzen wir den Anker in der Cala di Volpe ( gleich neben Porto Cervo ) . In unserer Nachbarschaft ankert eine Motorjacht, die so wird gemunkelt, Bill Gates  gehöre. Vorne auf der Bugspitze sitzt ein Helikopter und hinten am Heck ist eine Badeplattform ausgeklappt mit Liegestühlen, Teetischchen und Sonnenschirme usw. Wir sind daneben doch etwas bescheidener mit unserer SAMANTHA, die trotz ihrer stolzen Grösse nur dem Dingi der Superjacht gleich kommt.

 

23.6.05

Wieder so ein super Segeltag. Keine Welle, Wind regelmässig aus östlicher Richtung, was gibt es schöneres ?

Da die Jungmannschaft vormittags einfach nicht in die Gänge kommt, legen wir erst so um 1100 los. User eigentliches Ziel, Bonifacio ist daher zu weit weg es fehlen die verschlafenen 2-3 Stunden, also machen wir einen Stop in der Bucht von Porto Pozzo. Da es noch nicht allzu spät ist verreisen die beiden mit dem Dingi zum Baden an einem einsamen Strand. Papa sitzt auf dem Boot und liest.

 

24.6.05

Eine nicht allzulange Strecke heute bis Bonifacio. Einer meiner Lieblingshäfen, und ich freue mich schon auf das Wildschweinragout heute abend.

Da wir  bereits  vor 1500  im Hafen liegen bekommen wir das ganze Hafenkinoprogramm. Es ist einfach immer wieder herrlich zuzusehen, wie sich zum Teil Skipper mit den Elementen Wind und Wasser abmühen, weil sie keine Ahnung vom Manöverieren mit dem Boot haben. Leider wird das ja auch in keiner Bootsführerscheinprüfung verlangt und nicht jeder hat das Glück dass er mehrere Wochen ja  Monate im Jahr segeln kann und sich damit die Erfahrung aneignet.

Nun, nachdem wir noch unsere Vorräte aufgefüllt haben , möchten wir gerne in die Altstadt und später dort zum Essen. Vergeblich warte ich, dass sich ein Boot neben uns hinlegt denn der Platz neben uns ist immer noch frei. Ich gehe nicht gerne von Bord bevor dieser Platz unter meiner Beobachtung  belegt wird denn einige Künstler könnten beträchtlichen Schaden anrichten wenn sie in eine schmale Parklücke einfahren müssen. Philippe und ich stehen am Bug und winken einem kleineren Segelboot zu und geben Zeichen dass neben uns noch ein Platz frei ist. Der Skipper schwenkt ein, und wir begleiten das Boot bis es festgezurrt ist. Wir bemerken schnell, dass die gesamte Mannschaft, es sind drei Männer, taubstumm ist. Ein Wahnsinn, zuzusehen, wie die sich nur mit Gesten unterhalten alle „Kommandos“ per Kopfnicken oder Handbewegung geben und doch klappt es wunderbar. Viele Skipper könnten sich da ein Beispiel nehmen, hört man doch hin und wieder furchtbares Gebrüll und Getöse auf Schiffen besonders wenn es Ehepaare sind.

Philippe meinte nur cool wir würden wohl eine ruhige Nacht verbringen, denn die werden nicht so ein Lärm vollführen wie andere auf  Schiffen mit Männercrews.

Gegen Abend gehen wir zur Siteseeing in die Altstadt, die auf dem Felsen eingegrabenen, imposanten Befestigungsanlagen und über den Friedhof zu „meinem Restaurant „ wo ich das Wildschweinragout bekomme.

Ein super schöner Tag, rechtzeitig ins Bett denn morgen gehts um 0700 los Richtung Elba.

 

25.6.05

Wie besprochen legen wir um 0700 los. Erst haben wir noch keinen Wind und tuckern unter Motor in die Bucht von Cavallo, einer der schönsten Buchten im Madalena Archipel. Hier gehen wir vor Anker und geniessen ein herrliches Frühstück bevor wir einen direkten Kurs Richtung Elba einschlagen. Zuerst provitieren wir von einem Westwind, der  querab uns die Segel bläht und mit regelmässigen 4-5 Knoten vorwärts schiebt. Es ist traumhaftes Segeln doch die Strecke bis Elba beträgt gute 100 Seemeilen, das heisst minimum 20 Stunden, wenn es so weiterläuft. Aber es läuft nicht so weiter. Abends nach einem Sonnenuntergang wie im Märchenbuch sagt der Wind adé und geht schlummern. Wir schieben uns die Nacht um die Ohren mit 2 bis 2 ½  Knoten.  Bis um 0100 halte ich Wache und wecke dann Philippe der bis 0400 Wache schiebt und von Eveline abgelöst werden sollte.  Wie es aber so mit jungen Leuten sein kann,  bleiben beide auf der Brücke und geniessen die Nachtfahrt. Mit Radar ausgerüstet kann man alle Schiffe im Umkreis von ca 30 Km auf dem Bildschirm  ausmachen und dann  die Lichter in der Nacht suchen. Diese Nacht ist von einem ¾ Mond noch richtig hell und der Sternenhimmel ist faszinierend.

 

26.6.05

Immer noch irgendwo zwischen Korsika und  Elba. Der Wind scheint ebenfalls den Sonntag als Ruhetag zu geniessen, so dass wir erst gegen Abend um 1730  in der ersten Bucht von Elba den Anker setzen. Den Tag habe ich mit viel lesen und die Jungen mit „Nachschlafen“ verbracht. Jetzt ist es Zeit endlich wieder ein schönes Bad zu nehmen, denn auch auf Elba ist das Wasser bereits 26 Grad. Wir haben ganze 36 Stunden gebraucht um die ca 100 Seemeilen  hinter uns zu bringen.  Für Philippe und Eveline ist erst mal wieder Landgang angesagt, ich bleibe auf dem Schiff und erledige das eine und andere.

 

27.6.05

In gemütlicher Fahrt verlegen wir uns nach Porto Azzurro, in der Bucht, wo bereits viele Boote liegen setzen wir ebenfalls den Anker.  Schon bei der Anfahrt sind mir zwei Boote mit Schweizer Flagge aufgefallen und wir legen uns in deren nähe.

Kaum  geankert, kommen  zwei Buben  mit dem Dingi zu uns und  fragen ob wir schweizerdeutsch reden. Natürlich!  Gleich erzählen sie uns , dass sie bereits seit 3 Jahren mit ihren Eltern auf dem Schiff leben und eben aus der Karibik zurückgekehrt seien. Toll wie diese Begeisterung herüberkommt.  Nebenbei fragen die Beiden, ob wir Peter und Christina aus der Schweiz kennen würden . Na klar, das sind doch die Beiden aus Caletta die uns netterweise im Mai zu unserem Auto in Navareze gefahren haben.

Später, nach einem ausgiebigen Apero beim anderen Schweizer Boot, kommen Peter und Christina auch noch kurz bei uns vorbei. Leider haben sie wenig Zeit da die Pfannen bereits auf dem Herd stünden und sie noch  eventuel diese Nacht wegfahren wollen, Sie müssen zurück nach Caletta  ihre Töchter abholen, und da die Prognosen starke Winde für die nächste Zeit vorhersagen, möchten sie abhauen. Schade, aber man sieht sich sicher wieder denn wir bleiben ja in der Gegend.

 

28.6.05

Porto Azzurro , Portoferraio ist eine kurze schöne Tagesstrecke bei angenehmem Windchen.

In Portoferraio ist der Hafen nicht mehr überfüllt, seit dem dort nun auch Liegegebühren erhoben werden. Dafür ist die Bucht richtig voll mit Booten deren Besitzer keine Lust haben die zum Teil unverschämten Preise von 60 bis 100 Euro pro Nacht hinzublättern.

Auch wir liegen  dort und gehen mit dem Dingi unser Bierchen trinken.

 

29.6.05

Eveline und Philippe haben sich am gestrigen Abend für 0900 ein kleines Auto reserviert um heute eine Inselrundfahrt zu machen. Ich hatte dasselbe mit Francois letztes Jahr gemacht und konnte daher diesen Plausch nur empfehlen.  Ich bringe die Beiden an Land und verbringe danach den Tag auf dem Boot mit Lesen , Schreiben,  Putzen usw.  Langweilig wird es mir nie.

Um 1900 piepst das Handy und per SMS werde ich als Taxi benötigt. Zwischenzeitlich habe ich das Abendessen vorbereitet, so dass die Herrschaften gleich zu Tisch gebeten werden.

Den Rest des Abends verbringen wir mit Erzählen und Photos anschauen. Es war ein ereignisreicher Tag für die Jungen und  ein geruhsamer für mich.

 

30.6.05

Wir müssen bereits den Abschied von Eveline planen. Heute segeln wir nach Follonica , am Festlland Italien. Dort versuchen wir einen Hafen auszumachen an dem ich die Beiden morgen absetzen kann. Sie werden mit dem Zug in die Schweiz reisen, wo Eveline ihr Abschlussdiplom erhalten wird. Philippe kommt nach der Diplomfeier wieder zurück aufs Boot und Eveline wird sich zu Hause auf Ihren Auslandsaufenthalt in Südamerika vorbereiten.

In Follonica finden wir keinen Hafen, obwohl in der Seekarte einer vermerkt ist. Wieder eine Italienische Eigenart.

Etwas östlich von Follonica gibt es eine ganz neue Marina. Die scheint uns ideal zu sein. Mit dem Taxi ist man in 10 Minuten in Follonica am Bahnhof.  Also wir fahren dort in die Marina. Philippe geht zur Anmeldung, kommt aber wieder mit düsterer Mine zurück. Man wollte sage und schreibe  110 Euro für die eine Nacht ! Nach Verhandlung, wären sie auch mit  der Hälfte zufrieden gewesen! Nein, dann ankern wir doch lieber in der Bucht. Gesagt, getan, wir legen uns 200 Meter vom Hafen entfernt vor Anker und lassen uns ganz schön durchschaukeln denn wie so oft haben die Wellen und der Wind nicht die gleiche Richtung, das heisst, unser Boot legt sich wegen dem Anker in die Windrichtung und die Wellen schaukeln das Schiff seitlich. Aber uns macht das nichts wir sind ja gewohnte Seeleute.

Morgen Vormittag werde ich die beiden in der Marina absetzen und dann erst einmal alleine weiterziehen.