REISEBERICHT - März 2005

 

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Unser Blinder Passagier

 

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Steaks so gross wie Suppenteller

 

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Entlang der französischen Küste

 

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Ein warmes Süppchen tut gut

 

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Christoph ber der Navigation

 

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2 Wahle vor der Küste Korsikas

 

Eigentlich hat die Saison 2005  schon im Dezember 2004 angefangen, da bin ich nämlich mit Sohn Philippe  nach Port Napoleon gefahren , wo wir noch einige kleinere Arbeiten am Boot ausgeführt haben. So musste ich z.B. Die Simeringe bei der Schraube ( Propeller ) und den Simering am Bugstrahlruder auswechseln, da an beiden Orten Wasser ins Getriebe eingedrungen ist. Dank einer ausführlichen vorangegangener Erklärung  der Amel-Leute, wie so was gemacht werden muss, sind dann auch beide Operationen gut gelungen.  Beim abschleifen der Farbe an der Schraube hat sich Philippe so gütlich getan, dass dabei einiges an Metall weggeschliffen wurde, so dass ich ein ungutes Gefühl hatte, die Schraube könnte unter Umwucht leiden. ( Gott sei Dank, hat sich das dann bei der ersten Fahrt  nicht bestätigt.)

Als wir im Oktober das Boot ins Winterlager gesetzt hatten, haben wir es mit einer Plache zugedeckt. Diese Plache haben wir nun in stundenlanger Arbeit, Faden für Faden  wieder losgekratzt. An allen erdenklichen Ecken und Schrauben und sonstigen an der Oberfläche hervorstehenden Teilen hingen kleine und kleinste Stückchen von der damals so schönen Plache. Für den Mistral, der zum Teil mit über 100 Km/h geblasen habe, war diese Plache ein gefundenes Fressen.

Da meine Segel schon rechte Gebrauchsspuren aufweisen, brachten wir diese zu Amel in Hyères, wo sie untersucht und repariert werden sollen.

Nach 2 Tagen ging’s zurück in die Schweiz zu den Weihnachtsvorbereitungen.

 

5.3.05

Um 0600 hole ich in Aigle Sohn Patrick seine Frau Natacha und mein Enkelkind Samantha, die Namenspatin meines Bootes ab. Ziel ist Port Napoleon, wo ich das Boot vorbereiten und ins Wasser setzen will. Gestern noch war ich bei schönstem Sonnenschein auf den Skiern. Heute ist das Wetter saumäßig und für ganz Europa ist Schnee angesagt. Auf dem Weg, bis kurz vor Marseille schneit es auch und wo es nicht schneit, regnet es. Doch kurz vor Marseille reißt der Himmel auf und strahlender Sonnenschein empfängt uns im Hafen, Port Napoleon bei Port St. Louis.  Das ist Organisation!   Nur, schweinekalt ist es, das Thermometer zeigt gerade mal  6 Grad an. Und der Wind !   Mich bläst es fast aus den Schuhen.

Nach einem ermunternden Mittagessen, will ich direkt an die Arbeit, denn bis morgen, wenn Patrick mit der Familie zurückfährt, will ich das Boot mit dem Hochdruckreiniger gewaschen haben, damit er das Gerät wieder zurücknehmen kann. Patrick mit Familie geht an der Cote d’Azure promenieren und holt im Vorbeigehen bei Amel die Segel ab, denn diese brauche ich dringend, wenn ich in See stechen will, schließlich habe ich ein Segelboot.

Wenn sie mitfühlen wollen, überlegen Sie mal wie es sein könnte, in 5 m Höhe, bei einem Wind von 30 Knoten ( fast 60 Km/h ) mit einem Hochdruckreiniger das Boot zu waschen. Mit Vorteil steht man mit dem Wind im Rücken, sonst wird man so ziemlich nass, trotzdem gleicht eine solche Aktion schon fast einer Zirkusnummer. Aber es gelingt. Nun kommt der Abend. Eine warme Dusche in den Sanitärräumen des Hafens erweicht die steif gefrorenen Knochen. Danach einen schnellen Imbiss, von einem belgischen Koch zubereitet, unter einer Gasheizung im provisorischen Hafenbistro, das ist Highlight pur. Nun kommt’s aber noch besser. In der Kabine steht das Thermometer gerade mal bei 12 Grad. Dank dem kleinen von zu Hause mitgebrachten Heizöfelchen, ( eine Idee von Rita )  schaffe ich es in meiner nächsten Umgebung die Temperatur auf 16 Grad hochzupuschen.

Dann geht’s ab in den Armeeschlafsack (ein nützliches Überbleibsel von meinem Militärdienst vor 25 Jahren) zum herrlichen ersten Schlaf auf dem Schiff.

 

6.3.05

Heute will ich das Innere des Bootes soweit haben, dass Patrick und Familie bei mir einen Kaffee trinken können. Es soll anständig aussehen, da sie das Schiff zum ersten Mal betreten. Es gelingt mir denn auch bis zum späten Nachmittag alles innen zu putzen und herzurichten, dass es wie gewohnt schön und gemütlich ist. Leider kann ich die Bord-Heizung nicht in Betrieb nehmen, denn dazu muss das Boot im Wasser liegen. Das ist der Nachteil einer Klimaanlage, die zum Betrieb Wasser braucht. So nehme ich überall wo ich im Boot hingehe den kleinen Heizlüfter mit, wie ein kleiner Hund, kommt er mir vor. Die Außentemperatur ist heute etwas höher, ca. 10 Grad, aber der Wind unvermindert stark.

 

7.3.05

Es führt kein Weg daran vorbei, dass ich heute draußen arbeiten muss. Erst will ich die Schale putzen und einwachsen. Denkste !  Beim ersten Versuch  haut mich ein Windstoss samt Leiter um. Gut dass ich noch nicht durchfroren war, so dass ich noch in der Lage war, den Fall abzufedern. Nichts ist passiert, aber einen weiteren Versuch starte ich heute nicht mehr. Also beginne ich mit Arbeit Nr. 2, dem Unterwasseranstrich. Außer, dass ich mich 2 Mal gegen den Wind gedreht habe und somit mit Farbe nett bespritzt wurde, lief alles einigermaßen gut. Abends war der Farbkübel leer, keinen einzigen Pinsel voll hatte ich übrig. Meine Kriegsbemalung konnte ich dann wieder unter der warmen Dusche vom Leibe kriegen. Heute koche ich auf dem Schiff und sehe noch etwas Fern, bevor ich um 2000 bereits tief schlafe. Das ständige durch den unvermindert starken Wind verursachte schaukeln und schütteln im Boot ist eine gute Vorbereitung für die anstehende Fahrt.

Morgen soll, wenn alles klappt das Schiff ins Wasser gesetzt werden, dann könnte ich dann auch meine Bordheizung in Betrieb nehmen, was zu einer wesentlichen Erhöhung des Lebensstandards beitragen würde, denn heute Morgen, als ich erwachte hatte ich gerade mal 3 Grad in der Kabine und die Luke tropfte wegen Kondenswasser. Phurrrr…….. Bald wäre ich in der Lage an eine Fahrt in die Antarktis zu denken. So was habe ich letzthin im Fernseher gesehen, und selbst beim zusehen habe ich gefroren! Aber jetzt bin ich abgehärtet.

Ich frage mich, wo und wie unsere Schweizer Freunde mit ihrem Boot überwintert haben, denn dieses Jahr war nirgends am Mittelmeer warm und schneefrei und eine komfortable Heizung wie wir auf der Amel haben besitzen die nicht.

 

8.3.05

Wind, Wind, Wind,  zwar Sonnenschein aber unvermindert kalt, nur nachmittags wird es etwas wärmer.  Ich arbeite mich in meiner Checkliste vor und erledige eins nach dem andern, wobei ich die Arbeiten, die ich erst dann ausführen kann, wenn das Boot im Wasser liegt, eben hinten anstellen muss. Macht nichts. Vielleicht morgen. An die Temperatur habe ich mich schon gut gewöhnt und fühle mich abends in der Kabine  bereits bei 16 Grad schon sauwohl, vielleicht hilft auch ein guter Schluck aus der Schnapsflasche.

 

9.3.05

Keine Veränderung und wieder hoffen auf Morgen.

 

10.3.05

Ich erwache um 0700 und höre keinen Wind!   Ab in die Klamotten und rüber zum Kran.

Doch die Franzosen fangen erst gegen 0900 an. Nach einem freundlichen „ Bonjour  wird die SAMANTHA  vorbereitet. Fender raus, Festmacher-Leinen vorbereiten, das Stromkabel und der Wasserschlauch müssen weg.  Um 1000 wird SAMANTHA zu Wasser gelassen. Ein herrliches Gefühl.

Gleich nach dem Festbinden am Steg beginne ich damit, die Segel einzuziehen, den Motor und den Generator zu pflegen, Ölwechsel, Filterwechsel und Testlauf. Alles paletti. Am herrlichsten ist die Inbetriebnahme der Bordheizung. Endlich die so wohltuenden 20 Grad im ganzen Schiff. Ich kann mich nun wieder frei bewegen, ohne ständig den kleinen Heizlüfter am   Ar....... zu haben.

Heute will ich zur Feier des Tages nach Port St Louis, zum Nachtessen. Ich kann das nun, obwohl es ganze 3 Km Weg sind. Ich habe nämlich von Freunden ein Klapp-Fahrrad  geschenkt bekommen und das nehme ich mir nun zu Diensten. Hart ist der Hinweg, denn es geht alles gegen den Wind, aber zurück, mit vollem Bauch, ein Kinderspiel.

 

11.3.05

Noch einige Kleinigkeiten auf meiner Checkliste sind zu erledigen, dann bin ich fertig und bereit zur großen Fahrt. Nach Sardinien soll’s gehen.

Mittags, ziele ich so, dass ich in Port St Louis etwas Kleines essen könnte, danach einkaufen, und abends ca. 1800  kommt Christoph, ein Bekannter aus Deutschland.

Also, ich besteige das Fahrrad, auf das ich stolz bin, pedale nach Port St Louis wo ich von 1300 bis 1330 essen will, danach einkaufen. Denkste, gegessen habe ich zwar, aber dann feststellen müssen, dass die Einkaufsgeschäfte nicht vor 1530 die Pforten öffnen. Die Franzosen haben das Arbeiten auch nicht erfunden!  Die 3 Km zurück und um 1530 ein neuer Anlauf. Ich avanciere mich bereits zum Fahrradprofi. Einkaufen ist schön, und in Frankreich gibt es so viele gute Sachen!

Fazit, ich bin plötzlich spät dran, denn um 1800 soll Christoph eintreffen und weiter, der Inhalt des Einkaufswagens will partout nicht in meinem Rucksack Platz haben. Mit einem tonnenschweren Rucksack und 4 Plastiktüten lässt es sich sehr schwer Fahrrad fahren.

Es kommt mir gerade recht, dass ich jemanden aus dem Hafen treffe, den ich frage ob er mir ev, die Tüten in seinem Auto mitnehmen könnte, Er bejahte. Als ich dann den Kofferraum sehe, überlege ich, ob es nicht doch besser wäre, auch den Rucksack mitzugeben. Gut sind die Autos so groß, schlussendlich quetsche ich auch noch das Fahrrad hinein ( es ist doch klappbar ) und ich habe auf dem Beifahrersitz auch noch Platz. So erreiche ich mit Sack und Pack gerade in diesem Moment den Hafen, als Christoph aus dem Taxi steigt.

Freundliche Begrüßung, kleiner Imbiss im Hafenbistro , 2 schöne Bier und Männergeschwätz. Wir freuen uns auf die Fahrt.

 

12.3.05.

Wir hängen im Hafen herum, plaudern hier und dort mit „ Hafenbewohnern „  und begutachten unsere beiden Boote. Christoph profitiert, einige kleinere Arbeiten an seinem Boot, das am gleichen Steg wie die SAMANTHA  liegt, auszuführen. Er hat ein schönes Boot, eine Wauquiez, 48 Fuß, will aber diesen Trip mit mir auf der Amel mitmachen. Morgen wollen wir loslegen.

 

13.3.05

0700 Tagwache, Frühstück und um 0800 machen wir die Leinen los. Der Wind bläst mit herrlichen 15 Knoten, genau das was wir brauchen um heute nach Porquerolle zu kommen.

Der Löwengolf  ( „ Golf du Lion „ ) macht seinem Namen alle Ehre. Mit Wind von Achtern (hinten) und einer Stärke bis 24 Knoten rauscht die SAMANTHA mit bis zu 9 Knoten durch das Wasser, von den Wellen noch mitgeschoben. Segeln vom feinsten, und das bei angenehmer Temperatur. Genau auf den Anfang unseres Trips hat sich der Frühling angemeldet.

Abends ankern wir in der Bucht vor dem Hafen Porquerolle, holen das Dingi aus der Bagskiste und essen in einem kleinen hübschen Restaurant einen guten Fisch.

Den ganzen Tag über haben wir 2 Segelboote angetroffen, und hier im Städtchen ist alles noch sehr ruhig. Wir sind sichtbar vor der Saison.

 

14.3.05

Wieder um 0800 legen wir los nach Hyères. Nach 2 Std. machen wir am Begrüßungssteg in Hyères fest und rufen den  Amel Manager an, der dann auch gleich zum Boot kommt.

Mit einer unglaublichen Professionalität warten die Amel-Leute auf. Mein Boot wird wegen eines kleinen Wassereinbruchs, den ich nicht lokalisieren kann untersucht, das Setzen der Segel wird geprüft um zu verhindern, dass durch falsches Setzen oder durch falsche Handhabe erneut Schäden an den Segeln entstehen. Gleichzeitig wird von der Elektronikfirma nach der Ursache ein Nichtfunktionieren meines Wetterfaxes gesucht.

Abends um 1800 legen wir dann los um noch nach St.Tropez in der Bucht neben dem Friedhof zu ankern. Ohne Kenntnisse der Örtlichkeiten würde ich eine solche Fahrt nicht unternehmen, denn es gibt nichts Gefährlicheres als sich nachts in einen unbekannten Hafen oder eine Bucht zu begeben. Die Distanzen und die Umgebung sehen bei Nacht so unterschiedlich aus, dass man bei Tagesanbruch manchmal kaum zum Staunen heraus kommt.

Zusätzlich als Schwierigkeit kam bei uns dazu, dass wir bei Einbruch der Nacht feststellten, dass unser Radar komplett falsche Angaben spuckte. So sahen wir ein Boot, das  uns von vorne rechts nach hinten links kreuzte auf dem Radarschirm von hinten rechts nach vorne links vorbeifahren. Das Land und die Felsen, die wir links von uns liegen hatten, waren auf dem Radarschirm rechts.  Gut dass ich Spiegelschrift lesen kann.

Trotzdem fanden wir die besagte Bucht bei St Tropez und ankerten kurz nach  Mitternacht.

 

15.3.05

Christoph hatte mir beim Antritt der Reise erklärt, dass er eigentlich nie frühstücke. Ob er meine Grimasse gesehen hat, oder ob die Seeluft ihn eines besseren belehrt hat weiß ich nicht, jedenfalls wurde bei uns immer schön gefrühstückt, so mit Brot, Käse, Wurst und hin und wieder ein Ei. Mittags gab es dann mal einen Riegel oder wenn’s arg kalt war eine schöne warme Suppe.

Heute war es nicht kalt, im Cockpit hatten wir bis zu 20 Grad. Der Grund war einfach: kein Wind. Nachdem ich die vorangehende Woche so vom Wind geplagt wurde, fehlte nun der Wind absolut. Der Windmesser, ein sehr sensibles Gerät, machte sich nicht mal die Mühe, wenigstens eine Zahl hinter dem Komma zu setzen!  Motor für die ganzen 64 Meilen bis zum Hafen von Arenei ( nach der  Italienischen Grenze zu Monaco ). Die ganze Cote d’Azure und Monaco haben wir an uns vorbeiziehen sehen, aber alles so still und noch verträumt auf die ersten Touristen wartend.

Gerade noch 5 Minuten vor dem Dunkel werden konnten wir noch in den unbekannten Hafen einlaufen und das Boot festbinden. Eine Punktlandung !  Spaziergang ins nahe gelegene Dorf, schönes Essen in einer lokalen Kneipe, herrlich .

 

16.3.05

Auf dem Vorplatz des Hafengebäudes genießen wir das italienische Frühlingsflair mit Café und Croissants. Eine Enttäuschung für Christoph, der sich im Hafenbüro für einen Liegeplatz erkundigt. Seit 2 Jahren ist die Warteliste geschlossen, unmöglich einen Platz zu bekommen. Der Hafen ist brandneu und Schiffe, besonders schöne Segelboote, liegen da, auch das vom Belgischen König.

Natürlich gibt es viele pompöse Motorjachten, mit denen die italienischen Machos uns Segler immer wieder ärgern.  Die Boote sind alle so gebaut, dass sie für die Herrschaften, vor allem die Weiblichen, hinten eine Liege haben. Christopher hat mir dann mal aus seinem unglaublich humorvollen Wortschatz einige Kostproben gegeben und diese Motorjachten tituliert.

Da gibt es die „ Mäusebräter „   bei denen liegen die Mäuschen hinten auf den Liegeflächen, die wiederum  Bumswiesen genannt werden. Die größere Kategorie von Booten, die einen Tagesverbrauch von bis zu 2000 Liter Diesel haben, sind so genannte Bums-Bomber oder Mäuse-Jagd-Panzer. So wurde unser Hafenrundgang zu einem  erquickenden Erlebnis.

Heute lassen wir uns Zeit und legen erst um 1200  los, denn wir wollen nicht mitten in der Nacht in Calvi auf Korsika ankommen, sondern erst nach Tagesanbruch.

Vor dem Ablegen haben wir noch mit der Elektronikfirma telefoniert und die Instruktionen zur Umstellung des Radars eingeholt. Nun konnten wir eigentlich optimistisch die Nacht durchfahren. Mitten auf dem Meer zwischen Festland und Korsika umfliegen uns 2 Vögel, die auch ständig versuchen auf dem Boot zu landen. Wir schauen dem Schauspiel eine Weile zu und kommen zum Schluss, dass die beiden Viecher ziemlich fertig sein müssten und der Weg zum nächsten Landeplatz noch mindestens 60 Km weit ist. Auf einmal fliegt einer der Vögel durch den Niedergang direkt ins Boot und setzt sich auf die Lampe über dem Esstisch. Nach einer kurzen Pause fliegt er wieder hinaus um nach ein paar Minuten zurückzukehren. So geht es für fast eine halbe Stunde. Rein , raus, er weis scheinbar nicht was er will. Dann endlich, fliegt einer rein, ein anderer setzt sich draussen hin, um später ebenfalls die Wärme im Inneren zu suchen, wo er sich über dem Kartentisch sein Nachtquartier einrichtet. Die beiden Vögel stört es überhaupt nicht, dass Christoph und ich auch an Bord sind.

Ohne Motor wäre heute auch kein Vorankommen, also brummten wir durch die Nacht und erreichten unser Ziel, die Bucht vor Calvi bereits um 0300  früh.

Die Nacht war klar und ein halber Mond, erlaubte uns bei einigermaßen guter Sicht in der Bucht von Calvi, die  Christoph bereits kannte, zu ankern. Es war auch gut so, denn wir stellten fest, dass wir gemäß unserer elektronischen Karte den Anker irgendwo hinter dem Badestrand gelegt hätten. Eine Verschiebung der Karte gegenüber unserer per GPS festgestellten Position ergab etwa 50 Meter. Eine solche Differenz  könnte auch ins Auge gehen. Da wir aber Dank einiger Boyen, die wir klar ausmachen konnten, sicher waren dass wir richtig liegen, konnten wir dann auch gut schlafen.

 

17.3.05

Erst um 0900 Tagwache. Ein schöner Ausblick. Wir liegen direkt vor dem Städtchen Calvi und einem herrlich anmutenden Badestrand. Das Wasser hat erst ca. 6-8 Grad, also verzichten wir gerne noch auf das Baden. Unsere beiden blinden Passagiere haben sich ohne Abschiedsworte von Dannen gemacht, Zum Gruss, hat jeder noch an seinem Plätzchen einen schönen Schiss hinterlegt, der dann von Christoph  säuberlich entfernt wurde. Er war es ja auch, der insistiert hatte, dass wir als „ Vogelretter “ die beiden haben übernächtigen lassen. Gerne hätte er ja noch ein schönes frühstück serviert, aber sie waren nun halt früher wie wir aufgestanden. Nach unserem Frühstück wollen wir direkt loslegen, denn Calvi sei überhaupt nicht Sehenswertes, so spricht Christoph aus Erfahrung.

Oh Schreck.

Ich sehe kaum mehr die Hand vor den Augen, so dicht ist der Nebel!

Trotzdem, wir legen los. Wir sind ja gut ausgerüstet mit einem nun wieder funktionierenden Radar, und elektronischer Karte, die ja nur so ca. 50 Meter neben der Position steht. Wir wollen einen weiten Bogen ums Kap machen und weit genug draußen im Meer fahren, dass die Abweichung keine Bedeutung hat.

Kaum losgefahren, hören wir ein Motorgebrumm, können auf dem Radarschirm aber nichts feststellen. Mit dem Aktiv-Radargerät, das unsere Radarwellen verstärkt zurückschickt, müssten wir gut sichtbar sein. Ob das Nebelhörnchen, das wir bereithalten, von einem Motorboot gehört wird, ist eher fraglich.

Wir stieren beide in den Faustdicken Nebel. Da, plötzlich taucht, nur gerade 50 Meter vor uns ein Mäusebräter auf, der mit beachtlichem Tempo quer vor uns durchrauscht. Glück oder hat er wenigstens uns gesehen, auf unserem Radar erschien der Kerl nicht, egal wie ich das Gerät einstellte. Also so ganz Verlass auf die Elektronik ist nicht.

Nach  2 Stunden  „Blindfahrt“ lichtet sich der Nebel und wir können die herrliche korsische Westküste genießen. Alte Weisheit, bei Nebel kein Wind. Nachmittags konnten wir dann endlich wieder einmal segeln. Es war traumhaft und SAMANTHA  zeigte sich in Frühlingsstimmung.

Zum allerbesten gehörte, dass wir mitten am Nachmittag nur gerade 50 Meter neben zwei Walen, einer ca. 15 Meter lang, der andere etwas kleiner, vorbeifuhren. Es ist schon ein schöner Anblick. Da die Wale sich entschieden , eine Ehrenrunde um unser Boot zu drehen, hatten wir genügend Zeit, sie zu beobachten. Wale im Mittelmehr, das war für mich neu, ich glaubte immer, diese Tiere kämen nur in den großen Meeren vor.

Abends  setzen wir den Anker wieder knapp vor Dunkel werden hinter der Insel  Grand Sanguiniere, im Golf von Ajaccio.

 

18.3.05

Traumhaftes Segeln, Gleich in der Früh können wir die Segel setzen und praktisch mit nur einer Einstellung den ganzen Tag durchsegeln, bis vor den Hafen von Bonifacio, unser erklärtes Tagesziel. Dort wollen wir Wildschwein essen gehen, ich kenn da eine kleine nette Kneipe. Schon 5 Mal habe ich dort diese Korsische Spezialität genossen.

Unserer SAMANTHA tut der Segeltag auch gut, haben wir doch nur noch knapp Diesel im Tank und sind dauernd am Rechnen, ob es noch bis zur nächsten Tankstelle langt. Für meinen Geschmack mussten wir zu oft motoren, aber wenn kein Wind, ist es notwendig um vorwärts zu kommen, und wir haben ein festes Ziel, das wir rechtzeitig erreichen müssen.

Außer der schönen Westküste und den täglichen Besuchen von Delphinen gibt es heute tagsüber keine Besonderheiten. Außer, dass ich mit tel. Instruktion, die Abweichung der Karte so korrigieren konnte, dass wir nun auf  weniger wie 5 Meter genau auf der Position liegen. Man darf auf einem Segelboot keine 2 linken Hände haben. Ständig ist was zu tun, so auch bei uns. Bei der täglichen Ölstandskontrolle stelle ich fest, dass sich das Öl aus dem Motor verabschiedet hat. 3 Liter muss ich nachschütten und eine gelockerte Schraube am Motor nachziehen, von dem Putzen des Auffangbeckens unter dem Motor ganz zu schweigen. Ich sah danach aus wie Sau und konnte Verrenkungen machen wie die Chinesischen Zirkuskünstlerinnen, die ich mal im Fernsehen gesehen  habe.

Nach einer schönen Dusche geht’s direkt zum erwarteten Wildschweinessen.

 

19.3.05

Kurz noch einkaufen, dann Hafenbüro zum An- und Abmelden. Der Hafenmeister begrüßt mich sehr freundlich und meint, ich sei doch letztes Jahr auch schon da gewesen, der Name SAMANTHA sei ihm bekannt. Vermutlich können Männer den Namen gut behalten, denn einesteils ist es ein schönes Schiff, das überall auffällt, und  zweitens, gab es da mal eine Dame mit Namen SAMANTHA FOX, und die hatte etwas an und vor sich, dass Männer sich genau erinnern können. Nach dem Auffüllen des Dieseltanks, ( 80 Liter hatten wir noch ), geht’s ab mit super Wind durch den Madalena-Archipel und in die Bucht von Aranci zum Ankern. Ich kenne diesen Platz, bin dort schon 4 Mal vor Anker gelegen und nenne sie Pizzabucht, weil wir immer genau vor der Pizzeria  geankert haben.

 

20.3.05

 

Die letzten 67 Seemeilen bis zu unserem Ziel , dem Hafen von Navarrese, im Südosten von Sardinien. Teils Segeln, teils motoren, um 1800, eine S.tunde vor dem Eindunkeln legen wir an.

 

21.3.05

Vorbereiten des Schiffes für die nächste Liegezeit, Klärung mit dem Hafenmeister, wir können das Schiff für ein Jahr hier lassen. Er wird sich auch kümmern und von Zeit zu Zeit nachschauen, ob das Schiff Wasser nimmt. Während der Fahrt, und nur während der Fahrt musste ich mal nach 3 Tagen 40 Liter ausschöpfen. Die Amel-Leute in Hyères versichern mir, dass sie sich selbstverständlich um den Defekt unter Garantie annehmen wollen. Nur, da es nicht sichtbar ist, wo das Wasser eindringt, muss die hintere Duschenwanne ausgebaut werden, um die Stelle zu finden, wo Wasser eindringt.

Ich werde mich, wenn ich zu Hause bin, mit den Amel–Leuten in Verbindung setzen und besprechen, wie man am besten vorgeht.

 

22.3.05

Um 0600 holt uns der vorbestellte Taxifahrer am Hafen ab. Nach einer mörderischen Fahrt, die nur noch von einem Indischen Taxifahrer getopt werden kann, setzt er uns 3 Stunden später Am Flughafen von Alghero ab. Von dort geht es für  nur 67 €  nach Frankfurt Hahn wo uns die Frau von Christoph abholt und mich am Flughafen Frankfurt rauslässt. Mit dem ICE , eine Stunde später fahre ich über Basel nach Neuchatel, wo ich um 1900 glücklich und nach einem  Super-Törn wieder zu Hause bin.

Wann geht’s weiter?

Ich weiß es noch nicht, Sicher werde ich nicht lange warten, denn ich will das Schiff schnellstmöglich in Ordnung bringen lassen.

Vielleicht segle ich nochmals zurück nach Hyeres, erst will ich nun Ostern feiern und nochmals etwas Skilaufen.