REISEBERICHT - September 2005

 

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Rita und Rosmarie in den Bergen von Korsika

 

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Die schöne Bucht Salina

 

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In Castel Sardo

 

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Der zerfetzte Reifen

 

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Die Beobachterin

4.9.05

Wie letztes Mal im Juni, es ist dunkel, die Uhr zeigt 0500, wir fahren los.

Das Wetter ist durchzogen, Wolken hängen hoch und trotzdem sind wir gut drauf.

Wir, das sind Rita, ihre Schwester Rosmarie und ich.  Rosmarie hat sich kurzfristig entschlossen mit zum Segeln zu kommen. Super, das gibt eine spassige Zeit, und wichtig Sie verträgt die See bestens und mag es besonders wenn’s richtig zur Sache geht.

Also fahren wir den bereits bekannten Weg über den Grossen St. Bernhard, wo wieder um 0600 ein italienischer Zöllner aus dem Schlaf gerüttelt wird, hinunter nach Aosta, Genua und bis Civitavecchia ( bei Rom). Die Fahrt bietet keine Überraschungen und wir erreichen den Fährhafen bereits um 1315. Die Fähre läuft mit einer halben Stunde Verspätung um 1530 aus. Die Überfahrt verbringen wir mit dem Kartenspiel „ Phase 10“. Wir sind so vertieft darin, dass wir kaum die 5 Stunden Fahrzeit bemerken.

Wegen der halbstündigen Verspätung der Fähre erreichen wir die „SAMANTHA“ erst gegen 2200. Alles ist paletti und schnell haben wir Strom und Wasser angeschlossen so dass wir die erste Nacht schon bequem eingerichtet antreten können.

 

5.9.05

Grau, grau und nochmals grau.

Rita und Rosmarie gehen gleich Brot holen im Dorf und ich nehme die Kaffeemaschine in Betrieb. Ein Frühstück wie Könige, danach vorbereiten des Schiffes und Ausruhen.

 

6.9.05

Als ich in der Früh die Nase aus der Luke stecke wird sie gleich nass. Es regnet leicht. Das ist ein Tag an dem man so allerlei noch erledigen kann. Ich will versuchen den Bordcomputer, den Norbert verarztet hat wieder einzubauen und in Gang zu bringen.

Tatsächlich regt sich sofort einiges auf dem Bildschirm als ich den Schalter auf „ON“ kippe.

Aber, und wie soll’s auch anders sein, das Bild auf dem Schirm ist seitlich verschoben, die Tastatur will keine Buchstaben schicken und der Touch-Screen verlangt nach einer Installation. Verflixtes Ding. Beim Anschliessen des ICOM’s, das mir eigentlich die Wettermeldungen auf das Schiff liefern sollte, fehlt ein besonderer Stecker. Norbert meint am Telefon ich soll in den nächsten Computerladen gehen und einen Stecker holen. Italien und Computerläden, das sind 2 Dinge die nicht zusammenpassen. Stundenlang fahre ich durch die Gegend und versuche mit meinem „ Selfmade-Itaienisch“ einen Computerladen zu finden. Es geling schlussendlich auch, aber als ich dem Verkäufer versuche zu erklären, was für ein Stecker ich brauche, sehen mich alle im Laden an, als sei ich ein Kind von ETI, dem Ausserirdischen.

Schliesslich  kaufe ich ein Antennenkabel von einem Fernseher und bastle damit einen funktionierenden Anschluss. Somit bin ich erst mal Sieger.

Aber nein, beim Einschalten des ICOM’s verlangt der PC das Installationsprogramm.

Kein Problem !  Die CD aus hole ich aus der Tasche und stecke sie in das Laufwerk.

Ha ha, der PC erkennt das Laufwerk nicht. Ohne Tastatur und ohne Touch-Screen komme ich nicht mehr weiter.

Genug, dieser PC wird mein Schiff verlassen !   Ich habe keine Lust mehr, mich mit diesem Gerät auseinanderzusetzen und das Wetter, das nehme ich so wie es ist und beruhe mich auf alte Regeln wie :Wenn du nass wirst, regnet es  oder „ wenn du heiss hast scheint die Sonne „.  

Spontan ruft Rosmarie eine Bekannte an, die sich mit ihrem Mann aus der Schweiz nach Sardinien abgesetzt hat.  Wir werden von Ric mit seinem Jeep, an einem Treffpunkt im Dorf abgeholt und durch die Pampa zum Haus geführt. Ein Örtchen, wo Fuchs und Hase einander noch gute Nacht sagen. Total in der Natur ohne Strom und Nachbarn. So richtig Natur pur.

Nach dem Austausch aller Neuigkeiten, werden wir von Erica mit einem herrlichen Nachtessen bei Kerzen- und Petrollicht verwöhnt. Ric demonstriert uns auch noch wie man einen widerspenstigen Generator startet und nach kurzem stottern wieder startet um etwas 220 Volt Strom zu bekommen. Wir werden eingeladen, die Nacht dort zu verbringen, ziehen es aber vor, noch spät zurück zum Schiff zu fahren denn dort weiss ich wo die Toilette ist und wie die Lampen anzumachen sind.

 

7.9.05

Der Tag fängt an mit Sonnenschein und heiss ist es  bereits in der Früh. Wir sitzen draussen und geniessen die morgendlichen Bissen.

1045 machen wir die Leinen los und segeln gegen Norden.

Keine Welle, Wind von 10-12 Knoten aus Südost, was könnte schöner sein ?

Nachmittags zieht es sich zusammen. Durch die starke Wärme haben sich beeindruckende Gewitterwolken am Himmel gebildet. Wir drehen ab und steuern die Bucht Cavallo an.

Um 1500, gerade als ich daran bin den Anker zu setzen, prasselt es los. Wie aus Kübeln giesst es von oben. Ich kann kaum mehr etwas sehen. Wir setzen  den Anker und warten ab.

Nach wenigen Minuten sind die Wolken entleert und wir fahren das Ankermanöver. Mit verkatteten Ankern ( 2 Anker hintereinandergebunden), legen wir uns so, dass es möglichst wenig schaukelt. Ganz zu vermeiden ist die Schauklerei nicht und Rita meint das würde ja schon gut anfangen. Rosmarie und ich spüren nichts und wir lassen uns die Freude am abendlichen Kartenspiel auch nicht nehmen.

 

8.9.05

Der Tag fängt wieder grau an. Es ist anfänglich regnerisch klart aber gegen Mittag auf und schlussendlich wird es wieder warm und sonnig. Wir segeln mit einem angenehmen Windchen Richtung Norden und erreichen auch schon knapp vor 1600 Porto Cervo, den Schiki-miki-Hafen an der Costa Smeralda. Im Vorhafenbecken sind nicht viele Boote, so dass wir uns einen herrlichen Ankerplatz aussuchen können. Ich habe gerade eben den Anker gesetzt und eingedampft ( mit dem Rückwärtsgang fahrend an der Ankerkette ziehen und beobachten ob das Boot still steht und nicht den Anker dem Grund entlang zieht), als erneut ein heftiges Gewitter niederprasselt. Diesmal gibt es nicht nur Wasser in beeindruckender Menge sondern auch Blitze und  Donner. Das Fürchten lernt man, wenn sich Blitz und Donner praktisch gleichzeitig zeigen, dann knallt's direkt um uns herum, und das ist heute der Fall. Ich ziehe alle Antennenstecker heraus und schalte alle elektronischen Geräte aus um zu verhindern dass unser Mast zum beliebten Blitzableiter wird. Auch dieses Gewitter ist nach einer halben Stunde vorbei und der späte Nachmittag wird noch richtig freundlich. Die Beiden Damen möchten gerne an Land um sich im Hafen umzusehen und einzukaufen. Mir bleibt nichts anderes übrig als das Dingi aus der Kiste zu holen und von Hand ( bzw. mit der Fusspumpe ) aufzublasen. Tropf, tropf, es tropft der Schweiss von meinem Haupte und nach 20 Minuten ist das Dingi Fahrbereit.

Als Dingichauffeur bringe ich Rita und Rosmarie an Land. Ich selber bleibe auf dem Schiff hole die Tauchausrüstung hervor und gehe auf Tauchstation um den Propeller zu reinigen. Der ist von kleinen Muscheln und Meehrgetier  ziemlich vollbesetzt. Dies ist der Grund warum ich bei der Einfahrt in den Hafen den Motor nur auf 2000 Umdrehungen gebracht habe statt etwas über 3000. Dass  das Meergevieche  sich an einem Propeller der mit 2000 Touren dreht festhalten kann und dass es denen scheinbar nicht schlecht wird ist schon ein Wunder.

Nach fast 2 Stunden ruft Rita über das tragbare Funkgerät, dass man wünscht wieder an Bord zu kommen. Der Chauffeur geht getreu seiner Funktion als Taxifahrer die beiden holen.

Belohnt werde ich später durch ein köstliches Nachtessen und Sardischen Wein.

Auch wenn die Hauptsaison in Porto Cervo bereits vorüber ist bezahlt man dort noch immer horrende Preise. Eine Cola aus der Büchse kostet schon mal 5 Euro.

Zum Aperitif sitzen wir oben an Deck und beobachten die Rennyachten, die zur Zeit in Porto Cervo den „Rolex“ Cup  austragen. Es sind herrliche Boote von 25 m Länge und mit ca 20 Mann in Uniformen besetzt.  Ein Traumhaftes Bild wenn am Ende der Regatte alle in den Hafen kommen.

 

9.9.05

Heute ist Hafentag angesagt. Faulenzen. Die Damen gehen natürlich wieder flanieren. Ich bleibe auf dem Schiff und erledige so das Eine und Andere. Hauptsächlich versuche ich meinen Bordcomputer in Gang zu bringen, natürlich vergeblich.

Vormittags ist Spectakel wenn die Regattaboote auslaufen und Abends wieder wenn sie zurückkommen.

Der Eine kommt mit einem gebrochenen Mast und mit einer Crew die von Niedergeschlagenheit und Trauer nur so trieft. Dies sieht man sogar auf 100 m, ohne Feldstecher.

 

10.9.05

Ein Traumtag. Die Sonne scheint, es ist richtig warm, der Wind blässt mit 15-20 Knoten und es gibt praktisch keine Welle.

Wir segeln um das Madalena Archipel herum und nehmen Kurs nach Bonifacio.

Wir brauchen etwas länger als gehofft, denn der Wind dreht nach Westen und wir müssen die Strasse von Bonifacio hindurch aufkreuzen.  Was soll’s ?  Wir haben Zeit. Gegen 1820 legen wir in Bonifacio am Steg L  an, da wo ich schon mehrere Male gelegen bin. Bis 1930 gibt es noch ein wenig Hafenkino, obwohl der Wind nicht stark blässt.

 

11.9.05

Gleich in der Früh suche ich das Büro von EUROPCAR auf. Keiner ist da. Ich frage nebenan bei der Tankstelle und an einem Kiosk nach dem angestellten. Keiner will etwas wissen. Für freundlichkeit sind die Korsen ja bekanntlich nicht berühmt. Schlussendlich stöbere ich auf dem Parkplatz der Autos herum und finde auf der Veranda des nahe gelegenen Hauses Prospekte von EUROPCAR. Darin steht eine Telefon Nr, die ich dann auch anrufe. Der Kerl meldet sich und meint er sei in 5 Minuten beim Büro. Dort kann ich dann auch das gewünschte Auto mieten und mit meinen beiden Damen losfahren. Wir fahren dem Meer entlang  nach Porto Vecchio und nach Solenza. Dort zweigen wir ab und nehmen die Strasse, die durch  eine Art Nationalpark über einen hohen Pass führt. Diese Tour habe ich vor 2 Jahren mit meinen Freunden schon einmal gemacht und empfand sie als besonders sehenswert. Natürlich profitiert man auch ein zweites Mal und holt sich viele Erinnerungen zurück. Hier angehalten, hier Pipi gemacht hier das und jenes gesehen, so wie es eben alten Leuten so geht.

Abends ist Wildschweinessen angesagt. Ich bin zwar der einzige der Wildschwein isst aber der grillierte Fisch den Rita und Rosmarie bekommen, ist ebenfalls äusserst lecker.

Nachdem wir dem Korsischen Weissbier noch etwas zugesagt haben schlafe ich wie ein Murmeltier.

 

12.9.05

Der Morgen ist wieder Grau. Nach dem gestrigen strahlenden Tag kaum zu glauben.

Wir ziehen erst gegen Mittag los, bekommen dann auch herrliches Wetter und ein Traum-Wind. Trotzdem wollen wir nur gerade über die Strasse von Bonifacio nach Sardinien zurück in die romantische Bucht von Porto Pozzo.

Dort beginnt das Ankerschauspiel. Als erstes steuere ich den Platz an, wo ich mit Philippe war und gleich beim ersten Ankerwurf alles gesessen hat. Diesmal klappt es überhaupt nicht.

Fünf Mal versuche ich den Anker zu setzen, der will aber bei dem Seegrasgrund einfach nicht halten. Keine Chance.  Ich kenne diese Bucht von früheren Besuchen und weiss dass es beim ankern Geduld braucht aber soviel wie heute das ist schon etwas übertrieben. Wir gehen etwas weiter weg vom Steg, dort wo eine Fischerhütte ist dort hat es immer gepasst. Auch heute klappt es hier beim ersten Versuch nur es ist halt etwas weiter weg vom Landesteg.

Wieder bringe ich die beiden Frauen an Land und hole sie später wieder.

Rosmarie kocht eine so gute Lasagne, dass wir alle viel zu viel davon essen und deswegen eine unruhige Nacht verbringen, obwohl das Boot absolut still liegt.

 

13.9.05

Von Porto Pozzo segeln wir durch das Madalena Archipel und sehen uns die Gegend an. Es ist schönes Wetter, Warm und der Wind für Sonntagssegeln. Nach wenigen Stunden legen wir uns in die Bucht von Salina wo wir vor einem Campingplatz und einer superschönen Hotelanlage Ankern. Das Wasser ist nach wie vor um die 22-23 Grad und lädt zum Baden ein. Das Wasser hier ist Türkisfarbig und so klar dass man auf 10 m Tiefe hinuntersieht.

Kurz vor Sonnenuntergang verschwinden alle Boote um uns herum und wir bleiben alleine zurück an diesem schönen Plätzchen. Stimmt da etwas nicht, wissen die Anderen mehr wie wir ?  Man fragt sich warum sind wir denn nun plötzlich alleine.

 

14.9.05

Nichts war was an unserem Platz ungewöhnlich gewesen wäre. Die Nacht war absolut ruhig und sicher.

Nach einem herrlichen Frühstück an Deck, begleitet von einigen Wespen, setzen wir die Segel und lassen uns vom Wind der Küste entlang schippern. Wir betrachten und bestaunen die wunderschönen Häuser mit den luxuriösen Parkanlagen für die die Costa Smeralda bekannt ist. Der Vorteil ist dass man das alles eigentlich nur vom Boot aus sehen kann, denn vom Landweg aus kann  man nicht zu den Villen vorstossen.

Nach knapp einer Stunde wären wir bereits wieder in Porto Cervo unserem Tagesziel.

Da aber der Wind und die See so ideal zum Segeln sind, machen wir einen weiten Umweg ins offene Meer hinaus, so dass wir erst später am Nachmittag in Porto Cervo einfahren.

Wir legen uns wieder an den gleichen Platz und geniessen das Hafenkino. Heute kommen viele Schiffe in den Hafen und in den Vorhafen. Ich kenne den Vorhafen recht gut und kneife oft die Zähne zusammen, wenn ein Segler, ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren genau dorthin fährt, wo die bekannten Steine liegen. Ich warte immer darauf dass es knallt. Aber nichts passiert. Vielleicht haben die nicht einen so grossen Tiefgang oder verpassen den Steinhaufen nur um Zentimeter. Einer ankert dort genau über dem Steinhaufen. Ich bin gespannt, ob was passiert.

Nachts blässt es so richtig durch den Hafen und die Boote schwojen wie wilde Pferde.

 

15.9.05

Als ich morgens aufstehe  liegt ein Boot dasjenige das über dem Steinhaufen geankert hat, direkt neben uns. Die müssen sich nachts umverlegt haben und liegen nun direkt über unserem Anker. Scheinbar hatten die Beiden ( Sie und Er ) eine unruhige Nacht, denn bis nach unserem Frühstück kommen die nicht aus Ihrer Koje.  Selbst später als wir den Anker lichten wollen geben die immer noch kein Lebenszeichen. Wir wollen weg, und deren Boot liegt genau über unserem Anker.

Ich hole den grossen Fender hervor, ziehe unser Boot ganz nahe hinter deren Boot und warte einen Moment ab, wo das vordere Schiff auf die eine Seite treibt, dann hole ich schnell den Anker hoch, dabei ist Rita am Steuer und fährt sofort rückwärts aus dem Gefahrenbereich. Es klappt super. Lasst sie weiterschlafen und wenn sie noch nicht aufgewacht sind schlafen sie heute noch.

Wir nehmen Kurs auf La Caletta, unser „ Heimathafen“

Der Wind ist so, dass ich die Genua und den Balooner ausbaume. Es ist zwar eine halbe Stunde Arbeit dafür segeln wir gemütlich vor dem Wind bis abends, ohne etwas an den Segeln zu verändern.

Im Cockpit wird der Tisch aufgeklappt und Rosmarie und ich spielen Kanaster, solange bis Rosmarie meint ich hätte hellseherische Veranlagung und würde deshalb immer gewinnen.

Um 1830 legen wir im Hafen, an unserem Stammplatz an. Alles ist bestens gegangen und wir hatten einige super Segeltage.

Morgen wollen wir nochmals einen Teil vom Land kennenlernen.

 

16.9.05

Da es nicht Freitag der 13. ist fahren wir schon rechzeitig los über die Berge und eine sehr schöne und interessante Landschaft. Unser Ziel ist Castel Sardo und Alghero.

Irgendwo in der Pampa bemerken wir dass der linke Vorderreifen platt ist. Normalerweise kein Problem. Wir steigen aus holen die Werkzeuge und den Ersatzreifen aus dem Kofferraum. Rita setzt das Pannendreieck und ich beginne mit dem Radwechsel.

Erst mal kein Problem, bis ich zur 5.Schraube komme. Das ist eine Spezialschraube die verhindert dass die Felgen gestohlen werden können. Wo ist der Spezialschlüssel dazu ?

Wir räumen das ganze Auto aus und suchen alles aber auch wirklich alles durch. Nichts.

Ich habe trotz meinen sonst finderischen Ideen, keine Chance.

Es kommen auch kaum Autos vorbei und schon gar kein Audi, denn in einem solchen könnte eventuell ein solcher Schlüssel zu finden sein.

Doch, ein Audi !

Ich stelle mich direkt auf die Strasse und halte den Audi an. Ein Deutscher aus Pforzheim.

Er hat keine solchen Felgen und somit auch keinen Schlüssel.  Schade.

Der Reifen hat in der Seitenwand ein Fingergrosses Loch so als hätte jemand reingeschossen. Dieser Reifen ist zur Sau. Uns bleibt schliesslich nichts anderes übrig als auf drei Rädern weiterzufahren Dass dabei der Vorderreifen komplett drauf geht ist egal denn der ist nicht reparierbar. Übrigens sieht man ja auch hin und wieder bei den Formel 1 Rennen dass die auf 3 reifen in die Boxe fahren. Nur Frage wo ist unsere Boxe ?

Der Nächste Wegweiser Zeigt Castel Sardo in 10 km an. Gute Reise.

Nach 3 Km sehe ich eine Mechanische Werkstatt für Elektromotoren. Vielleicht hat der ja irgend ein Werkzeug um die Schraube zu lösen. Der Mann ist zwar nett und Hilfsbereit, findet aber auch keinen Weg uns zu helfen. Weiter geht die Reise.

Bald sind wir in Castel Sardo.  Kurz davor finden wir im ersten grösseren Dorf eine Reifenwerkstatt.  Der Besitzer ist sehr nett, schüttelt aber auch nur den Kopf und meint wir bräuchten unbedingt den Schlüssel.  Nach längerer Diskussion  alles auf Italienisch ( ha ha  hi hi ) zeigt er sich bereit mit Hammer und Meissel ans Werk zu gehen. Anfänglich scheint nur die Schraube kaputt zu gehen und um des Teufels Willen will sie sich nicht drehen.

Dann, wie eine Erscheinung der Jungfrau persönlich sehe ich dass sich die Schraube um einen Millimeter gedreht hat. Mein Freudengeschrei muss den Gommiste so angefeuert haben, dass er wie wild und Besessen auf den Meissel schlug bis er selber den langsamen Fortschritt feststellen konnte. Nun war es nur noch eine Frage der Zeit. Und Zeit brauchte es. Nach 2 Stunden lag die Schraube auf dem Boden und wir konnten das Rad wechseln. Denkste. Ich holte den Reservereifen aus dem Kofferraum und wollte schon mit dem Befestigen anfangen als mein italienischer Freund mit dem Kopf das „NEIN“-Zeichen machte. Der Reservereifen ist wesentlich breiter wie die anderen reifen. Warum ?

Rita und ich haben keine Ahnung wie dieser breitere Reifen in unser Kofferraum gekommen ist. Wir vermuten lediglich dass einer unserer Freunde dem wir das Auto ausgeliehen hatten ev. einen Plattfuss hatte und einen neuen Reifen gekauft hat, Auch könnte das die Erklärung sein warum der Spezialschlüssel nun fehlt. Wir wissen es nicht, und selbst wenn, würde es uns nichts nützen. Der inzwischen fast zu einem Freund avancierte Gommiste , bringt einen Gebrauchtreifen aus der Werkstatt der den unsrigen einigermassen gleicht.  Für Demontage, Gebrauchtreifen, Reifenwechsel mit Auswuchten und allem verlangt er am Schluss gerade mal 60 Euro.

Nun sehen wir uns doch noch vor dem Dunkelwerden im Laufschritt das Dörfchen Castel Sardo an um dann bei Dunkelheit die lange Strecke bis Caletta zurückzufahren. Gut dass wir noch Resten im Kühlschrank haben, dass wir endlich und zum ersten Mal heute noch etwas zwischen die Zähne kriegen. Eigentlich wollten wir in Castel Sardo  an der Sonne etwas z Mittag essen. Aber eben, bei der Seefahrt geht nicht immer alles nach Plan.

 

17.9.05

Heute ist Putztag. Nicht alle Leute sind begeistert, wenn ein Schiff  geputzt werden muss.

Ich selber weiss dass das „ Einmotten des Bootes „ etwas mehr wie einen Tag benötigt. Dafür ist Alles zum Wegfahren in ca 4 Stunden  vorbereitet.  Rita und Rosmarie legen sich so ins Zeug dass ich fast das Gefühl bekomme, sie würden nichts lieber tun als das Schiff „einzumotten“. Ich selber gehe mit Ruhe daran und mache aussen alles was eben zu tun ist.

Im Hafen  haben wir neue Schiffsnachbarn, ich nenne das Hafenkröten. Das sind nämlich Leute die sich unbedingt bei den Schiffsnachbarn am ganzen Steg ins Zeug mischen wollen und sofort eine Art von Hirarchie heraufbeschwören. Ich mag das nicht, und wurde ab sofort ignoriert und auch nicht mehr gegrüsst. Macht mir nichts aus, finde ich aber blöd, denn es gibt immer wieder nette Leute die man trifft. So bedauerten wir dass wir im Hafen Peter und Christine nicht getroffen haben. Diese sind zur Zeit in Tunesien unterwegs und kommen erst in einigen Monaten zurück. Roland und Gabi haben wir am ersten tag schon getroffen, aber auch sie sind südlich gefahren und wir nach Norden. So ist es halt eben beim seefahrenden Volk aber man trifft sich immer wieder.

Heute Abend essen wir eine Pizza in der Pizzeria am Hafen. Diese Pizzas sind ein Wunder.

Ich freue mich schon wieder auf’s nächste Mal.

 

18.9.05

Letztes Hand anlegen am Boot, dann sind wir fertig. Rosmarie hat gemeint sie hätte schlecht geschlafen weil es so gestürmt und geschaukelt hätte. Es ist Zeit dass die Frau von Bord kommt denn das sind schon fast Halluzinationen denn es war im Hafen so ruhig wie es nur sein kann. Vielleicht doch ein Gläschen Wein zu viel zur Pizza?

Heute Abend essen wir nochmals Sardisch bei Maria und Georgo. Dann geht’s auf die Fähre in Olbia , wo wir eine Kabine gebucht  haben um die Nacht bis Livorno ruhig zu verbringen und morgen früh ausgeschlafen die Heimfahrt unter die Räder zu nehmen.

Schade, dieses Jahr ist die Seglerei abgeschlossen. Sicher geht’s im Frühjahr wieder weiter.

Ich melde mich spätestens im April wieder auf dieser Internetseite und kann dann hoffentlich von neuen Erlebnissen berichten.

Wenn es manchmal auch etwas gedauert hat bis ich die Berichte ins Netz stellen konnte, habe ich es immer wieder gerne getan, denn die vielen mir bekannten und aber auch unbekannten „Mitsegler“, die die Seite regelmässig besuchen sind mit mir dadurch irgendwie verbunden und wer hat nicht gerne „ liebe Gäste „ an Bord?

Im letzten Jahr ist die Seite über 2100 Mal besucht worden dieses Jahr waren es jeden Monat zwischen 170 und 230 Mal.

Das ist doch unglaublich und es freut mich.

Allen diesen Besuchern ein „Lebewohl bis zur nächsten Saison“ 

Kapitän der SAMANTHA    Rudy