REISEBERICHT - April 2006

 

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Adé  La Caletta

 

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Entlang der Küste ohne Wind

 

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Adé Korsika

 

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Rudy höchst konzentriert bei der Einfahrt Bonifacio

 

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François bei der Arbeit

 

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Am Platz in Bonifacio

 

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Glücklicher Peter

 

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Abendessen in Antibes

 

15.4.06

Eigentlich sollten wir zu viert sein, doch René, ein alter Jugendfreund musste in letzter Minute absagen, da er zu einem unerwarteten beruflichen Einsatz gerufen wurde. Kann passieren, und so sind wir eben nur zu dritt.  Francois, Peter und ich. Francois ist , mein „alter Seglerkumpel“ und Peter ein Schulkamerad aus den 60-er Jahren, den ich vorletztes Jahr in Paros am Quai nach 40 Jahren getroffen habe. Eine Männercrew, alle dieses Jahr 60, das wird sicher lustig.

Als ich heute in der Früh zum Fenster hinaus spähte, wurde mir ganz kühl ums Herz. Alles war weiss, frisch verschneit.

Der Gedanke, dass ich heute Abend auf dem Schiff  sein werde, erscheint mir irgendwie unrealistisch, denn wenn es Schnee hat geht man Skifahren und nicht Segeln !

Trotzdem packe ich meine Seglersachen und vor allem warme Pullis ein, und lass mich von Rita zum Bahnhof bringen. In Zürich Kloten haben wir drei Segler uns verabredet.

Rechtzeitig stehen wir zum Einchecken vor dem Abflugschalter  der Helvetic in Zürich-Kloten.  Alles klappt gut  und ohne Probleme. Der Flug war Billig, 19 Euro plus 55 Euro Taxen, ( ist bald wie mit den Steuern, die sind auch bald höher wie das Einkommen ).

Pünktlich um 1830 fliegen wir ab, ein angenehmer Flug bis Olbia, wo wir um ca 2000 landen.

Mit dem Taxi brauchen wir ca 40 Minuten zum Schiff im Hafen von La Caletta.

Die SAMANTHA  liegt ganz ruhig da, und alles scheint in bester Ordnung zu sein.

Nach einem kurzen Entern des Bootes und Vorbereiten der Betten , verdrücken wir uns in die Pizzeria , direkt am Hafen. Es regnet, so wie es auch schon in Zürich geregnet hat. Der exzellente Hauswein , in genügender Menge, lässt einem das Schmuddelwetter vergessen.

Wie mit einer Nabelschnur verbinden wir die SAMANTHA mit Mutter Quai ( Stromkabel ) und können so das Schiff auf gemütliche Temperatur aufheizen.

 

16.4.06

Ganz so schlecht wie gestern ist das Wetter heute nicht.  Mit dem Kinderbadthermometer in der Form einer Ente, kontrolliere ich die Wassertemperatur des Meeres.  Es zeigt gerade mal 13° an. Ich freue mich schon auf den obligaten Tauchgang. Vorher aber wollen wir noch frühstücken. Leider hatten wir vergessen, uns mit Esswaren einzudecken und da heute Ostersonntag ist, sind die Geschäfte natürlich alle geschlossen. Peter geht auf Wanderung in Richtung Dorf mit dem klaren Auftrag , irgendwo zu versuchen etwas Essbares aufzutreiben.

Es dauert, aber Peter kommt erfolgreich zurück, Brötchen vom feinsten, einer jungen Kaffeeserviererin abgeluchst. Er meint nur, er könnte es ja morgen nochmals versuchen, denn die junge Dame hätte sehr gut ausgesehen. Gut dass unser Peter ein guter Charmeur ist, das hilft oft bei Segeltörns.

Nach dem Frühstück gehen wir daran, das Schiff zur Fahrt vorzubereiten. Obwohl ich im März nicht viel abgebaut hatte, sind doch einige Kleinigkeiten zu erledigen. Das Allerwichtigste ist , das defekte Bugstrahlruder zu reparieren. Dazu muss ich aber tauchen. Also, Tauchanzug her und mit dem Ankleiden beginnen. Gut dass ich zwei Helfer an Bord habe. Diesen Tauchanzug hatte ich gekauft, kurz bevor ich das Schiff vor drei Jahren übernommen habe. Ich bin zwischenzeitlich drei Jahre älter geworden, warum aber komme ich deswegen kaum mehr in den Tauchanzug hinein ?  Unter gemeinsamen Anstrengungen bin ich schliesslich drin, komme mir aber vor wie eine Lyoner-Wurst. Mit  acht Kilo Blei beschwert, versuche ich in die Tiefe zu tauchen, bleib aber wie ein Korken an der Oberfläche, wo ich mich halb tot strample. Mit drei weiteren Kilos bestückt, gelingt es dann in die Tiefe zu stossen um festzustellen, dass der Propeller am Bugstrahlruder gar nicht weg ist. Nur, der Antrieb funktioniert nicht richtig, also muss im Getriebe etwas faul sein. Das wird wohl ein grösserer Akt.

Wieder auf dem Boot, abgetrocknet und in warme Kleider gehüllt, bauen wir das gesamte Teil aus und stellen fest, dass die innere Achse gebrochen sein muss, denn das Rad und der Antrieb lassen sich beide unabhängig voneinander drehen, das ist nicht gut.  Wir haben  zwei Möglichkeiten. Entweder wir lassen uns die Ersatzteile von AMEL schicken, oder wir legen los und holen uns die Teile in Hyères, beim Vorbeifahren. Wir entscheiden uns für Letzteres, denn morgen ist Ostermontag und in Frankreich arbeitet da kaum jemand.

Heute wird es aber nichts mehr mit wegfahren, denn erstens haben wir keinen Wind und zweitens regnet es noch ab und zu. Wir warten den morgigen Tag ab und werden dann weiter planen.

 

17.4.06

Heute ist Ostermontag. Wir haben Glück, der Supermarkt im Dorf ist geöffnet und wir können einen ganzen Einkaufswagen voll ins Schiff umladen. Ab nun, ist fertig mit hungern. Francois und Peter haben sich gute Rezepte ausgedacht. Sie werden köstliche Malzeiten auf den Tisch zaubern.

Da der ganze Tag wieder verregnet ist, bleiben wir im Hafen und hängen herum. Das Fahrrad versuchen wir flott zu machen, es fehlt aber eine Pumpe. Nächstes Mal muss ich daran denken eine Pumpe mitzunehmen, denn jedes Mal habe ich deswegen Ärger.

Unser Quai-Nachbar, Bruno, der mit seiner Frau und dem kleinen Bub auf einer Motoryacht lebt, hat zwar eine Pumpe, aber wie es so sein muss, nicht den passenden Anschluss für unser Ventil. Peter, unser technisches Genie, findet einen Weg, mittels der Tauchflasche und einem Schlauch genügend Luft in die Reifen zu bekommen, so dass er seine Ausflüge ins Dorf von nun an schneller erledigen kann.

 

18.4.06

Im Hafen ist kaum ein Lüftchen zu spüren und der Himmel ist noch grau, allerdings hat es aufgehört zu regnen. Uns hält nichts mehr zurück, wir legen los. Die Ausfahrt aus dem Hafen, ohne Bugstrahlruder, gelingt ohne Probleme.

Kaum draussen, frischt der Wind auf  von anfänglich 11 Knoten auf 23 Knoten, so wie es die SAMANTHA gerne hat.  Wir legen fast 30 Seemeilen (SM) zurück und suchen einen Ankerplatz kurz vor Olbia.  Hinter der Insel Tavolara, in einer weit geschweiften Bucht lassen wir den Anker fallen  und fangen an zu kochen.  Das Schiff schaukelt ganz leicht, obwohl der Wind  recht stark in den Wanten heult. Peter würde gerne zum Strandrestaurant „La Coruna„ zum Essen gehen, denn die Schauklerei ist nicht so ganz sein Geschmack.

 

19.4.06

Mit den ersten Sonnenstrahlen stehen wir auf und bereiten das Frühstück.  Peter hat keinen besonderen Appetit. Er beichtet, dass er Tabletten gegen die Seekrankheit genommen hat und dass sein Magen nicht in Ordnung sei. Jetzt ist es Zeit für Doktor Rudy. Mit entsprechenden Mitteln, einem Haferschleimsüppchen und von Rita in der Vergangenheit ausgetesteten Seekrankheitstabletten gehen wir das Übel an. Nach kurzer Zeit ist Peter wieder fröhlich, munter und wie immer zu einem Spässchen aufgelegt. Wir segeln mit vollen Tüchern Richtung Nord , durch das Inselreich von Maddalene  und wollen eigentlich in die Bucht von Porto Pozzo.

Um 1700 müsste ich abdrehen und zum gewählten Ziel einbiegen. Ein Blick auf den Bordcomputer verrät, dass wir bei dem herrschenden Wind nur gerade 2 Stunden bräuchten um nach Bonifacio zu gelangen. Peters Augen strahlen, wie er hört, dass es eine Möglichkeit gibt, die Nacht in einem Hafen, statt vor Anker in einer Bucht zu verbringen. In einem Hafen schaukelt es normalerweise nicht und man liegt ruhig am Quai, das ist es, wonach Peter lechzt. Gesagt getan, wir drehen ab und nehmen direkten Kurs auf Bonifacio, wo wir um 1900  ohne Bugstrahlruder mit einem heiklen Manöver anlegen. Es hat gut geklappt, meine Seglerkumpels sind spitze.

In Bonifacio gehe ich traditionsgemäss im alten Städtchen oben auf dem Hügel essen. Heute ändern wir das, denn Peter mag den Aufstieg nicht in Angriff nehmen. Wir setzen uns in eine der Touristenkneipen , direkt am Quai. Da wir richtig Durst haben bestellen wir zum Apéro ein Bier.  Kaum ist das Bier getrunken, empfiehlt sich Peter, für ihn scheint das Bier nach der heutigen Fahrt von  55 SM nicht die richtige Medizin zu sein. Francois und ich essen alleine was uns serviert wird. Der Koch ist vermutlich noch im Training zur bald beginnenden Saison. Ich möchte gerne wissen, welchen Beruf dieser Koch gelernt hat. Auf dem Schiff essen wir wesentlich besser, aber was soll’s, es ist eine willkommene Abwechslung.

 

20.4.06

Das Ablegen in Bonifacio geht ohne Probleme von statten, denn wir haben die Schnauze im leicht säuselnden Wind und können so einfach gerade aus wegfahren. Draussen vor dem Hafen erfreut uns ein Lüftchen von 12-14 Knoten, das sich aber leider nachmittags auf 5-6 Knoten verringert. Wir trotten nur langsam dahin. Unser Unterwasserschiff  gleicht einer Muschelfarm und deshalb kommen wir nicht auf die gewohnte Geschwindigkeit. Es fehlen so ungefähr 1-1,5 Knoten. Dafür geniessen wir den heutigen Tag, denn der Himmel ist blau und wolkenlos. Die Sonne heizt schon ganz schön wenn man im Windschatten sitzt, der Wind aber ist noch so kühl, dass eine Mütze über die Ohren gut tut.

Wir legen uns in eine der spärlichen Buchten an der Ostseite von Korsika. Kaum den Anker gesetzt, beginnt es wieder zu schaukeln. Heute aber ist Peter wohlauf und verdreht die Augen nicht. Scheinbar haben wir die richtigen Tabletten für Ihn gefunden. Bestätigt wir dies auch dadurch, dass wir ständig das auf- und zugehen des Kühlschrankes hören, wo Peter sich jeweils eine kleine Zwischenmalzeit holt um einen nicht nachlassenden Apétit zu befriedigen. Eigentlich müsste Peter von gröberer Statur sein, ist er aber nicht.

 

21.4.06

Wieder ein so herrlicher Sonnentag, aber dafür werden wir mit absoluter Flaute bestraft.

Motor, motor, motor.........  ganze 50 SM lang, bis kurz vor Bastia, wo wir vor einem lang gezogenen Sandstrand ankern.

Abends klagt Francois wegen Kopfschmerzen. Doktor Rudy ist gefragt. Schnell sind wir uns einig, dass es die Stirnhöhlen sind.  Im siedenden Wasser wird ein Teelöffel voll Vicks aufgelöst und Francois beugt sich mit einem Tuch bedeckt über das Becken zum Inhalieren. Er sieht aus wie ein Mohammedaner der in der Moschee betet. Das tut er aber sicher nicht !

Eine richtige Portion Schmerztabletten und die Auflage, morgen eine Mütze zu tragen beenden die Konsultation bei  Medizinmann  Rudy.

Ganz gegen alle Erwartungen, liegt heute das Schiff sehr ruhig und schaukelt überhaupt nicht. Wir gehen wie üblich nach einem guten Essen, einem Schlummertrunk ( für mich mit einer Zigarre garniert ), früh ins Bett. Morgen wollen wir rechtzeitig weg zur Überfahrt zum Festland.

 

22-23.4.06

Anker hoch und los geht die Fahrt bei ruhigster See. Die Sonne steht schon über dem Horizont und der Motor schiebt uns Richtung Cap Corse. Francois hat sich ein Tuch um den Kopf gebunden und erhält daher sofort den Spitznamen „ Korse „. Frühstücken tun wir während der Fahrt. Wir sitzen wegen der frischen Morgenluft unten, beobachten aber unsere Umgebung mit dem Radar vom Tisch aus. Mir stinkt die ständige Motorerei, sage aber voraus, dass wir vermutlich  am Cap oben Wind bekommen werden. Dies wird erst so in 2 Stunden sein, also lassen wir uns Zeit beim Frühstück.

Langsam und gemächlich schleichen wir an dem letzten Stück der Korsischen Ostküste entlang.

Wie richtig vermutet, können wir kurz nach Maccinagio die Segel setzen und mit einer steifen Brise den Cap umrunden. Nur leider ist es wieder einmal so, dass der Wind genau im gleichen Rhythmus dreht wie wir und wir somit ständig den Wind  aus der Richtung haben, in die wir eigentlich fahren möchten. Murphy war kein Seemann, ansonst hätte  er das Gesetz entdeckt, dass der Wind immer vom Reiseziel eines Seglers her bläst. Aber ein wenig Erfahrung hat man ja auch in den letzten Jahren gesammelt und kann somit vermuten, dass der Wind, sofern die Grosswetterkarten stimmen, in der Nacht nach Süden dreht und wir deshalb zuerst nach Nordwesten steuern um dann später langsam den Kurs nach Westen zu korrigieren. Richtig geraten. Unseren Kurs konnten wir so fahren, dass wir nach einer halb durchsegelten Nacht und bei einem wunderschönen Sonnenaufgang genau nach Westen segeln, da wo wir hin wollen. Auf dem Kartenplotter sieht der Track ( das ist die auf unserer elektronischen Seekarte aufgezeichnete Fahrspur )  wie ein Pfeilbogen aus und die Verlängerung zeigt nach St. Tropez. Beim Frühstück sind wir mitten auf dem Meer und sehen nichts mehr von Korsika, aber auch nichts vom Festland. Normalerweise müssten wir bereits Land sehen, aber es ist ziemlich dunstig , obwohl die Sonne schon herrlich scheint.

Langsam wird es Nachmittag und der Wind verabschiedet sich. Durch einen kleinen Ablesefehler durch mich auf der Karte entscheiden wir uns in St. Tropez anzulegen. Es sollten nur noch 2 SM sein, und somit wären wir  gegen 2000 dort. Eine eingehendere Prüfung deckt aber den Fehler auf, ich habe nämlich in der falschen Bucht geschaut. Da wir an Bord kein besonderes Unterhaltungsprogramm haben, und Peter wegen seiner Seekrankheit nicht mehr gehänselt werden kann, legen sich Francois und Peter zusammen und nehmen mich wegen meiner Navigation so richtig hoch. Uns kollern die Tränen über die Backen, so heftig wird gefrotzelt.  Statt in St.Tropez  landen wir in Antibes. Ist ja nicht so schlimm, denn auch da kennen wir ein gutes Kneipchen und Antibes ist ganz nett. Übrigens liegt Antibes näher an St.Tropez als  Indien bei Amerika. Dort ist nämlich Kolumbus gelandet obwohl er nach Indien wollte. Kolumbus war sonst ein guter Seemann, aber auch er hat sich Mal vertan,  das tröstet.

Im Hafen von Antibes hören wir auf dem Funk, dass der Hafen besetzt ist. Wir können ohne Bugstrahlruder auch nicht gut in dem engen Hafen manövrieren und legen uns deshalb an der Mauer vor der Werft an. Es ist Sonntagabend, da schafft keiner mehr und morgen wenn die Franzosen anfangen zu arbeiten werden wir schon weit weg sein. Ein netter Yachti, der dort an seinem Boot arbeitet, hilft uns und macht uns darauf aufmerksam, dass ein Teil der Mauer für das Boot des Werftdirektors frei bleiben müsse, denn dieser komme demnächst ebenfalls heim. Wir warten, und schon bald tuckert der Chef mit einem kleinen Segelboot heran. Erst helfen wir Ihm, sein Boot anzulegen, dann fragen wir ob wir hier liegen bleiben könnten. Kein Problem...!  Ein wirklich netter Franzose. Leider ist im Städtchen unsere Lieblingspizzeria geschlossen, wir finden aber nach kurzer Suche einen Ersatz, wo noch Plätze frei sind. Es ist erstaunlich, wie viel Betrieb schon in Antibes ist, hat die Saison doch noch gar nicht richtig angefangen, auch wenn man bereits mit dem T-Shirt spazieren kann.

Das Essen ist super, jedoch der Service auch hier typisch französisch, das heisst lausig.

Etwas schaukelnd , Peter wegen dem Seegang und Francois und ich wegen dem Wein, arbeiten wir uns durch die Werft zum Schiff zurück. Davor werden wir noch kurz von einem Wachmann mit Bittbull-Bewaffnung  nach unserer Absicht gefragt. Mit respektablem Abstand folgt er uns, bis er sieht, dass wir die SAMANATHA mit einem Schlüssel und nicht mit einem Brecheisen öffnen. Ich frage mich, was passiert wäre, hätte ich den Schlüssel verloren . Ob der Bittbull ca 270 kg Menschenfleisch verschlungen hätte ?

 

24.4.06

Wieder so ein Bilderbuchtag und ein herrliches Windchen aus Ost, das uns, mit ausgebaumten Segeln, in regelmässiger Fahrt vor sich hinschiebt.  Die Côte d’Azure  als wunderbare Kulisse läuft den ganzen Tag an uns vorbei wie in Film.

Langsam geht der Tag zur neige und bei mir der Adralinspiegel in die Höhe. Wir haben beim Einfahren in den Hafen von Hyères schöne 25 Knoten Wind querab. Da darf beim Manöverieren nichts schief gehen. Ich kenne den Hafen und entscheide mich, direkt in das hintere, einigermassen geschützte Becken zu fahren um dort längsseitig anzulegen. Dieses Anlegemanöver ist das einfachste, insbesondere dann, wenn der Wind vom Meer her das Schiff an den Steg drückt. Ich hoffe nur, dass ich einen freien Platz dort finde, ansonsten wird’s schwierig. Alles klappt super mit meiner bereits geübten Mannschaft. Um 1950 binden wir die SAMANTHA fest. Das Abendessen für heute koche ich. Es gibt Maccaroni mit Hackfleisch und Salat. Die Menge ist so berechnet, dass morgen Mittag für Peter noch ein Rest bleibt, damit er das übliche Mittagsmahl einnehmen kann. Dies tut er nämlich, seit ihm nicht mehr schlecht wird. Leider aber wird die ganze Pfanne voll verschlungen und es bleibt nichts übrig. Pech für Peter. Mit prall gefüllten Bäuchen geniessen wir danach noch bis zum Bar-Schluss ein schönes Bier an der Promenade. Es ist viel los in Hyères. Es werden die jährlichen Frühjahrsregatten ausgetragen. Überall Segler und Seglerinnen aus allen erdenklichen Nationen.

 

25.4.06

Gleich in der Früh hole ich Brötchen und wir geniessen ein herrliches Frühstück. Danach gehe ich ins nahe gelegene Büro von AMEL, wo ich  in der gewohnten freundlichen Art empfangen werde. Ich bin froh, zu lernen, dass eine Reparatur des Bugstrahlruders möglich ist und ich nicht den ganzen Teil austauschen muss. Die entsprechenden Ersatzteile kaufe ich direkt, um damit in Marseille, auf dem Trockenen, die Reparatur vorzunehmen zu können.

Francois geht einkaufen um den Kühlschrank für die nächsten beiden Tage wieder aufzufüllen und Peter spielt Hausfrau und putzt im Schiff.

Um 1000 legen wir ab, ich muss das Schiff im engen Hafenbecken um 180° drehen. Mit kleinen Schüben nach vorne und zurück gelingt dies recht gut und wir können ausfahren mit Richtung Porquerolles, die nahe gelegene Insel. Dort ankern wir nach 2 Stunden herrlichen Segelns in der Bucht, zwischen etwa 10 anderen Booten.

Nun holen wir das Dingi aus der Bagskiste und bereiten uns auf den Landgang vor.

Wie so üblich muss der Jüngste rudern und das bin ich, wenn auch nur um Wochen.

Poquerolles  lädt wirklich zum spazieren ein und das tun wir bis zu einem Kneipchen über einer Bucht, wo kühles Bier unsere Seelen erfreut.

Auf dem Rückweg werden noch kleine Leckereien wie Erdbeeren usw eingekauft, die das Nachtessen versüssen werden. Die Rückfahrt mit dem Dingi ist etwas weniger mühsam, denn diesmal rudere ich mit dem Wind und nicht dagegen. Ich habe das so geplant, denn nach dem Spaziergang und dem Bierglas-stemmen ist man meistens weniger fit.

 

26.4.06

Wir schlafen wie die Murmeltiere in einem absolut ruhig in der Bucht liegenden Schiff. Erst um 0945 heben wir den Anker und legen los. Der Wind steht gut und wir kommen vorerst gut voran. Heutiges Ziel ist die kleine Bucht, neben dem Städtchen Bandol. Nachmittags müssen wir wieder motoren. Unser Techniker (Peter ) berechnet mit Formeln unseren Spritverbrauch. Er kommt zur Erkenntnis, dass der Motor ca 4 Liter/h  und der Generator ca ½ Liter/h verbraucht. Endlich werde ich in der Lage sein, entsprechende Planungen anzustellen.

1840 ist es bereits als der Anker fällt. Es gibt eine rege Diskussion über den Ankerplatz.

Ich kenne diese schnuggelige Bucht nach 2-maligem Ankern mit Rita. Die Bucht war immer sehr ruhig. Heute schaukelt es. Wird es später ruhiger?  Peter möchte unbedingt weiter, oder ausserhalb der Bucht ankern. Es gibt dort ein Plätzchen, das er beim Einfahren erspäht hat und das Ihm ruhiger erschien. Ich kenne den Platz, denn ich habe genau diesen schon einmal verlassen, weil ständig kleine Bötchen vorbeigefahren sind, die unser Schiff zu starkem schaukeln gebracht haben. ( Rita sei mein Zeuge ). Ich entscheide zu bleiben. Peter ist sauer. Trotzdem gehen wir an Land zum Bier. Peter trinkt kein Bier. Er geht spazieren während Francois und ich den Fussballmatch (Barcelona und Mailand) anschauen.

Die Nacht ist dann mehr oder weniger ruhig, wobei der Masstab zum Festlegen, was ruhig und was weniger ruhig ist, von einem Menschen zum andern sehr unterschiedlich sein kann. Ich finde es ruhig, solange die Gläser nicht vom Tisch kollern, Peter wenn das Schiff nicht mehr wie ein Zentimeter auf und ab geht.

 

27.4.06

Erst war geplant, dass ich in der Früh Brötchen holen gehe. Ich habe aber keine Lust denn wir stehen wieder einmal erst spät auf. Wir öffnen ein Packet Ruchbrot, das wir noch als Reserve haben. Danach schnallen wir das Dingi aufs Vordeck und stechen in eine ruhige See ohne Wind. Wir profitieren von der ruhigen Fahrt, bereits einige der Reinigungsarbeiten durchzuführen und somit läuft auch die Zeit schnell weg. Anfangs Nachmittag frischt es auf und so wir in den Löwengolf einfahren zeigt sich der Mistral in voller Pracht. Bei der Einfahrt in den Kanal, der zum  Port Napoleon, unserem Endziel führt, haben wir zeitweise bis 30 Knoten Wind quer auf dem Schiff. Wir besprechen die verschiedenen Möglichkeiten des Anlandens durch und wappnen uns mit Leinen, Bootshaken und Fendern, bereit das heikle Hafenmanöver auszuführen. Es gibt für mich 3 mögliche Anlandeplätze, nur weiss ich nicht welcher davon frei ist. Keinesfalls will ich zwischen den Stegen herum manöverieren.

Wir haben Glück. Der Besuchersteg, gleich am Anfang des Hafens ist frei und wir können uns dort hinlegen. Das heikle dabei ist, dass der Wind uns vom Steg wegtreiben wird, so dass es wichtig ist, das Schiff schnell und gezielt vorne erst einmal festzumachen. Den Rest kriegen wir dann schon hin. Und so wurde es gemacht. Ich fuhr in steilem Winkel an den Steg. Francois Hüpfte sofort hinaus, sowie der Bug nah genug war. Er konnte gerade noch die Leine am Poller belegen bevor eine heftige Böe das Boot in Beschlag nahm und es im rechten Winkel zum Steg an der Leine baumeln liess. Eine lange zweite Leine vom Poller auf die Winch an Steuerbord gelegt, erlaubte  ohne Kraftaufwendung langsam aber sicher das Schiff an den Steg zu ziehen und dann richtig zu vertäuen. Dies war ein Manöver der feinsten Art von drei glücklichen Seemännern am Ende eines schönen Törns ausgeführt.

Das Abendessen in der Hafenkneipe rundete den Tag ab. An Schlaf war kaum zu denken, denn der Wind heulte im Hafen und in den Wanten mit einer Lautstärke, die einem Rockkonzert alle Ehre gemacht hätte.

 

28.4.06

Heute  ist grosser Tag. Die SAMANTHA  wird geputzt und aus dem Wasser gehoben.

Vorerst profitieren wir von einer Windpause und verlegen das Schiff an einen benachbarten Steg, wo wir Strom und Wasser haben und auch die Wassertiefe unter dem Kiel mehr wie nur die 10 cm von gestern ist.

Ich erkundige mich beim Kranmeister wann der Hub geplant ist. 1530 soll es sein, so haben wir genügend Zeit alles herzurichten. Peter, bei dem wir stark ausgeprägte Hausfrauliche Talente entdeckten, wird mit Staubsauger und Putzlappen ausgerüstet und soll sich um den Innenraum kümmern. Francois kennt sich von früher her gut mit der Reinigung von Railing und Deck aus. Ich selber kümmere mich um alle technischen Arbeiten. Jeder putzt, schruppt, schraubt und fegt. Bereits zum Mittagessen erscheint die SAMANTHA in einem Hochglanz als wollte sie zur Hochzeit gehen.

In der Hafenkneipe, wo ebenfalls französische Bedienungsgewohnheiten herrschen, haben wir es fertig gebracht ein Tagesmenü innerhalb von 2 Stunden zu verzehren. Franzosen werden nie mit Magengeschwüren sterben, denn langsam Essen ist ja bekanntlich gesund.

Nach dem Essen erkundigte ich mich beim Kranführer, ob 1530 OK sei. Nein, leider nicht, denn der Kran ist kaputt und muss erst repariert werden. Die notwendigen Ersatzteile seien bestellt, man wisse aber nicht wann diese geliefert würden.

Ich soll mir aber keine Sorge machen, er  werde sich darum kümmern, dass das Schiff ordentlich aus dem Wasser genommen und auf dem Trockenen sauber geparkt werde.

Gut dass ich diese Leute kenne und weiss, wie professionell sie arbeiten und dass man Ihnen vertrauen kann. Wir erledigen noch alles auf dem Schiff was zu tun ist, gehen duschen und lassen uns mit dem Taxi ins Dorf chauffieren, wo wir in der einen, guten Pizzeria, unser letztes Essen vor der Heimfahrt geniessen.

 

29.4.06

1000. Wie bestellt holt uns das Taxi am Quai ab und fährt uns nach Marseille zum Bahnhof.

Aus dem Internet habe ich eine gute Verbindung herausgelesen. Der Zug würde um 1301 Marseille verlassen und uns in kürzester Zeit über Valance nach Genf bringen.

Nur, beim Ticketkauf vernehmen wir, dass es in diesem Zug kein Platz mehr gibt und wir denjenigen von 1502 nehmen müssten.  Fast 4 Stunden vertrödeln wir im Bahnhofbuffet, bis wir dann pünktlich mit dem TGV  Marseille verlassen. In Valance müssen wir umsteigen und die Fahrt geht mit einer Bimmelbahn weiter durch das Rhone-Alp-Gebiet. Es ist eine sehr schöne Landschaft und wir bekommen viel Zeit diese zu bestaunen. Nach einigen Stunden sind wir dann in Genf, wo Francois und Peter sofort einen Anschlusszug Richtung Zürich besteigen können. Ich muss eine Stunde warten, denn mein Anschlusszug ist plangemäss genau 2 Minuten vor unserer Ankunft weggefahren. Da reden die von Taktfahrplan und koordiniertem Reisen !

Trotz allem bin ich dann auch eine Stunde vor Mitternacht auch zu Hause und falle gleich todmüde ins Bett.

Ich träume natürlich vom Segeln.

Wann wird es das nächste Mal sein ?

Ich weiss es noch nicht. Ich melde mich dann wieder.

Euer Kapitän Rudy