REISEBERICHT - August 2006

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Annchen und Georg geniessen den Urlaub und das warme klare Wasser auf Fermentor

 

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Abendstimmung in der "Oma-Bucht"

 

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Begrüssungstrunk für Bea

 

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Bea als Kapitän

 

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Herrliche Segelkonditionen

 

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Beschädigungen am Spanischen Boot, eingedrückte Relingsstützen

 

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Am Tag danach...

 

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Vorbereitung zur Überfahrt. Das Dingi ist total bewachsen und muss geschrubbt werden. Sigi bei der Arbeit.

 

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Das Kap von Ibiza. Abschied von den Balearen. Beginn der Überfahrt.

 

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Vorbereiten der Fischerrute

 

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Sigi geniesst das warme Bad

 

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Quallen trüben die Badefreuden

 

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Rudy beim Kochen

 

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Frisches Brot gebacken

 

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Die Zöllner kommen an Bord...

 

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.... filzen das Schiff...

 

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... und gehen wieder...

 

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Reparatur am Segel mit Nadel und Faden....

 

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...und an der Ankerwinch mit Schraubenzieher und Messgerät.

 

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Rasante Fahrt mit Rückenwind trotz eingerolltem Segel

.

 

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Der Geschwindigkeitsmesser zeigt 11,5 Knoten.  Kurz davor waren es sogar 12,5

 

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Besuch in Hyeres bei AMEL.  Schadensbesichtigung mit Mr Arnaud dem Stationsleiter

 

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Im  Port Napoleon wird die Genua eingeholt und die SAMANTHA zum Auswassern bereit gemacht

30.7.06

Heute lasse ich mir Zeit, schlafe solange  es meinem Bett gefällt mich zu behalten. Um 1500 sitze ich im Café Sidney beim Eingang der Marina  Botafoch in Ibiza und warte auf Georg und Anneliese.

Jetzt sind sie da.

Herzliche Begrüssung, wobei nur Anne ein Küsschen kriegt, auch wenn wir in Ibiza sind und es in der ganze Stadt  nur so  von „süssen Lausern“ wimmelt, muss sich Georg mit meiner Pranke zufrieden geben.

Anne und Georg sind bereits das dritte Mal auf der SAMANTHA zu Besuch und kennen das Schiff, was das Einnisten sehr erleichtert.

Abends benutzen wir das Taxiboot, das uns von der Marina in die Stadt bringt. Nach einem kurzen Rundgang durch die Gassen, setzen wir uns in eine der „urigen“ Kneipen zum Essen. Von der Reise müde, wünscht Anne eine baldige Rückkehr aufs Schiff, obwohl hier das Leben gegen Mitternacht erst richtig losgeht.

 

31.7.06

Unser Wochenziel ist die Umrundung der Insel Fermentor. Also setzen wir nach dem Frühstück den Kurs nach Süden. Ein Blick ins Revierbuch zeigt, dass es nur sehr wenige Anker- und Liegeplätze um diese Insel gibt. Der Wind will, dass wir nicht direkt dahin können, wo ich mir eigentlich ausgedacht habe zu Ankern. Wir entschliessen uns kurzerhand, an einen Strand  im nordöstlichen Teil zu fahren. Was uns hier erwartet, spottet jeder Beschreibung. Ein türkis farbenes Wasser mit weissem Sandgrund. Man könnte meinen, ich hätte bei der Navigation einen Fehler gemacht und wir seien in der Südsee gelandet. Wäre ja keine Schande, ist das dem lieben Kolumbus ja auch passiert.

Ein kleines schmuckes Feriendörfchen liegt an diesem Strand, und dort ist es, wo Georg und ich die Oma finden. Oma ist eine ältere, sehr sympathische Spanierin, die dort einen kleinen Laden führt. Als an der Theke kein Fleisch zu sehen ist, frage ich, ob es denn hier irgendwo Fleisch zu kaufen gäbe. Und schwups war ich mit ihr in einer Hinterkammer, wo das Fleisch im Tiefkühler lag. So kamen wir noch zu schönen Hühnerbrüstchen.

Die Stimmung beim Abendessen, mit untergehender Sonne, Abendrot und aufgehendem Mond hat endgültig unser Annchen in Urlaubsstimmung versetzt.

 

1.8.06

Schweizer Nationalfeiertag. Schadenfreudig verbringe ich den Tag, habe ich doch von Rita mitbekommen, dass es zu Hause regnet und die Temperatur nahe bei 15 Grad ist. Wie anders hier. Tagsüber steigt das Thermometer auf nahe der 40 Grad und weil es etwas bewölkt ist und der Wind scheinbar auch Urlaub hat, ist es sehr schwül und die Brühe läuft einem nur so herunter. Nachmittags bekommen wir doch noch etwas Wind, so dass wir einen Teil der Insel umrunden können und in die Bucht „Sahona“ einfahren, die laut Buch, die schönste Bucht auf dieser Insel sein soll. Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass die Geschmäcker verschieden sein können. Wir sind uns alle Drei einig, dass diese Bucht, unserem letzten Ankerplatz das Wasser nicht reichen kann. Erstens hat es eine schöne Menge Quallen, was die Badefreude stark trübt. Zweitens hat es ein kleineres Hotel am Strand, das aber scheinbar sehr viel in eine HI-Fi Ausrüstung investiert hat und einem vermutlich taubstummen  Discjockey einen Job angeboten hat.

Als weiteren Nachteil ist zu erwähnen, dass vermutlich viele Andere das gleiche Revierbuch gekauft haben, so dass die Bucht rappelvoll ist.

Auf unserem Nachbarboot haben sich 4 junge Spanier etwa acht junge Spanierinnen vom Strand geholt und diese waren nun dran, den scheinbar viel zu grossen Alkoholvorrat zu vernichten. Wir haben uns entschieden, falls es gegen Abend nicht weniger laut wird, uns nochmals zu verlegen, denn diese Gegröle ging einem wirklich auf den Keks.

Komisch, als es dunkel wird und die Essenszeit (spanisch Zeit) heranrückt, werden die Mädels mit mehreren Dingifahrten an Land gebracht und danach ist es still. Frage: Sind es die Burschen, die sich so idiotisch in der Gegenwart der Mädels benommen haben oder waren es die Mädels, die mit ihrem ungeheuren Gekreische  ihre Potenz demonstrieren wollten. Ich bedaure vorahnend deren Köpfe am nächsten Morgen.

 

2.8.06

Wir segeln zurück auf die Insel Ibiza und zwar in die Bucht, wo Francois und ich zufällig das schöne Kneipchen gesehen hatten.

Schon recht früh sind wir an unserem Tagesziel , denn ein Wind von 10 KN querab feuerte unsere SAMANTHA an. In besagter Bucht geniessen wir das saubere Wasser. Anne lässt sich von Georg den Schwimmring  mit den Initialen vom Fussballverein  Borussia Dortmund ( wir haben diesen Ring in der Türkei im 2004 aus dem Meer gefischt ) aufblasen uns setzt sich gemütlich ins Wasser. Ich setze mit dem Dingi ans Land über und gehe  für den Abend einen schönen Platz und Paella bestellen.

Zu vorherückter Stunde, unter einem Strohdach, geniessen wir ein herrliches  Essen, guten Wein und eine sensationelle Ambiente. Die meisten Tische rund um uns sind reserviert, jedoch als wir müde zurück aufs Boot gehen, sind erst kaum die Hälfte der Tische besetzt. Spanier stehen scheinbar erst auf wenn wir Mitteleuropäer zu Bette gehen , oder mindestens sollten. Anne verzieht sich denn auch sofort und Georg und ich geniessen noch den lauen Abend mit einem Whisky auf Eis, geraten ins Plaudern und erschrecken, als die Uhr plötzlich auf drei steht.

 

3.8.06

Logischerweise stehen wir heute nicht zu früh auf. Wind hat es noch keinen und in aller Ruhe wird gefrühstückt. Kaffee aus der Espressomaschine, verschiedene Käsesorten, Würste aller Art , Butter, Marmelade und Honig, sowie verschiedene Jogurts können einem schon den Tag genüsslich angehen lassen. Erst ist es unerträglich heiss und düppig. Das Thermometer steht kurz vor 1200 auf 38 Grad.  Nach dem Zenith kommt etwas Wind auf, so dass wir nach San Eulalia segeln können, wo wir in der Bucht vor dem Hafen den Anker wie üblich mit 3000 U/min im Rückwärtsgang eindampfen. Versichert dass er bombenfest hält, setzen wir an Land über. Anne und Georg gehen das Städtchen erkundigen und einkaufen, ich suche ein Internetcafé auf und erledige sonst  noch einige kleinere Besorgungen und, natürlich, geniesse ein kühles Bier im Hafen. Später wird gekocht, danach spielen wir  Back Gamon, wobei mich Georg ganz tüchtig in die Schranken weist. Heute kein Glück! Also besser schlafen gehen.

 

4.8.06

Es ist gerade 0030 Uhr als ich durch einen heftigen Donnerschlag aus dem Tiefschlaf gerissen werde. Langsam schleiche ich mich aus der Koje und will mir das Schauspiel aus dem Cockpit betrachten gehen. Dort sitz bereits Georg, dem es nicht mehr ganz so geheuer ist.

Die Blitze werden immer mehr, immer stärker und kommen immer näher. Zeitweise ist die ganze Bucht für Sekunden hell erleuchtet und ein Blitz wechselt den anderen ab, ohne dazwischen die Welt wieder zu verdunkeln. Nun kommen auch die Donnerschläge immer näher und mit verstärkter Gewalt. Mitten drin in dieser höllenähnlichen Stimmung kommt ein Wind auf, der sich bis auf 45 Knoten steigert. Regengüsse, die einem das Gefühl geben in eine Waschstrasse gelangt zu sein peitschen so heftig aufs Schiff, dass wir uns ins Innere verziehen müssen um nicht klatsch nass zu werden. Es ist draussen die Hölle los. Rundum reissen die Schiffe vom Anker, andere flüchten mit vollen Motoren hinaus. Nur noch den Kopf aus dem Niedergang streckend beobachte ich die Szene und bin froh, dass scheinbar unsere beiden Anker ihren Dienst tun und das sich wie ein wild gewordenes, aufbäumendes Pferd verhaltende Schiff unbarmherzig an der Leine halten. Der erste Teil des Spuks ist nach ungefähr einer Stunde vorbei. Nur noch wenige Nachbarn, alle aber an Deck, sind noch an ihrem Platz.

Dann, ein immer wieder leichtes  „Boum.....boum...“ lässt mich Böses ahnen. Ich beobachte unseren Tiefenmesser uns stelle schnell fest, dass wir statt der 2,5 Meter unter dem Kiel gerade noch 30-40 cm Wasser haben. Entweder sind wir doch langsam auf eine Sandbank zugeschlittert oder das Wasser strömt aus der Bucht. Da das Aufsetzen nur periodisch ist und nur sehr sanft auf Sand uns Seegras geschieht, will ich noch keine Aktion starten, solange draussen noch der Wind heftig tobt. Wir warten ab. Um 0300 ist es soweit. Der Wind lässt nach, nur noch heftige Wellen rollen in die Bucht. Nun ist es Zeit, uns zu verlegen, denn die SAMANTHA führt einen Tanz auf, als wäre sie mit jungen Leuten in einer verrückten Disco. Ich gehe nach vorne und bereite das Ankerlichten vor. Georg am Steuer sollte vorwärts fahren. Trotz Vollgas gelingt es nicht, das Boot zu bewegen und ohne Anker wird es nun Richtung Strand geschoben, legt sich quer zur Welle und fängt an sich zu neigen. Ich lasse nochmals den Anker fallen, gehe ans Ruder und bringe endlich das Schiff wieder in tiefere Gewässer. Es ist wie Weihnacht, wenn  der Tiefenmesser anfängt neue Zahlen zu zeigen.  0,1....0,2...0,3....0,6.... 1,0.....1,5.... ouf.. wir sind frei !  Schnell den Anker hochnehmen, und in 7m Wassertiefe neu fallen lassen. Wie froh bin ich, dass ich, auch manchmal zum Verdruss meiner Mitsegler, stur bin und das Ankermanöver erst als beendet erkläre, wenn ich die Anker richtig eingedampft habe und  sicher bin, dass sie auch halten.

Nun ist der Spuck dieser Nacht eigentlich vorbei. Wir liegen  wieder in sicheren Gewässern, leider nur mit starker Welle. Was soll’s, jetzt will ich noch einiges an Schlaf nachholen und kuschele mich in die Koje. Georg bleibt draussen im Cockpit. Ihm ist noch nicht ganz wohl. Das  bin ich mir bewusst, als er plötzlich nach einer Schwimmweste fragt. Meine Gegenfrage ist: „ Willst du denn nun schwimmen gehen“? „Mir wäre es lieber du würdest im sicheren Cockpit bleiben, und dieses nicht verlassen.“

Kaum bin ich , trotz der Schaukelei, die es einem fast unmöglich macht im Bett zu bleiben, eingedöst.   Ein Knall,  das Schiff legt sich auf die Seite und macht einen Sprung nach Backbord, dann ein Getöse und Geratter......

Mit 2 Sprüngen bin ich vorne am Niedergang, wo mich Georg sofort beruhigt, es sei  nichts passiert. Ich dachte, das Schiff sei von einem anderen Boot in voller Fahrt seitlich gerammt worden und die Masten seien heruntergekommen.

Nein,  es war eine sehr hohe Welle, die denn Bug seitlich erwischt und das Schiff nach Backbord geworfen hat. Dabei ist die Gewalt so heftig gewesen, dass die Ankersicherungsleine , eine 16 mm Nylonleine zerrissen wurde und die Ankerkette für ca. einen Meter aus der Ankerwinsch gerissen  wurde bevor sie dann wieder einrastete. Von Innen hat sich das alles viel schlimmer angehört und gefühlt. Mein Puls steht  noch für lange Zeit auf 180 und auch das arme Annchen , das ja ganz in der Nähe der Ankerwinsch schlafen wollte wurde unsanft geweckt.

Um 0800 , als die Sonne am Horizont kitzelt, entscheiden wir,  bereits in der Früh die Fahrt zum Tagesziel Ibiza anzutreten, wo wir bei flottem Wind bereits in eineinhalb Stunden sein dürften,  um danach in geschützterem Hafen zu frühstücken und die angefangene Nacht fertig schlafen zu können.

Soweit alles OK. Abends gehen wir nochmals nach Ibiza Stadt und amüsieren uns köstlich. Ibiza ist einfach eine Wucht.

 

5.8.06

Um 0900 hole ich am Treffpunkt im Hafen meine nächste Besucherin ab.

Bea, die Mutter von  Philippe, kommt für eine Woche zum Umrunden von Ibiza. Seit drei Jahren klappt es nun endlich einmal, dass sie, die so gerne segelt, mitfahren kann. Philippe hat Ihr natürlich auch immer die Ohren über die schöne SAMANTHA vollgesäuselt, und sie auf einen Törn heiss gemacht.

Zwischenzeitlich packen Georg und Anneliese ihre Sachen und putzen ihre Kabine. Fliegender Wechsel nennt man das. Um 1300 werden die Beiden an Land gebracht, wo sie die Rückreise ins kalte und nasse Deutschland sehr wehmütig antreten. Es war eine herrliche Woche mit vielen Erlebnissen, die uns in Erinnerung bleiben.

Wie üblich fahre ich mit neuer Crew nie sofort hinaus und so bleiben auch Bea und ich an Bord, wobei ich profitiere und Waschtag mache.

Es ist herrlich und wir geniessen den schönen Nachmittag an Bord, denken wir!

Zu beginn des Nachmittags werden wir von einem Polizeiboot aus aufgefordert, den Ankerplatz zu verlassen, da an dieser Stelle das Ankern verboten sei. Klar, ich habe ja schon mehrere Tage am gleichen Platz und dazu noch gleich neben der Ankerverbotstafel gelegen. Nicht alleine, sondern mit manchmal 60-70 anderen Schiffen. Ausgerechnet heute werden wir alle vertrieben, ausser diejenigen, die das Glück haben, in diesem Moment nicht an Bord zu sein. Die bleiben, alle anderen werden vertrieben.  Erst einmal nehme ich das alles nicht so ernst, denn bei uns hängt noch die ganze Wäsche draussen an der Leine. Ich will Zeit gewinnen, denn ich weiss, dass an einem Freitag Mittag, spätestens um1500auch so ein Trottel von einem spanischen Polizisten Hunger hat und eine Siesta machen will. Aber Fehler.  Da ich nicht sofort reagiert habe, kommt besagter Chef mit seiner Mannschaft zurück und geifert mich an. Dabei zieht er eine schiefe Schnauze und zeigt die Lefzen wie ein wütiger Rehpinscher. Nun gibt er nicht mehr klein bei und ich fühle, dass ich vermutlich besser eine ihm gefällige Reaktion zeige, bevor sein Stolz so gekränkt ist, dass es zur Eskalation kommt. Wie sagte Mutter immer: „ der Klügere gibt nach“.

Wir müssen uns auf die Gegenseite in der Bucht verlegen, genau dort wo der ganze Schwell, dem wir eigentlich ausweichen wollten, uns durchschaukelt. Köstlich ist das Schauspiel. Kaum ist das Polizeiboot verschwunden, ziehen die Schiffe wieder zurück und am Abend ist der Platz wieder genau so voll wie all die Tage zuvor. „Wixer“.

 

6.8.06

Wie immer, Frühstück, danach schluckt Bea eine Tablette gegen Seekrankheit, denn ihr ist es doch leicht mulmig in der Magengegend.

Anker hoch und Segel setzen und ab geht’s . Wir wollen in die schöne Bucht auf Fermentor, bei Oma. Auch diesmal wieder ist das Wasser türkies und lässt an die Südsee denken. Ein Bierchen im Dörfchen und Bea, für die das alles neu ist kommt aus dem Staunen ab dieser Idylle kaum heraus. Erstaunlicherweise wird auch sie, wie Annchen zuvor , durch die sanfte Schaukelei schnell in tiefsten Schlaf gewiegelt.

 

7.8.06

Eigentlich wollte ich nur einen Zwischenstop in San Eulalia machen um endlich meinen dezimierten Gasvorrat aufzufüllen. Der Wind aber hat uns seine Aufwartung heute nicht mit entsprechender Stärke gemacht, so dass wir gerade noch froh sein können San Eulalia überhaupt zu erreichen. „ Unsere Höllenbucht „ ist ganz schön besetzt, das macht aber nichts, ich werde sowieso ziemlich weit draussen bleiben und lasse den Anker auf 7m Wassertiefe fallen. Nach einigem Hackenschlagen durch die Stadt erreichen wir die Ferreria, wo wir die eine Gasflasche umtauschen und dazu noch eine weitere erstehen. Somit habe ich nun 3 Gasflaschen und mein Gasproblem in Zukunft schon leicht vermindert. Demnächst werde ich  noch eine 4.Flasche dazukaufen um dem Glück noch ein Stück näher zu kommen. Abends finden wir eine Strandpromenade, die ganz hübsch ist und wo wir einen gemütlichen Abend beim Bierchen verbringen.

 

8.8.06

Grau in Grau. So kann man die Stimmung draussen beschreiben. Kaum ein Lüftchen, schwül und regnerisch. Es lebe der Urlaub auf Ibiza. Mit Hilfe des Motors schieben wir uns in die Cala Portinatx , wo wir den selber gefangenen Tunfisch, der noch im Tiefkühler lagert, verspeisen. So langsam gegen Abend füllt sich die Bucht und es wird  ganz schön eng.

Meine beiden Anker habe ich wie üblich mit 3000 U/min eingedampft und sitze somit sicher. Wir verzichten auf einen Landgang, spielen Karten und legen uns früh schlafen.

 

9.8.06

Eigentlich hatte ich nicht geplant, früh aufzustehen aber ein fürchterliches Gewitter um 0100 lässt mich nicht mehr weiter schlafen. Ich gehe nach oben ins Cockpit. Bea streckt ebenfalls den Kopf aus ihrer Koje und kommt nach oben. Nach den ersten Blitzen mit knallendem Donner erhebt sich ein starker Wind und es regnet quer durch die Bucht. Man kann nichts mehr sehen, es ist wieder als wären wir in einer Waschanlage oder in den Tropen. Doch plötzlich, vor uns sehe ich im Schein eines Blitzes ein Boot durch die Bucht schiessen, direkt auf uns zu. Tun kann ich nichts. Die Blitze sind nun so regelmässig, dass die Bucht taghell erleuchtet ist und man völlig geblendet wird. Dann ist es soweit, das fremde Boot schrammt an unserer SAMANTHA entlang. Auf einmal bemerke ich, dass wir keinen Halt mehr haben und ebenfalls in Richtung Land treiben, mit dem  einen Segelboot an unserer Backbordseite. Kurz danach hängt sich noch ein weiteres Boot bei uns an und nun treiben wir im Päckchen gegen die Felsen. Von Hinten, auf der Steuebordseite scheppern wir an einem noch vor Anker liegenden Spanier vorbei, dessen Mannschaft krampfhaft versucht unser Dreierpäckchen abzuwehren. Es knirscht und knarscht, es ist die Hölle. Das Boot an meiner Steuerbordseite hängt mit seiner Kette an meinem Anker. Vergeblich versuche ich uns frei zu bekommen. Im Lichte eines Blitzes sehe ich, dass wir als Päcklein nur noch ca 5-10 Meter von der Felsklippe weg sind. Nun  heisst es für mich, alles oder nichts. Mit Vollgas steuere ich zur Mitte der Bucht und schleppe dabei die beiden anderen Schiffe mit. Das Ruder, durch eine Ankerkette behindert lässt sich kaum drehen. So ist es nicht zu verhindern, dass ich an dem noch nahe liegenden Spanier entlang schrappe und dabei seine Reling aus dem Weg räume. Bei diesem Manöver hängt sich des Nachbars Kette bei meinem Anker aus und die beiden Boote schwenken nach hinten, bleiben aber nach wie vor hängen. Vorne im Bug, sehe ich an der gespannten Leine, die ich nicht einziehen kann, dass mein Zweitanker irgendwo verhängt ist. Ich hole aus dem Cockpit den Leatherman (Seglermesser) und schneide die Ankerleine durch. Adé schöner Anker. Jetzt endlich kommen wir frei. Die beiden anderen Schiffe schwimmen weg, ich dampfe aus der Bucht ins offene Meer, wobei ich mich am Hecklicht von einem anderen Segler orientiere, denn mein Radar kann ich in diesem Tohawobou nicht tunen, und die Ausfahrt zwischen all den kreuz und quer umherirrenden Schiffen verlangt meine volle Konzentration.  Bea, die gerne helfen würde, hat natürlich von all den Geräten und Knöpfen noch keine Ahnung. Zeit zur Lernstunde ist nun auch nicht, also dampfe ich einfach dem Vordermann nach, bete, dass der in der engen Einfahrt nicht aufläuft. Gott sei Dank, es klappt und wir erreichen das offene Meer. Einmal mehr zeigt es sich, dass das Land der grösste Feind des Seemanns ist. Draussen auf dem offenen Meer setze ich ein ganz kleines Segel und lasse uns weiter hinaus treiben. Noch ein Stündchen Schlaf bis zum Sonnenaufgang beruhigt die Nerven. Gleich nach dem Tagesanbruch steuern wir zurück in die „Hölle“, denn ich will versuchen meinen Anker zu finden. Jetzt sehen wir auch, dass unser Dingimotor nicht mehr an der Reling hängt und dass das Sicherungskabel abgerissen ist. Der Motor muss von dem Spanier auf den wir aufgedriftet sind abgerissen worden sein.

Kaum habe ich den Anker gesetzt, kommt ein junges deutsches Pärchen mit dem Segelboot angefahren. „ SAMANTHA“ wir haben euren Anker gefunden, als wir nach dem unsrigen getaucht sind. Sanft legt er  unseren Anker ins Dingi, das gerade noch mit einer von vier Leinen hinten am Heck hängt. Drei Leinen wurden nachts abgerissen.

Ich rudere zum spanischen Boot, das ich beschädigt habe, um die Versicherungspapiere auszutauschen. Die Besitzer sind hoch erfreut, dass ich komme und mit Anstand die Sache regle. Danach gehe ich Schnorcheln und nach meinem Dingimotor suchen. Ich habe auch da Glück, bereits nach 10 Minuten werde ich fündig und kann den Motor vom Grund holen. Von den Beiden Booten, die an meiner Seite entlang geschrabbt sind, fehlt jede Spur. Nun ist es an der Zeit, dese Bucht zu verlassen und nach San Antonio zu segeln. Dabei ist uns der Wind und das Wetter hold. Wir verleben einen super Segeltag und gegen Abend, im Vorhafen von San Antonio bearbeite ich den Dingimotor, der danach besser zu funktionieren scheint als vorher. Auch der Zweitanker wird wieder so hergestellt, dass sein Einsatz gesichert ist. Hätten wir nicht die fürchterlichen Kratzer und Schrammen an der Schiffswand, könnte man meinen wir hätten lediglich einen bösen Traum gehabt. Diese Nacht versinke ich in einen absoluten Tiefschlaf.

 

10.8.06

Wieder ein Segeltag wie im Bilderbuch. Wir landen in der Bucht, wo ich mit Anne und Georg die feine Paella gegessen hatte. Nun heisst sie Paella-Bucht. Hier geniesst Bea ihren Urlaub ganz besonders beim Baden im glasklaren und 28° warmen Wasser. Wir wollen heute Abend im Kneipchen schön Essen gehen. Bis allerdings hier etwas serviert wird, ist für uns Mitteleuropäer  schon die halbe Nacht vorbei. Wir geniessen noch einen Ankerdrink und zum Aperitif ein Gläschen Wein, bevor wir dann als erste Gäste um 2100 uns an den Tisch setzen.

Das Essen ist super, und auch der Hauswein schmeckt herrlich. Zum Abschied wird uns noch ein Gläschen „Grappa“ ( schmeckt aber eher nach Thymian-Schnaps) offeriert und weil wir den sehr gut finden wird noch ein 2.eingeschenkt. In bester Laune suchen wir uns den Weg hinunter zum Steg, der direkt unter der Terrasse liegt. Steg kann man das eigentlich nicht nennen, denn es sind lediglich 2 schwankende Bretter und ein Pfahl. Galant wie ich bin, halte ich das Dingi so, dass Bea bequem einsteigen kann. Dann mache ich einen grossen Ausfallschritt um ebenfalls ins Dingi zu kommen. Pflatsch...  eine Welle, genau im falschen Moment und das Dingi schnellt auf die Seite. Ich liege im seichten Wasser, Bea kann sich vom Lachen nicht mehr erholen und die Bedienung oben auf der Terrasse winkt lieblich herunter. Puddelnass steige ich  ein und unter den schadenfrohen Blicken von mindestens 100 Augen fahren wir zur SAMANTHA.

Gute Nacht.

 

11.8.06

Nachdem ich das nächtliche Bad verschmerzt, die Kleider zum trocknen ausgelegt  und zaghaft die Funktion des Handys ausprobiert habe, legen wir los und segeln an einen Strand bei Formentera zum Baden. Gegen Abend setzen wir den Anker wieder in der Bucht von Ibiza, dort wo uns der böse Polizist weggejagt hatte. Wir machen uns frisch und zum Ausgehen bereit. Wir wollen nochmals die „Ibiza- Atmosphäre“ geniessen. Nach einem guten und sehr preiswerten Essen in „meiner“ Stammkneipe, belustigen wir uns nochmals an dem einmaligen, karnevalsähnlichen Treiben der Schwulen und Lesben, sowie den vielen jungen Menschen, die hier einfach das Leben geniessen.

Gegen 0100 müssen wir zum Taxiboot, das uns wieder in den Hafen bringen soll, wo wir mit dem Dingi angelandet sind. Ich nehme gerade eben Platz im Taxiboot, als ich, fragt mich nicht warum, nach hinten schaue, und man höre und staune, dort unser Dingi an einem Steg angebunden sehe.

Bea und ich jucken schnellstens unter den verblüfften Blicken der anderen Passagiere, aus dem Taxischiff und wechseln über in unser Dingi. Es fehlt ein Ruder und der Notschlüssel. Das Ruder finden wir auf einem Segelboot, gleich nebenan hinten auf der Badeplattform.

Gut, dass noch gerade genug Benzin im Tank ist, um den lagen Weg durch das ganze Hafenbecken zurück zur SAMANTHA zu bewältigen.

Nicht auszudenken, wie wir dagestanden hätten, ohne Dingi im Hafen, unser Schiff draussen vor Anker, und Bea, die um 0700 in der Früh zum Taxi muss.

 

12.8.06

Bea wird pünktlich um 0700 zum Taxi gebracht. Einkaufen, Schiff putzen, innen und aussen, Wäsche waschen  usw. Der Tag ist kaum lang genug um alles wieder auf Hochglanz zu trimmen. Zwischendurch kommt wieder der Herr Polizeimeister ( kläffender Pinscher ), der alle Schiffe weg jagt. Anker hoch, andere Seite der Bucht, Anker herunter. Abwarten, Anker hoch, zurück an den Alten Platz. Anker setzen, Mit dem Dingi in den Hafen und bei einem Bierchen auf Sigi warten.

Um 1800 kommt Sigi zum Segeln auf die SAMANTHA.

Den ersten Abend verbringen wir auch in Ibiza. Sigi ist ebenfalls überwältigt von dem Treiben und der Ambiente in dieser Stadt.

Morgen wollen wir ans Festland nach Spanien segeln.

 

13.8.06

Wir nehmen uns Zeit und Frühstücken erst einmal tüchtig, denn der Wind lässt noch etwas zu wünschen übrig um die Überfahrt ans Festland in Angriff zu nehmen. Dann um 1110 ist es soweit, wir ziehen den Anker hoch und nehmen Kurs aufs Festland. Mit angenehmem Wind aus Ost, segeln wir den halben Tag  der Küste entlang. Ich lasse nochmals die schönen Erlebnisse in Ibiza an mir vorüberziehen. Am Nordwestlichen Kap angelangt vollführt der Wind seine Kapriolen und spielt mit uns Katz und Maus. Innerhalb von 2 Stunden legen wir kaum zwei Meilen zurück und wechseln die Segelpositionen mindestens 10 Mal. Aber nun, wo  das Kap so langsam im Dunst verschwindet, werden wir mit einem regelmässigen Wind genau von hinten belohnt. Da das Festland noch gut 24 Stunden vor uns liegt, werden die Segel ausgebaumt. Die Genua an Backbord und der Balooner an Steuerbord. Sigi’s Augen werden immer grösser, ab soviel farbigen Leinen und einer Technik, die es auf keinem anderen Schiff gibt. Einfach genial.

Ich lasse Sigi ganz schön arbeiten, denn er war es, der mich angerufen hatte und fragte, ob er einmal auf meiner Amel mitsegeln dürfte, denn er möchte auch eine Amel kaufen, vorher aber erst einmal mitsegeln.

Sigi haben Rita und ich in St.Tropez, im 2005 am Steg kennen gelernt. Er hatte uns beim Anlegen die Leinen angenommen. Danach hielten wir ein Schwätzchen und am nächsten Tag segelten wir Beide wieder weg, er  nach Elba, wir nach Sardinien. Nun, vor 2 Wochen hat er mich plötzlich angerufen und da ich ja nach Bea’s Besuch alleine war, hat das so ganz gut funktioniert. Weil Sigi die Amel kennen lernen möchte, bekommt er natürlich alle Aufgaben, die auf so einem Schiff anfallen um sich daran zu gewöhnen.

Unsere Fahrt in Richtung Festland ist vorerst vom Allerfeinsten. Nach und nach verdunkelt sich der Mond und es beginnt ein Schauspiel  mit Blitzen direkt vor uns. Im Radar kann man schön sehen, dass eine Regenwand vor uns liegt und wir direkt darauf lossteuern. Vor Gewittern habe ich ziemlich Respekt. Wir bergen den Balooner und gehen auf Halbwindkurs und versuchen so dem Gewitter auszuweichen. Unsere Rechnung geht fast auf. Das Gewitter ist schneller unterwegs als wir und zieht vor uns vorbei. Nur ein paar Tropfen werden uns geschickt, so als Zeichen der Freundschaft, denn wir sind da mitten draussen im Meer absolut alleine. Kein Schiff ist auszumachen innerhalb eines Radarbereiches von 20 Seemeilen. Nach dem das Gewitter vorbeigezogen ist, korrigieren wir unseren Kurs wieder zurück und brausen mit 5 bis 7 Knoten dem Festland entgegen. Ohne bestimmtes Ziel am Festland, richten wir unseren Kurs nach dem Wind. Leider ist das Schiff unter der Wasserlinie ziemlich bewachsen mit Muscheln und anderem Zeug, so dass wir nicht auf die normale Geschwindigkeit kommen und uns mit einem Verlust von 1-1,5 Knoten abfinden müssen.

Bei Tagesanbruch dreht der Wind so, dass wir nun anfangen müssen aufzukreuzen, denn wir könnten eigentlich nur noch  Gibraltar  direkt ansteuern und das ist uns nun wirklich zu weit Westlich.

Den ganzen Vormittag lang haben wir eine Windstärke von über 20 Knoten, machen aber mit gerefften Segeln gute Fahrt. Um genau 1110 haben wir ein Etamal ( zurückgelegte Strecke innerhalb von 24 Std ) von genau 120 SM. Damit sind wir eigentlich zufrieden, waren doch die ersten Stunden eher langweilig.

Es ist nun 1655. Der Anker sitzt fest in 5 Meter Wassertiefe. Wir gönnen uns ein Bier an Bord in einer riesig grossen, gut geschützen Bucht. Leider ist das Dorf hier so schäusslich anzusehen, dass wir keine Lust auf einen Landgang empfinden.

Mit einem Currygeschnetzelten,  Reis und etwas Gemüse im Magen, falle ich buchstäblich in die Koje. Endlich etwas Schlaf. Die ganze Überfahrt habe ich ein einziges Mal 2 Stunden schlafen können, sonst wurde ich ständig auf die Brücke geholt. Sigi kennt das Schiff noch zu wenig und bevor er etwas kaputt macht, ist es besser er holt mich aus dem Bett. Und das tat er !  Eigentlich ist es bequemer, alleine solche Überfahrten zu machen, denn dann  richtet man sich entsprechend ein und muss nicht ständig und unverhofft aus der Koje. Aber was soll’s, es ist abgemacht, das Sigi das Schiff kennenlernt, und wir haben ja noch einige Zeit vor uns, wo ich dann sicher das eine und andere Mal mir ein geruhes Stündchen leisten kann, gerade  weil Sigi dabei ist.

 

14-15.8.06

Nachts hat es geregnet. Plötzlich höre ich das Rasseln der Ankerkette, die hochgezogen wird . Ich gehe ins Cockpit und will Sigi „an den Ohren ziehen“ denn nichts war ausgemacht, dass wir ungeplant losfahren. Auf dem Weg zum Cockpit treffe ich Sigi an, der in der Unterhose dasteht und mich genauso vergeistert ankuckt wie ich ihn. Wir schauen oben aus dem Cockpit zu, wie der Anker, wie durch Geisterhand gelichtet wird. Nur durch das Abschalten des Stromkreises kann ich dem Geist das Handwerk legen. Ich gebe ja zu, die Amel ist ein wirklich ausgereiftes Schiff, aber ich würde gerne noch etwas mitreden, wenn es um die Tagwache und Abfahrtszeiten geht. Also legen wir uns wieder hin. Denn es ist noch viel zu früh um an die Weiterfahrt zu denken. Den ganze Tag, die Nacht und den folgende Tag hindurch gibt es keine besonderen Ereignisse. Die SAMANTHA läuft wie am Schnürchen. Die Küste Spaniens ist sehr lang und  nicht besonders schön, besonders wenn es immer wieder regnet und wir voll gegenan Aufkreuzen müssen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Es ist nun schon bald 1900 als wir vor einem Sandstrand den Anker fallen lassen. Es gibt an der Costa Brava keine geschützten Buchten, so dass wir uns mit dem Schaukeln vor dem Strand abfinden müssen. Da wo wir Ankern gibt es eine Schwimmerabschrankung. Das sind gelbe Bojen, die im Abstand von 50 Meter eine Kette bilden. Wir bleiben deshalb ein schönes Stück vom Ufer weg.  Sigi möchte eigentlich noch ein Bad nehmen, ändert aber schnell seine Meinung, als wir einen riesigen Schwarm von Suppenschüsseln grossen Quallen um unser Boot herum entdecken.

Nachts dreht der Wind und wir liegen quer zu den Wellen. Schaukel, Schaukel......  Nicht dass mich das besonders störte, aber ich höre ein schruppen  unten am Kiel. Da kommt mir die Erleuchtung ! Die Schwimmerabschrankung ist gar keine solche sondern ein Schutznetz gegen die Quallen. Ich habe mich schon Abends gewundert, dass am Strand so viele Leute Baden, wo es doch nur so wimmelt von den unangenehmen Biestern. Wir hängen mit der SAMANTHA im Quallennetz. Es ist 0400, Sigi, der sich auf dem Saloonboden eingerichtet hatte, weil es im Bett zu sehr schaukelte, ist auch einverstanden, dass wir den Anker heben und losfahren.

Gesagt getan. Langsam und vorsichtig entfernen wir uns von dem Netz, erst einmal mit Hilfe des Ankers, der uns Richtung Meer zieht, dann mit langsam laufendem Motor. Schon der Gedanke, dass ich Nachts in diesem Quallenmeer tauchen müsste, lässt mich alle Heiligen um Unterstützung anrufen. Wir schaffen es, uns unbehelligt abzusetzen.

Sigi geht alsbald wieder schlafen und ich hole meine Fischerrute heraus und will dem Meereszeug an den Leib. Kaum ist die Leine draussen, rattert es und ich hole einen ersten Fisch herein. Der ist aber nicht besonders gross, so dass ich bete, mindestens noch einen Zweiten zu fangen, ansonst werden wir nicht satt. Petri, der Schutzpatron der Fischer scheint seine Freude an mir zu haben, denn kurz danach rattert es wieder und der Zweite geht in die Bagskiste. Das war der zweite Fisch und der dritte ist auch gleich frisch.  Dann noch vier Mal, davon sind leider zwei wieder abgesprungen. Nach vier Fischen habe ich genug und hole die Angel ein. Ich werde schon fast „ grosskotzig „ ab solchem Können !  Sigi schläft und hört nichts. Dies wird eine schöne Überraschung beim Abendessen. Und sie gelingt !

Nachmittags dreht der Wind , bläst nun von Achtern und wird stärker. Wir baumen aus und beginnen eine Wahnsinnsfahrt. Die Wellen von hinten, der Wind am Limit für den Balooner. Wir machen Fahrt, ständig zwischen 7 und 8 Knoten. Einmal, beim absurfen einer Welle steigt die Anzeige sogar auf 12,5 Knoten. Sigi juchzt und singt im Cockpit, es ist eine wahre Freude. Für Ihn gibt es nur noch die Amel.

Eigentlich dachte ich mir einen Stop vor dem Cap Baer einzulegen, das heisst vor der Einfahrt in den Golf von Lion, aber unser Schiff will sich nicht bändigen lassen und legt immer mehr zu. Wir rollen die Genua und den Balooner bis auf einen Drittel ein und machen nach wie vor gute Fahrt. Also stecken wir unser Ziel höher und versuchen den Hafen von Lancca hinter dem Cap Rose zu erreichen. Es gelingt, allerdings mit einigem schwitzen. Nach dem Cap Rose müssen wir auf Querwindkurs. Entgegen unserer Hoffnung sind wir hinter den Hügeln nicht geschützt uns so riskiere ich nicht, den Balooner einzuholen. Wir rollen  Balooner und Genua ganz weg und segeln nur noch mit Besan und Gross. Auch diese werden bald gerefft, denn wir bekommen den Wind querab mit 45 Knoten. Sigi steuert  nun von Hand und ich berge die Bäume und das ganze Geraffel und bereite unsere Hafeneinfahrt vor. Über  Funk , Kanal 9 versuche ich von der Marina zu erfahren wie die Situation im Hafen ist. Keine Antwort ! Ich kenne den Hafen von unserer Reise im 2003 und weis, dass er guten Schutz bietet und bei der Einfahrt die Möglichkeit besteht, an der Tankstelle längs anzulegen. Letztes Mal hatten wir genau so Wind aber wir hatten ein defektes Bugstrahlruder. Diesmal müsste es einfacher  sein. Wie wir in den Hafen steuern, holen uns die Marineros bereits im Vorhafen ab. Es ist auch relativ ruhig im Moment. Wir werden an einen Platz an Backbord verwiesen. Dieser Platz scheint mir etwas schmal, aber der Marinero besteht darauf, mich dort hinein zu zwengen. Gerade in dem Moment, wo ich anfange rückwärts einzuparken erfasst uns eine Böe von 30 KN  und die SAMANTHA wird  am Bug weggedrückt. Schnell steuere ich erneut das Hafenbecken an und beginne das Manöver von vorne. Auf der, unserem Platz gegenüberliegenden Seite werden einige Yachties hysterisch und beginnen irgend etwas herumzuschreien. Ich höre nicht hin und wir legen ein Anlegemanöver hin, für das wir uns nicht schämen müssen. Klar waren da viele helfende Hände, die die Schiffe auseinanderdrückten und abfenderten, denn die halbe Breite der SAMANTHA musste ja erzwängt werden. Es ist immer wieder schön, und man ist auch selbstverständlich Stolz, wenn einem die Schiffsnachbarn und Marineros nach einem solch gelungenen Manöver auf die Schulter klopfen. Mit einem Pernod auf Eis als „Ankerdrink“ wird dann heimlich, der Puls und Adralinspiegel wieder auf normales Niveau geholt.

Fische zum Nachtessen und die grosse Augen von Sigi sind dann noch ein weiteres High-Light des Tages. 109 Seemeilen haben wir heute abgespult und es war einfach wunderschön.

 

16-17.8.06

Nachts hat es geregnet. Plötzlich höre ich das Rasseln der Ankerkette, die hochgezogen wird . Ich gehe ins Cockpit und will Sigi „an den Ohren ziehen“ denn nichts war ausgemacht, dass wir ungeplant losfahren. Auf dem Weg zum Cockpit treffe ich Sigi an, der in der Unterhose dasteht und mich genauso vergeistert ankuckt wie ich ihn. Wir schauen oben aus dem Cockpit zu, wie der Anker, wie durch Geisterhand gelichtet wird. Nur durch das Abschalten des Stromkreises kann ich dem Geist das Handwerk legen. Ich gebe ja zu, die Amel ist ein wirklich ausgereiftes Schiff, aber ich würde gerne noch etwas mitreden, wenn es um die Tagwache und Abfahrtszeiten geht. Also legen wir uns wieder hin. Denn es ist noch viel zu früh um an die Weiterfahrt zu denken. Den ganze Tag, die Nacht und den folgende Tag hindurch gibt es keine besonderen Ereignisse. Die SAMANTHA läuft wie am Schnürchen. Die Küste Spaniens ist sehr lang und  nicht besonders schön, besonders wenn es immer wieder regnet und wir voll gegenan Aufkreuzen müssen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Es ist nun schon bald 1900 als wir vor einem Sandstrand den Anker fallen lassen. Es gibt an der Costa Brava keine geschützten Buchten, so dass wir uns mit dem Schaukeln vor dem Strand abfinden müssen. Da wo wir Ankern gibt es eine Schwimmerabschrankung. Das sind gelbe Bojen, die im Abstand von 50 Meter eine Kette bilden. Wir bleiben deshalb ein schönes Stück vom Ufer weg.  Sigi möchte eigentlich noch ein Bad nehmen, ändert aber schnell seine Meinung, als wir einen riesigen Schwarm von Suppenschüsseln grossen Quallen um unser Boot herum entdecken.

Nachts dreht der Wind und wir liegen quer zu den Wellen. Schaukel, Schaukel......  Nicht dass mich das besonders störte, aber ich höre ein schruppen  unten am Kiel. Da kommt mir die Erleuchtung ! Die Schwimmerabschrankung ist gar keine solche sondern ein Schutznetz gegen die Quallen. Ich habe mich schon Abends gewundert, dass am Strand so viele Leute Baden, wo es doch nur so wimmelt von den unangenehmen Biestern. Wir hängen mit der SAMANTHA im Quallennetz. Es ist 0400, Sigi, der sich auf dem Saloonboden eingerichtet hatte, weil es im Bett zu sehr schaukelte, ist auch einverstanden, dass wir den Anker heben und losfahren.

Gesagt getan. Langsam und vorsichtig entfernen wir uns von dem Netz, erst einmal mit Hilfe des Ankers, der uns Richtung Meer zieht, dann mit langsam laufendem Motor. Schon der Gedanke, dass ich Nachts in diesem Quallenmeer tauchen müsste, lässt mich alle Heiligen um Unterstützung anrufen. Wir schaffen es, uns unbehelligt abzusetzen.

Sigi geht alsbald wieder schlafen und ich hole meine Fischerrute heraus und will dem Meereszeug an den Leib. Kaum ist die Leine draussen, rattert es und ich hole einen ersten Fisch herein. Der ist aber nicht besonders gross, so dass ich bete, mindestens noch einen Zweiten zu fangen, ansonst werden wir nicht satt. Petri, der Schutzpatron der Fischer scheint seine Freude an mir zu haben, denn kurz danach rattert es wieder und der Zweite geht in die Bagskiste. Das war der zweite Fisch und der dritte ist auch gleich frisch.  Dann noch vier Mal, davon sind leider zwei wieder abgesprungen. Nach vier Fischen habe ich genug und hole die Angel ein. Ich werde schon fast „ grosskotzig „ ab solchem Können !  Sigi schläft und hört nichts. Dies wird eine schöne Überraschung beim Abendessen. Und sie gelingt !

Nachmittags dreht der Wind , bläst nun von Achtern und wird stärker. Wir baumen aus und beginnen eine Wahnsinnsfahrt. Die Wellen von hinten, der Wind am Limit für den Balooner. Wir machen Fahrt, ständig zwischen 7 und 8 Knoten. Einmal, beim absurfen einer Welle steigt die Anzeige sogar auf 12,5 Knoten. Sigi juchzt und singt im Cockpit, es ist eine wahre Freude. Für Ihn gibt es nur noch die Amel.

Eigentlich dachte ich mir einen Stop vor dem Cap Baer einzulegen, das heisst vor der Einfahrt in den Golf von Lion, aber unser Schiff will sich nicht bändigen lassen und legt immer mehr zu. Wir rollen die Genua und den Balooner bis auf einen Drittel ein und machen nach wie vor gute Fahrt. Also stecken wir unser Ziel höher und versuchen den Hafen von Lancca hinter dem Cap Rose zu erreichen. Es gelingt, allerdings mit einigem schwitzen. Nach dem Cap Rose müssen wir auf Querwindkurs. Entgegen unserer Hoffnung sind wir hinter den Hügeln nicht geschützt uns so riskiere ich nicht, den Balooner einzuholen. Wir rollen  Balooner und Genua ganz weg und segeln nur noch mit Besan und Gross. Auch diese werden bald gerefft, denn wir bekommen den Wind querab mit 45 Knoten. Sigi steuert  nun von Hand und ich berge die Bäume und das ganze Geraffel und bereite unsere Hafeneinfahrt vor. Über  Funk , Kanal 9 versuche ich von der Marina zu erfahren wie die Situation im Hafen ist. Keine Antwort ! Ich kenne den Hafen von unserer Reise im 2003 und weis, dass er guten Schutz bietet und bei der Einfahrt die Möglichkeit besteht, an der Tankstelle längs anzulegen. Letztes Mal hatten wir genau so Wind aber wir hatten ein defektes Bugstrahlruder. Diesmal müsste es einfacher  sein. Wie wir in den Hafen steuern, holen uns die Marineros bereits im Vorhafen ab. Es ist auch relativ ruhig im Moment. Wir werden an einen Platz an Backbord verwiesen. Dieser Platz scheint mir etwas schmal, aber der Marinero besteht darauf, mich dort hinein zu zwengen. Gerade in dem Moment, wo ich anfange rückwärts einzuparken erfasst uns eine Böe von 30 KN  und die SAMANTHA wird  am Bug weggedrückt. Schnell steuere ich erneut das Hafenbecken an und beginne das Manöver von vorne. Auf der, unserem Platz gegenüberliegenden Seite werden einige Yachties hysterisch und beginnen irgend etwas herumzuschreien. Ich höre nicht hin und wir legen ein Anlegemanöver hin, für das wir uns nicht schämen müssen. Klar waren da viele helfende Hände, die die Schiffe auseinanderdrückten und abfenderten, denn die halbe Breite der SAMANTHA musste ja erzwängt werden. Es ist immer wieder schön, und man ist auch selbstverständlich Stolz, wenn einem die Schiffsnachbarn und Marineros nach einem solch gelungenen Manöver auf die Schulter klopfen. Mit einem Pernod auf Eis als „Ankerdrink“ wird dann heimlich, der Puls und Adralinspiegel wieder auf normales Niveau geholt.

Fische zum Nachtessen und die grosse Augen von Sigi sind dann noch ein weiteres High-Light des Tages. 109 Seemeilen haben wir heute abgespult und es war einfach wunderschön.

 

18.8.06

Lancca – Canet En Roussillion. Ein gemütlicher Tag, nur 23 SM  und schon um 1600 im Hafen. Der Hafenbesuch wurde zwingend, da es in dieser Gegend nirgends auch nur eine kleine geschützte Stelle zum Ankern gibt. Zudem ist es gut, wenn wir uns nochmals richtig ausruhen, denn Morgen wollen wir die Überquerung des Golf von Lion in Angriff nehmen und uns bis Hyeres zu Amel bewegen. Sigi will vor dem Abendessen noch einige Besorgungen machen und kommt nach einer Weile mit zwei Herren im Schlepptau zurück. Die Frage ist, ob die Herrschaften Mal unser Schiff anschauen dürften, denn sie sind selber Besitzer einer alten Amel. Selbstverständlich, ich bin doch immer Stolz , unsere perfekte SAMANTHA zu präsentieren. Da diese Herren aber weitere 4 Personen im Schlepptau haben wird die ganze Vorführung schon fast zu einer Bootsschau. Die Herrschaften meinten nachher, die  Super Maramu 2000  werde wohl ihr Schiff der Zukunft. Mit einer Flasche gutem Französischen Wein haben sie sich danach für die Führung bedankt. Schön !

 

19-20.8.06

Um 0700 ist Tagwache und nach dem Frühstück werden die Leinen los gemacht. Erst präsentiert sich der Tag als ruhig und bis 1600 legen wir kaum Strecke zurück. Wir können nach soviel Stunden immer noch die Küste hinter uns ausmachen. Doch nun beginnt der Wind aufzufrischen und dreht wieder  nach Westen, gut für uns, denn wir sind auf dem Weg nach Ost. Wieder wird ausgebaumt. Das Manöver ist nun für uns bereits zur Gewohnheit geworden. SAMANTHA nimmt immer mehr Fahrt auf und trägt uns mit 7,5 bis 8 Knoten übers Wasser. Meine Fischerleinen muss ich einziehen, denn nun sind wir zu schnell unterwegs und jeder Fisch würde gleich abgerissen. Da der Wind die ganze Nacht über regelmässig und seiner Richtung treu bleibt funktionieren unsere Nachtwachen auch entsprechend. Ohne Störung kann jeder seine jeweiligen 3 Stunden durchschlafen. Von 2100 bis 2400 schläft Sigi als erster und übergibt dann mir bis 0300 um dann wieder  bis 0600 am Ruder zu sein. Um 0600 trete ich die letzte Wache an. Der Wind hat gegen Tagesanbruch wieder etwas nachgelassen, so dass wir eine ruhige aber trotzdem zügige Fahrt in Richtung Hyeres machen. Es ist üblich, dass um 0900 der Schlafende nicht geweckt wird, und so liegt Sigi noch friedlich in der Koje, als ein Hubschrauber der Küstenwache uns seine Aufwartung macht. Nach einmaligem Umkreisen der SAMANTHA macht er sich wieder davon. Genau 3 Stunden später, Sigi steht gerade nackt in der Dusche, braust eine Zollfregatte heran, ein Dingi wird zu Wasser gelassen und 4 Zöllner besuchen uns und wollen an Bord kommen um eine Kontrolle durchzuführen. Sigi zieht sich schnell eine Hose über und kommt gerade rechtzeitig zur Begrüssung ins Cockpit.

Einer der Beamten will unsere Papiere sehen und beginnt mit dem Ausfüllen eines langen Dokumentes. Per Funk werden unsere Personalien zur Überprüfung an eine ferne Stelle durchgegeben. Die anderen Beamten bitten, in Begleitung von Sigi, das Schiff kontrollieren zu dürfen. Sie filzen alle Schubladen und Bagskisten im Saloon durch. Hätten wir irgendwelche Schmuggelware oder eine ganze Horde von Asylanten an Bord gehabt, hätten sie diese nicht gefunden, denn auf der Amel gibt es so viele  kleine Winkel, wo man Ware verstecken könnte, dass man ein Schiff total auseinander nehmen müsste um alles zu finden. Da wir aber nichts bei uns haben und schon gar keine Flüchtlinge, sind wir absolut entspannt, was die erfahrenen Zöllner sicher bemerken, denn nach kurzer Zeit geben sie ihre Suche auf und bemerken mit erstaunen, wie sicher und ruhig diese Amel durch die recht stürmische See pflügt. Mit freundlichen Worten werden wir dann verabschiedet und die Zöllner ziehen sich wider auf ihr Mutterschiff zurück. Scheinbar hat uns der Helikopter in der Früh weit draussen und einsam, mit nur einer Person an Bord sichtbar, auf dem Meer entdeckt, unsere Position weitergeleitet und die Fregatte zu uns geschickt. Ob sich solche Kontrollen bei den heutigen Dieselpreisen lohnen?

Den ganzen Tag durch rauschen wir genau so weiter und erreichen späten Nachmittag die Bucht bei Poquerolles, unser Tagesziel, wo wir bei noch stürmischem Wind die Anker eindampfen. Bei Sonnenuntergang  verabschiedet  sich der Wind und wir verbringen eine ruhige Nacht.

 

21.8.06

Heute ist für meine Enkelin Samantha der erste Schultag. Sie freue sich, hat sie mir gestern Abend am Telefon gesagt.

Sigi und ich nehmen Kurs nach Hyeres, wo ich bei Amel die Schäden am Schiff begutachten lasse. Ich brauche für die Versicherung die Reparaturkostenschätzung. Da  die SAMANTHA nicht wie eine gefleckte Katze aussehen soll, will ich die Reparaturen von Amel, mit der Originalfarbe, machen lassen. Mir wird vom Stationsleiter versichert, dass diese Schäden, einige Kratzer an den Seitenwänden und die verbogenen Stützen an der Reling, so repariert werden können, dass man nachher nichts mehr sieht. Es ist bereits 1600 als wir im Hafen von Hyeres die Leinen losmachen. Eigentlich wollte ich wieder in die, nur eine Stunde entfernte Bucht von Poquerolles zum Ankern, doch Sigi meint, wir könnten doch noch ein Stück des Weges segeln, da für Morgen Windstille angesagt ist. Also segeln wir gegen den starken Wind und gegen hohe Wellen an in Richtung Marseille. Um 2100 find ich dann doch, dass diesem Kampf ein Ende gesetzt werden sollte. Wir finden kurz nach Toulon noch eine kleine Bucht, wo wir beim letzten Tageslicht noch die Anker fallen lassen und relativ ruhig liegen.

Ich träume schon vom morgigen Tag, wenn wir mit Motor bei Windstille zu unserem Endziel tuckern.

 

22.8.06

Keine Spur von Windstille. Kaum sind wir aus der schützenden Bucht, erfasst uns der gleiche Wind und die Wellen vom Vortag. Wir müssen aufkreuzen. Trotz schwerem Kampf gegenan, sind wir schneller unterwegs als all die anderen Segelboote, die ohne Ausnahme sich mit dem Motor gegen den Wind stellen. Siehe da, auf einmal holen zwei andere Segler ihre Tücher heraus und beginnen ein regelrechtes Rennen mit der SAMANTHA. Sigi flippt fast aus wie er feststellt, dass wir die Beiden regelrecht auf die Plätze verweisen. Einer gibt das Rennen nach einer guten Stund auf, der Andere probiert noch mindestens weitere 2 Stunden irgendwie an die SAMANTHA heranzukommen. Wir segeln mit absolut flach gezogenen Segeln hoch am Wind und lassen den Gegnern keine Chance. Werden doch immer faule Sprüche gemacht über die schlechten Segeleigenschaften der Amel’s. Wir haben heute das Gegenteil bewiesen !

Es ist bereits 2100 und die ersten Sterne schauen vom klaren Himmel herunter als wir in den Golf de Fos einfahren. Die Einfahrt zum Port Napoleon ist sehr kompliziert, aber dank unserer elektronischen Karte und dem GPS finden wir zum Erstaunen von Sigi unseren Weg zwischen all den vor Anker liegenden Schiffen und den zahlreichen Schiffartsboyen hindurch ohne Problem. Genau um 2200 binden wir die SAMANTHA am Steg fest. Es wird noch ein letztes Abendmahl in der Kombüse gekocht, danach ist die diesjährige Segelsaison beendet.

 

23.8.06

Sigi ist einer, der selber Segeljachten hat. Das merkt man, wenn es ums Abpacken geht. Er übernimmt die Arbeiten aussen am Schiff, während ich mich innen und and der Technik zu schaffen mache. Heute muss das Schiff soweit fertig werden, dass wir Morgen um 0900 Auswassern können.

Als ich das Auto starten will, das nun die 10 Wochen brav gewartet hat, tut der Motor keinen Wank. Mit Hilfe von den Hafenarbeitern, Starterbatterie und Überbrückungskabeln, wird auch dieses Problem gelöst.

Abends gehen wir ins Städtchen zum Essen. Hier verschlägt es uns in eine Kneipe, in der wir uns köstlich amüsieren. In dem kleinen Lokal ist eine unverhältnismässig grosse Bühne aufgestellt auf der ein Discjockey CD’s abspielt. Der Typ passt nun überhaupt nicht auf seinen Posten. Mit seinem fetten Leib, der Kampfanzugshose und dem kahl geschorenen Kopf ist er entweder Kampfringer oder er ist Schwul. Eine nicht definierbare Kreatur. Aber die Musik die er auflegt ist so richtig französische Provinz und hebt die wenigen Gäste von den Stühlen zum Tanz. Das Essen ist mittelprächtig, dafür haben wir mächtigen Spass. Die Krönung ist dann die, als der Besitzer zu Sigi an den Tisch kommt, ein Stück Brot aus dem Korb nimmt und sich mit Sigi’s Messer ein Stück Käse von der Platte holt. Guten Apétit !

 

24.8.06

Es ist bereits 0830 als mich Sigi aus der Koje ruft. Ich hätte doch prompt den 0900 Termin zum Auswassern verschlafen !

Schnell Frühstücken, in die Toiletten bei der Capitanerie, Zähne putzen, Leinen los und rückwärts unter den Kran fahren. Alles klappt wie am Schnürchen. Um 1100 sitzt unsere SAMANTHA neben 4 anderen Amels auf dem Bock an Land. Jetzt heisst es noch alles fertig säubern und einmotten. Ein letzter Besuch in der Capitanerie und wir steuern durch das Gate aus dem Hafen Richtung Schweiz. In Bern setze ich Sigi am Bahnhof ab. Er will versuchen, einen Nachtzug nach München zu bekommen. Ich fahre noch weiter bis in die Region Zürich, wo ich dank meinem Navigationsgerät, die Adresse find, wo sich Rita zwischenzeitlich eingenistet hat. Es ist bereits 0230 als ich endlich mein Frauchen in die Arme nehmen kann. Es war eine lange Zeit für uns Beide, aber Sie ist mit Ihrer neuen Arbeitsstelle glücklich und ich hatte eine super Zeit in den Balearen.

Nun ist der Törn fertig und somit auch die Saison 2006. Ich werde irgend Mal noch das Schiff nach Hyeres zur Reparatur bringen müssen. Den genauen Zeitpunkt weiss ich aber noch nicht.

Ich melde mich dann sicher wieder im Sommer 2007 wenn die Reise weitergeht.

Euer Kapitän der SAMANTHA