REISEBERICHT - Januar 2007

 

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Philippe beginnt mit dem polieren

 

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Die Arbeit ist anstrengend

 

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Rudy beginnt mit den Reparaturen am Bug

 

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Alles muss sauber abgeklebt, gefüllt und dann geschliffen und poliert werden

 

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Auf der Steuerbordseite hat es nur "wenige" Kratzer

 

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Anders auf der Backbordseite. Min 10 MeterKratzer

 

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Die Schale glänzt nach der Reparatur so, dass Philippe sie als Spiegel beim rasieren brauchen könnte.

 

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Fertig. Das gemietete Gerüst wird zurückgebracht

 

Liebe SAMANTHA –Fans

Es ist lange Zeit her, dass ich von Erlebnissen berichten konnte.

Trotzdem, es ist erstaunlich, wird die Homepage jeden Monat   250-270  Mal besucht und ich habe wieder  neue Freunde kennen gelernt, die sich über die Homepage gemeldet haben.

Nun, endlich gibt es endlich wieder etwas zu berichten.

Es ist  schon  Januar.

Meinen Sohn Philippe, der vor einer Woche von einem Auslandaufenthalt zurückgekommen ist, wird gleich in Beschlag genommen. Über die Winterzeit habe ich mich nämlich intensiv vorbereitet um meine Samantha von den üblen Beschädigungen, die sie seit letztem August hat, zu befreien. Es war doch in jener Nacht passiert, als sich in einer Bucht auf Menorca zwei fremde Boote mit ihren schlirrenden Ankern an uns gehängt haben und dadurch die ganze Seite zerkratzt wurde.

Da sich die netten Yachties nach dem Gewitter aus dem Staub gemacht haben , blieb der gesamte Schaden an mir hängen. Gut, dass ich eine gute Kasko-Versicherung habe. Die Pantaenius, hat sich sofort und ohne Umstände bereit erklärt, den Schaden voll zu übernehmen. ( Selten, dass man eine Versicherung rühmen kann, aber hier muss ich es tun.)  Da ich unseren westlichen Nachbarn und dazu noch denen im Süden, nicht so richtig traue, bin ich zum „Bootsbau-Unterricht“ bei einem Bootsbauer in Cham gegangen und habe dort alles über GFK-Reparaturen gelernt und unter dem wachsamen Auge von Ivo, dem Chef selber, entsprechende Übungsstücke angefertigt.

Mit allem, was mir Ivo empfohlen oder besorgt hatte, ausgerüstet, fahren Philippe und ich am Sonntag in der Früh los. Bei dem milden Winterwetter liegt kein Schnee auf der Strasse und je mehr wir uns dem Hafen in Port Saint Louis nähern um so frühlingshafter wird es.

Im  Hafen angekommen, legen wir gleich los, reinigen erst das ganze Schiff und Philippe beginnt auch gleich mit dem Schleifen des Unterwasserschiffes.  Am ersten Abend sind wir schon Hundemüde und legen uns in einem, im Hafen gemieteten Bungalow, direkt nach dem Nachtessen hin. Nur 4 Stunden Arbeit heute und bereits hundemüde. Das wird noch gut werden!

 

15.1.07

Um 0800 am Montag klingelt der Wecker ( Handy ). Draussen ist es noch stockdunkel.

Am Sonntag konnten wir nicht mehr einkaufen und so besteht unser erstes Frühstück aus einigen wenigen Krümeln, die wir noch von unserer gestrigen Reise übrig haben.

Im Küchenschrank finden wir ( vermutlich von Engländern hinterlassen) eine Dose Würstchen. Gebraten kann man die, mit etwas Mut, auch als Mitteleuropäer, essen, besonders dann, wenn man Hunger hat und der Tag bestimmt anstrengend wird.

Die ebenfalls noch im Schrank liegenden Teebeutel  ergeben eine Art Tee, der das Frühstück wohltuend hinunterspülen hilft.

Heute werden wir einkaufen !

Und wirklich, das haben wir irgend einmal zwischen den harten Stunden der Arbeit getan.  Und wie !   Die Dame an der Kasse im Supermarkt wird sich wohl gefragt haben, ob wir ein Fregattenschiff für eine mehrwöchige Seereise bebunkern.

Den Rest des Tages verbrachten wir beide mit Schleifen und Vorbereiten.

Zur Feier des 1. Tages holten wir unter der Dusche kiloweise  Schleifstaub aus allen Ritzen, Höhlen und Einbuchtungen unserer geschundenen Körper, um danach, frisch herausgeputzt und gebügelt in Port Saint Louis die erste der vielen Kneipen aufzusuchen um  mit herrlichem Essen und gutem Wein unser ganztägiges Leiden zu vergessen.

Am ersten Abend waren riesige Côte de Boef  auf dem Speiseplan.

 

16.1.07

Wie immer, wenn der Wecker klingelt, Nacht um uns herum.

Diesmal Frühstück mit Eiern und Schinken, frischen Baguettes, Marmelade, Käse und sonst noch vieles, was einem das Frühstück so zum Genuss macht, dass man gar keine Lust zum Arbeiten bekommt.

Trotzdem, wir haben ein Ziel, und ich muss schon sagen, wie Philippe sich ins Zeug legt und das gesamte Unterwasserschiff abschleift, zeigt, dass er neben der Kopfarbeit beim Studium auch für praktische Dinge ein Händchen hat. Teils liegt er auf dem Rollgerüst und schleift nach oben. In dieser Stellung bekommt er mehr Druck auf die Maschine, aber auch mehr Staub in den Mund. Der extra dazu verwendete Einweganzug hält diesen Feinstaub nicht auf und so habe ich Abends bevor er in die Dusche steigt immer das Gefühl, einen Sohn zu haben, der von einer Afrikanerin auf diese Welt gebracht wurde. Aber Wasser hilft in diesem Falle die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken.

Auch heute Abend gehen wir wieder auf kulinarische Entdeckungsreise. Diesmal landen wir beim Vietnamesen. Gut, aber etwas stark mit französischer Küche durchmischt. Macht nichts, wir sind ja Multikulti.

 

17.1.07

Erste Reparaturversuche an der Schale. Den ganzen Tag lang bereite ich die Kratzer so vor, dass ich sie noch am selben Abend mit dem Gelcoat ausfüllen kann. Hierzu muss ich die Kratzer reinigen und rundum mit Klebeband abkleben. Man kann sich kaum vorstellen, dass es so viele Kratzer sind, dass ich dazu fast den ganzen Tag brauche. Abends wollen wir noch alles ausspachteln, damit die Füllmasse über Nacht aushärtet, so dass ich dann Morgen mit dem Schleifen anfangen kann. Das  Tageslicht verschwindet halt im Winter früher, so dass uns einige Stunden fehlen. Philippe platziert das Auto so, dass wir dank den Autoscheinwerfern  bis 2000 arbeiten können. Dann geht’s wieder ins Dorf. Diesmal in eine Fischkneipe. Hier bekommen wir extra für uns hingezauberte Vorspeisen und herrlichen Fisch mit Gemüse. Wir sind die einzigen Gäste im Lokal ( es ist nicht Saison) und trotzdem werden wir bis fast Mitternacht fürstlich bedient. Einzig störend ist, dass ein Herr, vermutlich der Sohn, hinter der Theke steht und sich ständig etwas in den Mund stopft. Da die Gastwirtin unsere Speisen ebenfalls auf diesem Tresen nach der Küche zwischenlagert, vermuten wir, dass sich der nicht mehr ganz junge Bengel, sich die Schnäppchen von unseren Platten angelt. Je später, umso beduselter, merken wir immer weniger. Tot fallen wir in die Betten.

 

18.1.07

Gespannt auf unsere ersten Flickarbeiten schleichen wir die SAMANTHA an.

Erst scheint alles OK. Dank der frühlingshaften Temperatur und dem Trick, die Heizung im Boot eingestellt zu haben, hat der Gelcoat gut ausgehärtet und ich kann mit der Schleiferei beginnen. Philippe bemalt das Unterwasserschiff mit dem zähflüssigen Antifouling.

Oha,  an vielen Stellen zeigt es sich nun, dass sich beim Füllen der Kratzer nicht genug Material aufgetürmt hat, so dass ein Nachspachteln notwendig sein wird. Die halbe Arbeit noch ein zweites Mal !!!! Jetzt wird es eng.

Trotzdem , gutes Essen in der nächsten Kneipe. Etwas mehr Wein und noch einen Grappa obendrauf und der Ärger von heute ist vergessen.

 

19.1.07

Letzte Reparaturen mit verschleifen.  Philippe poliert die ganze Schale. ( Auch hier wieder das gleiche Leid. Ein grosses Schiff ist schön, nur nicht wenn man dran arbeiten muss.

Gegen Abend kann man bereits sehen, dass sich die SAMANTHA wieder so präsentiert, als wäre sie nie beschädigt worden. Sie glänzt unter der geschickten Hand von Philippe nach dem Polieren und dem Waxen so, als wäre sie erst heute aus der Werft gekommen.

Zur Feier des Tages gehen wir uns nochmals eine Côte de Boeuf genehmigen, denn solche Dinger kriegt man in der Schweiz kaum irgendwo, und wenn, dann muss man schon fast einen Taglohn dafür hinlegen. Heute gibt es eine doppelte Ration Wein. Nicht, dass wir uns betrinken wollten, nein, die Bedienung Nr 1 hat uns den Wein gebracht, den ich bestellt hatte, und Bedienung Nr 2 brachte den, der Philippe reklamiert hat, nachdem Nr 1 die erste Bestellung erst nicht ausgeführt hat.  Die Müdigkeit und der süffige Wein müssen es gewesen sein, dass wir erst am nächsten Morgen bemerkten, dass ja nur eine Lieferung auf der Rechnung war. Wir nahmen es als Entschuldigungsgeschenk fürs zu lange Warten.

 

20.1.07

Heute wollen wir früh losfahren, aber vorerst sind noch einige Kleinigkeiten zu erledigen.

Hier noch einen Tupfer, hier nochmals etwas nachpolieren und da noch etwas reparieren.  Stephan, der Kranführer im Hafen rät mir, unbedingt Antigel in den Motor zu geben, denn es werde sehr kalt werden und der Hafen könnte gefrieren. Mit Spiegeleiergrossen Augen muss ich Ihn angeschaut haben, denn im Moment  bin ich immer noch mit nur einem T-Shirt bekleidet. Wir hatten tatsächlich die ganze Woche über immer zwischen 15 und 18°C.  Trotz meinem Erstaunen, befolgen wir Stephan’s Rat und füllen Antigel in die Kühlkreise ein.

So geht der ganze Vormittag und ein Teil des Nachmittags doch noch ins Land und wir fahren aus dem Hafen als es am Horizont schon anfängt abzudunkeln. Philippe ist ein guter Autofahrer, so konnte ich auf der Heimfahrt ein herrliches Nickerchen machen. Erst kurz vor Genf wurde auch Philippe von der harten Woche übermannt und übergab mir das Steuer. Unter strömendem Regen erreichten wir schliesslich müde aber glücklich und stolz das Zuhause.

Am Montag wurde es kalt und winterlich und in Port Napoleon fiel das Quecksilber tatsächlich unter die Nullmarke. Stephan bekommt nächstes Mal eine Flasche Wein!

Die SAMANTHA wird nun in ihrer wieder gewonnenen Schönheit bis ende Juni warten müssen. Dann geht’s  endlich los , zurück ins Element Wasser , Wellen und Wind.