|
|
|
|
|
29.6.07
|
Bereits um
0500 räkle ich mich aus den Federn. Ich bin noch hundemüde und gar nicht in
Aufbruchstimmung obwohl ich mich auf diesen Tag eigentlich schon lange
gefreut habe.
Die letzten
Tage waren im Geschäft recht hektisch, musste ich doch noch ein Angebot
fertig stellen, bevor ich mich aus dem Büro verabschieden konnte. Dann kam
noch dazu, dass ich einiges einpacken musste weil ich letztes Mal einiges
vom Schiff nach Hause brachte. Die meisten Klamotten, die ich
zurückbrachte, weil ich dachte, dass ich diese auf dem Schiff nicht
brauche, hat Rita postwendend wieder eingepackt. „ Die sind fürs Schiff und
hier kannst Du die nicht mehr anziehen!“
Verschieden sind unsere Meinungen, aber eben, Frauen haben in Sachen
Kleider doch eher den richtigeren Dreher. Also wird das Auto neu bepackt,
und zwar schon am Vorabend, denn ich habe keine Lust, bei Morgengrauen, das
heisst um 0500 noch den Lastesel zu spielen. Ein kleines Frühstück und pünktlich geht
es los, erst nach Neuenburg, wo ich noch einiges geschäftliches zu
erledigen habe, bevor ich mich endgültig Richtung Marseille in die
Autokolonnen einreihe. Die Fahrt ist langweilig und unspektakulär aber die
5 Stunden von Neuenburg bis Port Napoleon gehen eigentlich recht schnell
vorbei. Wie geplant bin ich um 1500 beim Schiff.
Mit was soll
ich anfangen?
Erst innen
alles einrichten, Bett beziehen, Kleider einräumen, in allen Geräten neue
Batterien einsetzen, den Strom anschliessen, die Leinen einfädeln, Rollen
und Blöcke ( das sind auch Rollen, nur mehrere nebeneinander ) am richtigen
Ort wieder anbringen und viele Kleinigkeiten. Beim Einräumen der mitgebrachten
Konserven entdecke ich, dass ich scheinbar letztes Mal vergessen hatte, die
Kartoffeln aus dem Kartoffelkeller ( das ist ein Schaps unter dem
Küchenboden) herauszunehmen. Jetzt weiss ich wie Kartoffeln nach 8 Monaten
aussehen. Die sehen aus wie Igel und stinken wie ein alter Fuchs und was
nicht verdorrt ist, ist matschig mit braungrünem Saft, der sich, wenn
angetrocknet, nur schlecht wegmachen lässt. Also prost und erst mal putzen.
Um 1700
erscheint der Tankwagen und Diesel wird aufgefüllt. Den Tankwagen hatte ich
per Telefon über die Capitanerie auf 1700 am Freitag bestellt, und siehe
da, die Franzosen werden ja langsam aber sicher zu Europäern und somit auch
zuverlässig.
Bereits vor
dem Nachtessen, ich nehme nur einen kleinen Salat in der Hafenkneipe, ist
mein Schiff fertig und muss nur noch ins Wasser gesetzt werden. Das Deck
werde ich in der Früh erst sauber machen. Leider das ganze Schiff mit einem
klebrigen graubraunen Staubfilm bedeckt, der der SAMANTHA gar kein hübsches
Aussehen gibt. Im Port Napoleon ist es richtig warm, und der Gegensatz von
zu Hause haut einem richtig in die Knie. Ein kühles Bierchen nach dem Salat
und ab geht’s in die Heia.
|
|
30.6.07
|
Noch ein
bisschen hier und ein bisschen dort etwas gemacht und schon ist es 1400, das heisst Zeit
zum Einwassern. Pünktlich kommen die Hafenleute mit Ihren beeindruckenden
Geräten, holen sie SAMANTHA ab und lassen sie ins Wasser.
Bevor die
Leinen gelöst werden, will ich den Motor starten. Aber oh, was ist denn
jetzt los?
Der Motor will nicht anspringen. Ich prüfe
nochmals, ob ich das Seewasserventil auch wirklich geöffnet habe. Ja, ist
in Ordnung. Nicht verzagen, da der
Motor ja öfters nicht anspringen will habe ich ja immer noch mein Notsystem
(Überbrückungskabel) installiert. Sofort springt der Motor an, aber er will
nicht auf Touren kommen. Was ist den jetzt wieder los? Ha, ein Geistesblitz, ich habe vergessen
den Dieselzufuhrhahn aufzumachen.
Auch das ist
schnell erledigt, nun läuft alles wie geschmiert und ich kann die Leinen los
machen und mich auf einen Stegplatz verholen.
Dort
festgezurrt, wird nun die SAMANTHA richtig abgespritzt und sauber gemacht.
Und wie sie nun wieder da schwimmt, jungfräulich, sauber uns schön. Ich bin
stolz.
Gegen 1700
klingelt mein Handy. Patrick ist mit seiner Familie am Einganstor zum Hafen
und will wissen, wo die SAMANTHA liegt. Steg F.
Kurz darauf
kommen Sie. Natascha, Patrick, Samantha und Jennifer.
Zum ersten
Mal betritt Sam das Schiff, das Ihren Namen trägt. Jennifer schaut noch
etwas skeptisch drein, erlebt aber sehr schnell das Boot als ein idealer
Kinderspielplatz, wo man überall herumklettern kann.
Ich lasse
„meiner Family“ Zeit, sich einzurichten, danach gehen wir
einkaufen und in der Pizzeria im Dorf essen. Die Kinder sind etwas
aufgeregt, auf einem Schiff zu schlafen. Samantha erobert sich sofort die
Einzelkoje, vor dem Fernseher und schliesst sich mit dem Vorhang zu und hat
somit eine schöne kleine Einzelkabine. Jennifer schläft mit den Eltern in
der Vorderkabine und ich, wie immer in meinem Bett hinten.
|
|
1.7.07
|
Nach dem
Frühstück draussen im Cockpit, legen wir los und fahren aus dem Hafen in
den Golf. Dabei steuert Sam das Schiff selber und auch recht gut für eine
Anfängerin. Sie sitzt auf einem Kissen
und die Füsse hat sie unten auf dem Steuerrad. Sie meint, man könne
das Schiff ganz gut auch mit den Füssen steuern. Hätte ein Steuermann dies einem Kapitän
auf einem Windjammer vorgeschlagen, hätte man ihn vermutlich Kiel geholt.
Wir setzen
in einer Bucht den Anker, gehen aber nicht von Bord, denn der Wind ist
recht stark und kühl und auch das Wasser hat nur gerade 18°. Das lädt nicht
ein zum Bade.
Nicht zu
spät motoren wir zurück, denn mein jüngster Sohn möchte um 1800 in Fos sur
Mer von der Bahn abgeholt werden. Er kommt direkt von Madagaskar, wo er
kurz arbeitete, über Paris und Marseille zu uns und will die nächsten 3
Wochen mitsegeln.
Patrick in
Begleitung seiner Familie bildet das Empfangskommitee. Schon beim
Abendessen wird klar, dass unser Philippe nicht gut auf den Beinen ist und
einen „Afrikanischen Käfer“ eingefangen hat, denn ständig verschwindet er
Richtung Toilette.
|
|
2.7.07
|
Erst geht
Philippe in die Apotheke, zum Arzt und in ein Untersuchungslaboratorium.
Danach legen
wir ab und segeln Richtung Calanque, um die Ecke bei Marseille. Es ist
herrliches Segelwetter. Patrick übernimmt das Kommando. Philippe spielt mit
den Mädels und bringt ihnen Knöpfe bei, mit denen sie den Opa ( das heisst
mich ), fesseln und anbinden können. Also werde ich dauernd gefesselt,
geplagt und gefoltert. Es ist herrlich, wie sich die beiden amüsieren, den
Opa zu plagen! Am Ziel angekommen setzen wir den Anker, blasen das Dingi
auf und schon sind sie weg, Richtung Strand. Nach kurzem kommt Philippe zurück.
Er konnte nicht mit den anderen bleiben, weil ihm ein französischer
Vollidiot eingehüllt in die Uniform eines Gendarmen unter Androhung von
300€ Busse, Entzug des Segelscheines und Konfiszierung des Dingis verboten
hat, mit dem Dingi dort an Land zu gehen. Nur schwimmend darf man diesen
Strand vom Meer her erreichen. Sind sie doch auf dem Kontinent alle gleich.
Ein schöner
Apéro, ein herrliches Abendessen ,
guter Wein , eine schöne Abendstimmung und viel Freude an den Kindern
runden den ersten Tag auf See ab.
|
|
3.7.07
|
Alle
schlafen bis mindestens 0900. Die Nacht war recht ruhig und geschaukelt hat
es auch nicht fest. Nach dem Frühstück nehmen wir den Anker hoch und treten
die Rückreise zum Hafen an. Anfänglich muss der Motor helfen, denn der Wind
ist noch nicht beim Rendez-vous.
Kaum haben
wir das Cap umrundet kommt eine steife Brise auf, mit der wir bis zum Hafen
zurücksegeln. Sam übernimmt wieder das Ruder, so wie wir in den Kanal
einfahren. Sie macht das wirklich super. Patrick steuert sein erstes
Hafenmanöver und legt die SAMANTHA sauber und ordentlich an den Steg. Alle
sind etwas KO, denn das ständige wiegeln auf See und die Luft machen halt
müde. Natascha setzt sich ganz vorsichtig an den Abendtisch, denn die
hintere Hälfte der Beine ist etwas röter als die Vordere, denn sie lag fast
den ganzen Nachmittag auf dem Bauch und vertiefte sich in Lektüre. Die
leichte Seebrise umschmeichelte ihre, der Sonne zugewendeten Körperteile
ständig und kühlten angenehm ab, nur die UV Strahlen wurden nicht
abgehalten.
Auch heute
wird es nicht zu spät.
|
|
4.7.07
|
Nach dem
Frühstück verlassen uns die „ Patricks“ . Sie werden in St Tropez noch
einige Tage bis zum Wochenende verbringen und dann auch schon wieder nach
Hause fahren. Es war ein schönes erstes Erlebnis auf der SAMANTHA. Allen
ging es mehr oder weniger OK und die Kinder hatten Spass und überhaupt
keine Angst. Gut zu wissen fürs nächste Mal.
Ich bereite
die Vorderkabine vor für François, der heute Abend zu uns stösst.
Mit Philippe
gehe ich noch auf den Markt in Port St Louis, Gemüse und Früchte einkaufen.
Als wir
uns bei einem Grillstand
vorbeischleichen wollen erfasst uns ein nicht zu widerstehendes Lustgefühl
nach gebratenem Hähnchen. Es würde vermutlich für Lange das letzte sein,
denn draussen auf dem Meer sind solche Grillstände nur als Fatahmorgana in
Zeiten des fast erreichten Deliriums vorhanden. Das ist doch ein Grund,
einmal wieder über den Schatten zu springen und zum Mittagessen ein
gebratenes Hähnchen zu verzehren. Lange genug wird es wieder kein
Mittagessen mehr geben! Ich weiss auch nicht warum, aber auf den Segeltörns
ist nie ein Bedürfnis nach Mittagessen vorhanden. Ein Kräftiges Frühstück
und ein gutes Abendessen haben immer gereicht.
Gegen Abend
fährt Philippe nochmals zum Doktor um die Neuigkeiten über die
Laboruntersuchungen zu bekommen und
holt danach François am
Bahnhof ab.
Zu Dritt
gehen wir essen und entscheiden, dass Philippe abmustern muss, denn es ist
zu Riskant für Ihn, die Reise nach Tunesien mitzumachen, hat sich doch sein
Zustand in den letzten 3 Tagen nicht verbessert.
|
|
5.7.07
|
Schon um
0800 bringen wir Philippe an den Bahnhof.
Danach
bereiten wir uns vor und legen um 1000 ab. Der Mistral erwartet uns mit 20
Knoten im Golf de Lion. Da er uns von schräg hinten packt, können wir volle
Segel setzen und gleich eine rasante Fahrt Richtung Bizerte aufnehmen. Es
ist wie im Märchenbuch. Nachmittags legt der Wind noch etwas zu, häuft aber
auch die Wellen etwas mehr auf, aber das beunruhigt die SAMANTHA überhaupt
nicht. Der Autopilot hält uns ohne mucksen genau auf Kurs. Gegen Abend
zeigt unser Geschwindigkeitsmesser immer öfter Zahlen zwischen 9 und 11,5
Knoten an, so dass wir auf die Nacht hin die Segel leicht reduzieren, denn
ab 2100 ist jeweils nur immer einer oben im Cockpit, während der andere
schläft. So machen wir 2 mal 3 Stunden Wache und schon ist die Nacht
vorbei. Wenn man so alleine mitten auf dem Meer nachts im Cockpit sitzt und
man sieht einen Sternenhimmel, der durch keine Lichtquellen gestört wird,
erfasst einem ein Gefühl der Glückseeligkeit und man kommt leicht ins
Philosophieren. Wenn dann noch dazu der Mond ausfällt, ist der Himmel so
klar und die Milchstrasse erscheint wie eine grosse Nebelschwade. Es ist
berauschend! Alleine durch das Sternenlicht wird das Meer so beleuchtet,
dass man die Wellen sieht und kein Gefühl von Dunkelheit aufkommt. Entlang
dem Bug leuchtet ständig das Plankton wie kleine Fluoreszentlämpchen in
einem zarten grün so dass man bald das Gefühl hat, wie auf einem Teppich
über das Wasser zu schweben. Das leise Rauschen, das der Bug beim
durchpflügen des Wassers verursacht ist wie der Gesang eines
Meerjungfrauenchors.
Wozu gehen
Leute in Therapien mit Raike und anderen berauschenden Klängen und in
beruhigender Umgebung ? Sollen sie doch mal eine Nachtfahrt über das Meer,
weitab der Küste machen, dann finden sie bestimmt die gesuchte Nähe zum
Paradies.
Ihr merkt
schon, ich freue mich bereits auf die nächste Nacht.
|
|
6.7.07
|
Frühstück,
lesen, in die Welt gucken und einfach Glücklichsein, das sind so die
Beschäftigungen auf dem Schiff, wenn der Wind regelmässig und immer aus der gleichen Richtung
bläst.
Um 1000
bemühe ich mich, einen Zwischenstand ins Logbuch einzutragen, denn nun sind
wir genau 24 Stunden unterwegs. Für jeden Langzeitensegler ist es ein
Tagesereignis von höchster Wichtigkeit, die innerhalb von 24 Stunden zurückgelegte Strecke
festzuhalten. Und siehe da, wir haben genau 195 Seemeilen (356 km)
zurückgelegt, das heisst eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,12 Knoten oder 14,8 Km/h. ein absoluter
Wahnsinn für ein Schiff unserer Klasse.
356 Km und das ohne einen Tropfen Sprit, ich müsste eigentlich der
grünen Partei beitreten und vorschlagen, dass die Autos auf den Autobahnen
oben ein Segel haben müssten!
Im verlaufe
des Tages gibt der Wind nach und zwar soweit bis wir nur noch von der
Strömung leicht vorwärts kommen. Jetzt müssen wir leider unseren
Flautenschieber (Motor) in Betrieb nehmen und zwar bis gegen Abend. Erst
nach dem Abendessen können wir wieder auf die Segel umstellen.
Mitten in
der Nacht sind wir genau auf der Höhe der Strasse von Bonifacio. Die Wellen
werden plötzlich höher und erreichen 4 bis 6 Meter. Dies scheint zwar für
den Betrachter viel zu sein, ist es auch, aber wegen der Länge der
Wellen gibt es für uns keine Gefahr.
Es ist wie auf einem Karussell, es geht auf und ab, und zwar ständig und
für Stunden.
|
|
7.7.07
|
Herrlicher
Tag. Seit wir weggefahren sind haben wir nur schönstes Wetter, sehr warm
(bis 40°) und zurzeit bläst der Wind auch wieder so, wie man es als Segler
gerne hat.
Fische
wollen keine anbeissen. Ob die merken, dass ich nur mit halbem Herzen
Fische fangen will, denn wie Ihr bereits wisst, teilt François nicht die Freude mit mir,
wenn ein Fisch (meistens ein Bonito) anbeisst. Trotzdem hängt die Angel
draussen.
Irgendwo,
mitten auf dem Meer, entscheiden wir uns einen kleinen Zwischenstop
einzulegen und ein Bad zu nehmen. Gesagt getan. Segel rein, Leiter raus und
hop ins 24° tiefblaue Wasser. Herrlich!
Kaum haben
wir wieder Fahrt aufgenommen, stellen wir fest, dass unsere
Wasserdruckpumpe ständig läuft. Ein Blick in die Duschenkabinen und in die
Küche bringt auch keine Erkenntnis.
Wir hören
aber ein Rauschen!
In der
Bagskiste im Cockpit, bei der Decksdusche liegt das Übel. Ein
Anschlusschlauch ist abgeschert. Werkzeugskiste raus, Rudy wird zum
Sanitärmeister und in wenigen Minuten ist das defekte Teil ausgebaut und die
Wasserpumpe schweigt. Passieren konnte nichts, denn der Ablauf der
Bagskiste führt direkt ins Meer. Stupide nur ist, dass wir aus dem Meer
Wasser entnehmen, dies entsalzen und dann ungesalzen wieder zurückschütten.
Würden wir das zu lange tun, würden sich dann im Mittelmeer plötzlich
Süsswasserfische ansiedeln!
|
|
8.7.07
|
Um 1000,
also genau 3 Tage nach Reisebeginn fahren wir in die Marina von Bizerte.
Freundliche
Beamte stehen bereits am Steg und heissen uns Willkommen. Wirklich
freundlich sind die, ob sie es auch bleiben? Oder ist das wie wenn der
Fuchs des Nachbars Huhn mit einem freundlichen Lächeln grüsst? „Ich fresse
dich später!“
In meinem
Hafenbuch habe ich gelesen, dass Bizerte kein schöner Ort ist. Wir haben
noch überlegt, ob wir nicht vielleicht doch nach Hamamed fahren sollen, da
war ich letztes Mal und es war super. Wir lassen uns überraschen. Hamamed
wäre noch eine Tagesreise weiter.
Der erste
Beamte ist ein Zöllner. Er wird aufs Boot kommen, muss aber noch warten bis
der Polizist auch da ist. Eine halbe Stunde später ist es soweit, die
Beiden kommen an Bord und fangen an Papiere auszufüllen. Auch ich muss die
Deklaration ausfüllen und alles was wir an Bord haben angeben. Alle
elektronischen Geräte, Dingi, Aussenborder, Waffen ( haben wir keine).
Zigaretten ( haben wir keine ). Der Zöllner fragt dann nach unserem
Alkoholbestand.
Wir zeigen
Ihm die 3 Flaschen Wein und die beiden fast leeren Wodka- und
Pastisflaschen.
Seine Augen
werden Tellergross: ist das alles, ihr habt keinen weiteren Alkoholvorrat,
kein Whisky ? Er schaut uns an, als
seien 2 von den 3 Heiligen aus dem Morgenland nochmals zurückgekommen.
Dem Zöllner
langte schliesslich meine Unterschrift auf dem Papier, nicht so dem Herr
Polizist. Diese Ratte nutze einen Moment, als der Zöllner ins Cockpit ging,
um von mir 250€ Bakshish für die Stempel auf einer Kopie der
Zolldeklaration zu verlangen und das auch noch unter höchster
Verschwiegenheit. Dem Zöllner soll ich aber nichts geben, falls der danach
fragen würde. (feine Kollegen). Ich fange bei dem Preis gleich an zu
Jammern als wäre ich im Höchststadium von Wehen. Ich hätte gar nicht soviel
bei mir. Das glaubt er mir irgendwie, denn wenn einer nicht mal eine
richtige Ration von Alkohol und Zigaretten an Bord hat, muss er entweder
ein armer Teufel oder ein Heiliger sein.
Schliesslich gibt er bei 150€ nach. Ich soll unauffällig zahlen,
wenn er mit den Papieren wieder kommt. Und er kam wieder! Diesmal in
Begleitung seines Cousins. Du musst dem auch was geben! Gib noch 50 dazu,
dann hast du die Papiere. Ich muss unter Schock gestanden haben ab dieser
Dreistigkeit, denn ich gab ihm nun wirklich 200€, von denen er dem Cousin
wirklich gleich 100 hinüber schob. Ehrlich teilt der Kerl aber wirklich.
Wenn man den Bakschisch mit den 400€ Monatslohn vergleicht, versteht man
auch sofort warum man am Steg so freundlich willkommen geheissen wir. ( Wir
haben unsere Katze auch immer so angelockt, wenn wir sie fangen wollten :
„komm..komm…busilein, komm…komm… und schnapp, hatten wir sie).
Im Nachhinein
ärgere ich mich über mein Verhalten, habe ich doch in vielen Jahren Saudi
Arabien einiges in Sachen Bakschisch gelernt, aber die sind hier irgendwie
anders.
Nächstes Mal
fahre ich wieder nach Hamamed, dort waren alle ebenso freundlich und ich musste nichts bezahlen und bekam
meine Papiere, obwohl wir nicht einmal die Pässe bei uns hatten und gar
nicht ins Land gedurft hätten.
Auf dieses
eher unangenehme Erlebnis hielten wir erst einmal einen Mittagsschlaf.
Danach wollten wir ein Bierchen trinken. In der Hafenbar gibt es kein Bier.
Auch in der Altstadt, wo wir nach fast einer halben Stunde Fussmarsch
anlangten gab’s auch niergends ein Bier. Unten am Strand, in der Hotelbar,
da gab es dann endlich ein schönes Blondes. Und wie das durch die Kehle rinnt.
Auch das 2. war nicht schlechter. Jetzt aber müssen wir aufhören, denn
draussen ist es sehr heiss, und Bier zwingt mich in die Knie.
Gegen Abend
schlendern wir durch die alte Stadt. Die ist entgegen dem Hafenbuch sehr
schön, romantisch und traditionsreich. Alles war schon hier vor uns
Schweizer. Die Türken, die Spanier, die Mauren, die Berber, die Franzosen
und alle , ausser wir Schweizer haben ihre Markierungen in Form von
Palästen und Bauten, ja ganzen Stadtteilen hinterlassen. Es gibt einen
Berber- einen Türkischen- einen Spanischen( Andalusier) –Stadtteil, und das
alles innerhalb einer alten gut erhaltenen Stadtmauer. Im Türkischen
Stadtteil sind viele Moscheen und Hammams ( Türkenbad ) immer noch in
Betrieb. Dort wärmen sich die Leute im Winter auf, denn auch in Tunesien
wird es recht kühl und warmes Wasser oder gar Heizungen in den Häusern gibt
es nicht. Alles ist natürlich streng nach Geschlechtern geteilt!
Zurzeit ist
es bei Europäern (besonders Franzosen) Mode, sich ein altes Haus oder eine
Wohnung (ca 12000€) zu kaufen und den milden Winter dort zu verbringen.
Warum ich
das alles weis? Ich erzähl das nach
dem Nachtessen.
So gegen
1900 , für uns übliche Zeit zum Essen, suchen wir ein vom Zöllner
empfohlenes Restaurant auf. Am ende des bunten und sehr orientalischen
Strassenmarktes finden wir es.
Spezialität
ist Couscous mit Fisch. Warum nicht?
Wir
bestellen zweimal Couscous, zweimal Vorspeisensalat und einen halben Liter
Rotwein.
Freundliches
Lächeln des Besitzers „ Es gibt bei uns kein Alkohol „ und „ die Vorspeise
ist ziemlich scharf“. „Macht nichts, ist gut so“.
Wir bekommen
erst Brot und jeder ein Schälchen mit Oliven, Peperoni und anderen Gemüse,
alles so, wie man bei uns einem Gast
ein „Amuse Bouche“ serviert, aber es ist gut und wie versprochen sehr
scharf.
Danach
bringt man uns ein Schüsselchen mit Couscous und einem Stück Fisch darauf.
Es ist sehr gut, läuft bei uns aber unter der Kategorie „Muster“. Dazu gibt
es Wasser. (Vom Wein träumen wir)
Ich verstehe
nun, warum die Tunesier alle so spindeldürr sind. Jede Ernährungsfachfrau
hätte ihre wahre Freude hier.
Nach diesem,
nicht üppigen, aber doch nahrhaften Mahl schlendern wir dem historischen
Hafen entlang, setzen uns in ein Strassencafé, trinken den herrlichen Thé
mit Minze und ich rauche eine Shisha (Wasserpfeife). François kann mit so
was nichts anfangen. Wir fühlen uns wie im Urlaub und betrachten das
Kunterbunt der Nation. Verschleierte Damen spazieren mit popigen bauchfrei
gekleideten Girls, Herren in der Tope ( langer Rock) mit Jungs in Shorts
und Basketballmützen und vieles mehr.
Schliesslich
brechen wir auf Richtung Marina. Irgendwo werden Shischas zubereitet,
François hält kurz an und betrachtet die Vorbereitungsarbeiten. Ein kleiner
Tunesier hört dass wir Schweizerdeutsch sprechen. Sofort nimmt er die
Konversation auf und erzählt, dass er einen Bruder in Zürich (Zufall was ?)
hat. Wir sollen uns unbedingt die Altstadt anschauen, die sei sehr schön
(Recht hat er). „Komm, ich zeige Euch wo ihr schauen müsst“ und schon
strampelte er vorweg und wir hintennach. Ganz flott auf den Beinen der
kleine Alte. Nach einer dreiviertel Stunde interessantester Führung, wir
habe sogar seine eigene Wohnung von innen gesehen, breche ich den
Stadtrundlauf ab. Gib mir 25 € ! Das
war nun auch wieder Rattenartig!
Schliesslich kriegt er 15€ und zieht mit grimmiger Mine von Dannen.
Mit einem
kühlen Mineralwässerchen enden wir den ereignisreichen Tag in der Hafenbar
und dann geht’s in die Heia.
|
| 9.7.07 |
Die Nacht war
ziemlich lang und geschlafen haben wir beide wie Murmeltiere.
Wie üblich
geniessen wir das Frühstück an Deck
und können dabei herrlich zusehen wie ein Bootsnachbar an seinem Schiff
herumputzt. Es ist einfach erstaunlich zu sehen, wie viele Männer in vorgerücktem
Alter sich auf ein Schiff zurückziehen und dann putzen wie die Wilden. So
wie es aussieht, steigen die Fähigkeiten und die Bereitschaft zum Putzen
bei Männern umgekehrt proportional
zur Potenz. Ich habe auch gerne ein sauberes und gepflegtes Schiff, aber
nur putzen und nochmals putzen, dazu habe ich viel zu viele andere
Interessen und Ideen.
Nanu, sollen
sie putzen. Wir frühstücken gemütlich, danach regle ich noch was zu regeln
ist und warte auf die Rückgabe der Pässe, die bei der Polizei in verwahr
sind.
Jetzt habe
ich die Pässe zurückbekommen , nicht ohne dass der Beamte gefragt hat, ob
wir vielleicht einige Dinars übrig hätten. Und da er anständig und
unaufdringlich gefragt hat, bekommt er auch einige.
Jetzt ist
alles klar zum Ablegen. Erst wollen wir noch an die Tankstelle zum
Auftanken, denn Diesel kostet in Tunesien nur ca 80 Rappen, also die Hälfte
und das lohnt sich.
Beim Anlegen
an der Tankstelle hilft uns der Tankwart ( ist auch üblich so) und noch
einer, der sich in der Nähe herumdrückt.
In dem Moment, wo der Tankwart den Schlauch holt, verlangt der andere dass
ich Ihm 10€ fürs Anlegen an dem Quai gebe. Ich lach ihn aus, denn die ganze
Nacht am Steg, mit Strom und Wasser haben gerade mal 29€ gekostet und der
hier will 10 für einige Minuten. Jetzt platzt mir der Kragen ob dieser
Dreistigkeit. Freundlich aber Bestimmt erkläre ich, dass bei uns üblich
sei, ein Tip zu geben, wenn die Tankerei vorbei sei und alles gut
abgelaufen ist. Zudem würde ich langsam aber sicher einen schlechten Eindruck
von Tunesien bekommen, weil einer und jeder immer für nichts und aber
nichts Geld verlange. Jetzt habe ich ihn ins Herz getroffen! Er
entschuldigt sich förmlich und meint, er möchte in keinem Falle, dass wir
von Tunesien einen schlechten Eindruck bekämen, und das Geld sei doch nur
für den Unterhalt der Anlegestelle. ( wer es glaubt ).
Wir füllen
300 Liter in den Tank . Der Tankwart kassiert und erhält einen Tip und auch
der Andere bekommt seinen Obolus,
obwohl der Tankwart mir ständig erklärt, ich soll dem nichts geben. Nun
haben wir keinen einzigen Dinar mehr. Man könnte damit in der Schweiz auch
nichts anfangen. Jetzt kommt nochmals ein Polizist vorbei und fragt ob
alles OK sei.
„Ja, danke,
wir fahren nun zurück nach Sardinien“. „ Gute Reise, und übrigens, habt ihr
noch übrig gebliebene Dinars?“ „ Leider nein, wir haben eben die letzten
weggeben“. Er tut mir wirklich leid, denn der war nun wirklich nett.
Scheinbar ist es auch hierin diesem Lande so, dass die miesesten Ratten am
fettesten werden und die anständigen Leute am wenigsten bekommen.
Wir legen ab
und tuckern gemächlich aus dem Hafen ins offene Meer. Der Wind hat seit
Gestern um 180° gedreht und wir bekommen den Wind wieder von schräg hinten,
genau so wie bei unserer Hinreise.
Ideal!
Ohne Stress
verlassen wir die Tunesische Küste
und steuern direkten Kurs nach Gagliari. Ich backe noch ein Brot und als
Nachspeise zum Abendessen gibt es frisches Brot mit Roquefort und ein
kleines Gläschen roten Wein. Es ist
für die Götter!
Die erste
Nachtwache übernimmt turnusgemäss
Francois. Um Mitternacht übernehme ich.
Gegen 0200
erhebt sich am Horizont eine kleine Mondsichel und mit Ihr frischt der Wind
auf und dreht um 180°. Ab sofort haben wir den Wind von vorne und um den
Kurs zu halten muss ich hart am Wind bleiben. Langsam fange ich an die Segel zu
reduzieren. Um 0300, bei meinem Wachende hat der Wind bereits Sturmstärke
und man muss höllisch aufpassen, dass man nicht wegen einer Welle oder
leicht drehendem Wind plötzlich durch den Wind schiesst. Passiert das, hat man die Wahl, entweder
eine Pirouette ( ca 300° Kreis ) zu fahren oder eben wieder durch den Wind
zu wenden. Beides sind Manöver, die bei Sturmwind alleine nicht einfach zu
fahren sind. Kurz vor 0300 wecke ich François. Er kommt und kommt nicht.
Als er dann endlich erscheint Flucht er wie ein alter Seeräuberhauptmann.
Er konnte seine Hose nicht anziehen, weil das Schiff wie ein wildes Pferd
gebockt hat. Quer ist er beim ersten Versuch durch die Koje geflogen und
hat sich den Ar… am Schrank blau geschlagen. Nun ist er da und ich gehe
schlafen. Das erste Nickerchen
dauert nur kurz. Unten in der Koje spürt man sehr gut, was oben im Cockpit
abläuft. Hier merke ich, dass da oben gekämpft wird. Ich stehe auf, ziehe
mich an ( die Hose wird im Liegen übergestreift ) und gehe nach draussen.
Um uns herum tobt die See und der Wind heult um die kleinen reduzierten
Segel mit 35 bis 40 Knoten ( Windstärke 8-9 ). Zu zweit ist alles einfacher
und wir bringen die SAMANTHA schnell
mal in die Nähe von Sardinien.
|
| 10.7.07 |
Der gesamte
Vormittag verbringen wir im Kampf mit den Elementen Wasser und Wind.
Sardinien sehen wir schon seit dem
Morgengrauen aber den Kurs direkt
nach Gagliari können wir nur schwer halten. Irgend mal scheint es mir
irrsinnig, unbedingt Gagliari anzulaufen, denn wir würden noch den ganzen
Tag so weiter kämpfen müssen. Wir
drehen leicht nach Steuerbord
(rechts) und peilen die Südostecke von Sardinien an. Im Osten werden
wir etwas geschützter von den hohen Wellen und dem starken Westwind sein
sofern wir uns nahe an der Küste halten. Langsam aber sicher macht sich
unsere Taktik bezahlt und wir bekommen flacheres Wasser und gedämpfteren
Wind. Auf dem Hafenbuch finde ich den südlichsten Hafen an der Ostküste.
Porto Corallo. Dort fahren wir bei
ca 25 Knoten Wind genau 12 Stunden nach beginn des Sturmes ein. Das
längsseitige Anlegen am Quai ist ein Kinderspiel. Trotzdem sind wir froh,
etwas Ruhe zu haben, eine feine Dusche zu nehmen und die Klamotten zu
wechseln. Die letzten 24 Stunden hatten wir jeder nur 3 Stunden Schlaf.
Kaum eine halbe Stunde nach uns kommt ein nächstes Segelboot in den Hafen.
Auch ein Schweizer. Wir stehen bereit, die Leinen anzunehmen. Der Herr
Gemahl am Ruder gibt lautstark Befehle an Madame. Madame scheint als
Matrose nicht sehr gewohnt zu sein und wirft die Leine so, dass sie
zwischen Schiff und Steg ins Wasser plumpst. Kann passieren. Da der Wind
das Schiff sofort vom Quai weg bläst, muss Herr Gemahl eine neue Runde
drehen, und noch eine. Jetzt hat es geklappt. Wir kriegen die Leine gefasst
und ziehen das Schiff an den Quai. Kaum festgebunden verschwindet Madame
unter Deck und Herr Gemahl kommt an Land zu uns und wettert, dass er hier
gar nicht hätte herein gewollt. Nur wegen ihr hätte er hier anlegen müssen,
er wäre lieber weiter nach Süden gesegelt. Wo hätte er denn hin gewollt?
Südlicher gibt es gar keinen Hafen mehr und nach Gagliari wäre er bestimmt
auch nicht gekommen, denn auch wir konnten es ja nicht schaffen. Trotzdem
wetterte er weiter.
Zur Essenszeit
, wir sind eben an Land geklettert, steigt die Nachbarin ebenfalls an Land
und will zum Hafenbüro. Wie sie bei uns ist fragt sie im Spass, ob wir
nicht eventuell eine freie Koje für sie hätten? Scheinbar hängt auf dem Nachbarschiff der
Haussegen schief.
Essen tun
wir in der Pizzeria nahe am Hafen. Das Essen ist so lala, aber der Wein und
das Bier schmecken gut. Mehr unternehmen können wir nicht, denn das Dorf
ist 6 km weg und das ist uns entschieden zu weit. Der Hafen ist ganz neu, total
im Niemandsland und für Jahresaufenthalter gar nicht schlecht und nicht
besonders teuer. Der Tagespreis allerdings ist für das was im Umfeld
geboten wird entschieden zu teuer mit 64€.
|
| 11.7.07 |
Nach einem
ausgiebigen, tiefen Schlaf bin ich um 0800 hell wach, ziehe mich an und
gehe auf Wanderschaft. Hierbei finde ich einen Campingplatz ganz in der
Nähe. Campingplatz heisst auch Einkaufsmöglichkeit, und die finde ich.
Frisches Brot haben die, und somit decke ich mich ein für das Frühstück. Stolz
über meinen Fund treffe ich wieder auf dem Boot ein, bereite das Frühstück
und um 0900 streckt auch François seinen Kopf aus der Koje.
Nach dem
Frühstück wollen wir loslegen und nach Arbatax, ca 30 SM nördlicher segeln,
wo ich dann versuche, das Einklarieren, das ich nicht in Gagliari erledigen
konnte, nachzuholen.
Vor dem
Ablegen versammeln sich einige Nachbarn vor unserer SAMANTHA und wollen noch ein Schwätzchen halten,
Wohin, Wann, Wie.. die so üblichen Fragen. Wollt ihr wirklich loslegen?
Habt ihr die Meteo gehört? Ihr kommt nicht weit, angesagt sind Windstärke 7
genau von Norden, da könnt ihr nicht raus.
Die Meteo
habe ich nicht abgehört. Die Gegend kenne ich, und wenn wir uns unter der
Küste halten sind wir recht geschützt und falls alle Stricke reissen,
drehen wir halt wieder um und kommen zurück. Ok, ihr habt ja ein grosses
Boot. Wir bleiben im Hafen und warten besseres Wetter ab. So ungefähr war
der allgemeine Tenor.
Wir legen
ab. Die ersten 20 Minuten erfassen uns einige saftige Böen. Die unsere
SAMANTHA aber gekonnt pariert. Danach, ein Segeltag, wie man ihn nur
wünschen kann! Und die anderen, die sich auf Ihr Radio und nicht auf das
Gefühl und Erfahrung verlassen haben, sitzen im Hafen und drehen Däumchen
oder putzen am Boot herum vor langer weile. Sardinien hat sein eigenes
Wettergesetz, das ich nun schon mehrmals erlebt habe und auch diesmal wurde
es bestätigt.
Schon früh
am Nachmittag laufen wir in Arbatax ein und legen uns an den ersten Steg.
Capitanerie,
68€ abgeben, Bierchen trinken und los geht die Wanderschaft zu den
Behörden, denn schliesslich sollte ich mich in der EU zurückmelden, ich
komme doch von Tunesien zurück. Die
Guarda Finanza will nichts wissen, Der Zoll will nichts wissen, Die Coastguard
will nichts wissen. Die Hafenpolizei ist zuständig, die gibt es aber nicht,
die Coastguard vertritt die Polizei. Nein, sie müssen zum Zoll, der ist
aber erst Morgen um 0800 wieder offen. Gute Nacht.
Gegessen
wird an Bord. François lässt wie üblich seine Leidenschaft spielen und wir
essen wie die Könige mit allem drum und dran, denn wenn wir irgendwo
festgebunden sind ist auf dem Schiff kein Alkoholverbot.
Neben uns
liegt eine italienische 20m Yacht vom feinsten. 1 Skipper und 2 Helfer
verwöhnen eine Gruppe Jugendlicher zwischen 18 und 20 Jahren.
Offensichtlich ist eine die Tochter des Besitzers und die hat einige
Freunde und Freundinnen zum Törn eingeladen. Töchterchen müsste man sein!
In unserer
Nähe liegt auch ein Schweizer Ehepaar mit Motorboot. Sie verbringen den
ganzen Sommer hier und als
leidenschaftliche Taucher geniessen sie die schöne , natur
geschützte Gegend um Arbatax.
Nach dem
Abendessen wollen wir uns noch etwas die Beine vertreten (ich hatte zwar
meine Portion bereits am
Nachmittag). Zufällig marschieren wir in ein Tanzzelt, in dem eine Gruppe
von Einheimischen sich amüsieren. Da die Musik super ist, setzen wir uns
und genehmigen uns einen Whisky. Es ist herrlich zuzusehen, wie hier Jung
und Alt mit einer fröhlichen Leidenschaft zu den Standartklängen von neuen
und alten Tänzen das Tanzbein schwingen. Und wie gekonnt die tanzen! Ich
bin erst überzeugt, das sei ein Tanzverein, als dann aber mit
fortschreitendem Abend immer mehr Leute dazukommen, geht meine Theorie in
Luft auf. Es sind nur einfach die Einheimischen, die gerne und gut tanzen.
Uns fällt
ein jüngerer Mann in einem roten T-Shirt auf, der in seinen Bewegungen
schon fast einem Afrikaner nachkommt. Es ist eine Augenweide ihm zuzusehen.
Dann sind auch einige Paare, die miteinander so schön Tanzen, dass sie ohne
Mühe in einem Showtanz am Fernsehen mithalten könnten. Wir trinken noch
einen Whisky und noch einen….
|
| 12.7.07 |
Um 0800
ziehe ich los um den Behördengang wieder aufzunehmen. Erst zum Zoll, Dort
wird mir freundlichst erklärt, dass ich nichts brauche und dass nur Schiffe
ab 50 to abgefertigt würden. Da
müsste ich die SAMANTHA mit Sand
füllen um die fehlenden 34 to beizuschaffen und dann würde sie untergehen
und somit müsste ich auch keine Papiere mehr haben. Das ist also auch nicht
die Lösung! Es geht wieder vom Zoll zur Coastguard, wo ich den Tänzer mit
dem roten T-Shirt wieder sehe. Diesmal hat er eine Uniform an. Die
tänzerische Beweglichkeit kommt vermutlich vom schaukelnden Schiff mit dem
er den ganzen Tag auf Patrouille ist. Dann wieder zur Guarda Finanza und so
weiter, der nächste bitte… , wie auf einem Karussell.
Schliesslich
habe ich genug, beschränke mich auf meine Aufgabe, frische Brötchen zu
holen und das gelingt mir auch, in der Bäckerei am Rande des Dorfes.
Auf dem
Rückweg bekomme ich ein Telefonat
von einem guten Bekannten aus Deutschland. Er teilt mir mit, dass Brigitte,
eine enge Freundin von Rita und mir, die schon fast zur Familie gehörte (
sie war 2005 mit beim Segeln in Griechenland ) bei einem Autounfall tödlich
verletzt wurde.
Päng…….. mir
fehlen die Worte.
Zurück auf
dem Boot rufe ich Rita an und gebe ihr die traurige Nachricht weiter.
Es ist hart,
man ist weit weg und kann nicht mal reagieren oder jemandem beistehen.
Ich muss
diese traurige Nachricht alleine verarbeiten. Rita wird mich bei der
Beerdigung vertreten. Gittchen wird uns fehlen, das ist das Einzige , was
ich sicher sagen kann.
Nach dem
Frühstück holen wir die Genua herunter und reparieren das Achterleek, das
beim letzten Sturm vor Sardinien ausgerissen ist. Für die ca 3 Meter
Näharbeit brauchen wir eine ganze Stunde. Die Nadel muss mit Schwerstarbeit
durchgestochen und mit der Zange auf der anderen Seite herausgezogen
werden. Aber es gelingt und wir können die Genua wieder setzen und weitersegeln.
Abends
erreichen wir den Hafen von La Caletta. Hier lag meine SAMANTHA schon mal
einen Winter lang. Hinter dem Clubhaus ist meine bevorzugte Pizzeria. Auch
diesmal sind wir nicht enttäuscht. Die Spagetti Asselle , der Salade di Polvo
,der Dorado und das Fielet di Manzo, alles war super!
Der Hauswein
und die Tartufos gaben dem ganzen Essen
den richtigen Rahmen.
Deutsche
Tischnachbarn befragten uns, was wir empfehlen würden. Sie bestellten
dasselbe wie wir und bedankten sich nachher für den guten Rat.
|
| 13.7.07 |
Wenn jemand
abergläubisch ist, dann soll er es sein. Nur, hier auf See gelten andere
Gesetze und so kam es, dass wir von La Caletta ausliefen um nach Porto
Cervo zu fahren. Dies ist eine beachtliche Tagesstrecke. Aber wie es kommt,
bekommen wir den Wind voll von Achtern, baumen aus und segeln den ganzen
Tag bei herrlichstem Wind , an Porto Cervo vorbei, durch das ganze Madalena
Archipel, bis hinüber nach Bonifacio.
Dort laufen
wir nach ca 60 SM knapp nach 2000 ein.
Das Manövrieren an den Platz fordert nochmals alle Sinne, denn zwischen den
Booten mit den weit ausgelegten Mooringleinen ist nicht viel Platz und wir
werden angewiesen uns ganz nach hinten an den Steg zu legen. Es
funktioniert super gut und ohne Nervosität, obwohl wir von entausend Augen
an diesem exponierten Platz, aus den Strassencafés heraus, beobachtet
werden. Ouf…..
Nach der
obligaten Dusche und in unsere Ausgangstenüs gestürzt, besteigen wir den
Hügel zur oberen Stadt um im O’Castello unser obligates Wildschwein zu
essen.
Am Ziel
angekommen, finden wir erst keinen Platz. Der Chef ( Papa) meint, wir
sollen einen kurzen Moment warten, denn einige würden demnächst gehen.
Keine 3 Minuten später wird auf der Terrasse ein Tischchen frei. Wir setzen
uns. Scheinbar haben wir einen Fehler gemacht, denn die Bedienung, eine
jüngere Dame (vermutlich eine der 3 Schwiegertöchter des Chefs ) schaut uns
so böse an, dass selbst ich, auf böse Blicke abgehärtet, erschrecke. Die
Art der Bedienung ist dann auch entsprechend, so dass ich sie beim nächsten
Vorbeikommen einfach frage, ob sie böse auf uns sei, denn ich hätte das
Gefühl, dass wir bei Ihr nicht willkommen seinen. Erst etwas geschockt,
dann plötzlich aufgeheitert, (der Knoten hat sich scheinbar gelöst) verneint sie meine Frage und schenkt uns
danach stets ein Lächeln. Dies ist wesentlich angenehmer!
Wie überall,
hat die Zeit „ unser romantisches, urchiges O’Castillo ebenfalls eingeholt.
Die Vorspeise, eine Korsische Spezialitätenplatte hat eine Modernisierungskur erfahren. Es
ist weniger drauf für mehr Geld, dafür ist die Anrichte etwas
Festlandfranzösischer geworden! Schade.
Das
Wildschweinragout ( wenn immer es auch Wildschwein sein mag ) ist ebenfalls
mehr auf Schiki-miki und weniger Korsisch. Nächstes Mal suchen wir uns ein
anderes Restaurant, wenn möglich noch typisch Korsisch.
Wir entschliessen uns, zum Dessert ein Eis zu
essen, aber das wollen wir unten am Hafen, um noch etwas Kino mitzukriegen.
Kaum auf der Treppe zum Abstieg angelangt, fahren wir zusammen denn ein
Urknall erschüttert die Luft und gleichzeitig gehen alle Lichter aus. Ist
Al Kaida am Werk?
Nein, Morgen
ist der 14 Juli, Französischer Nationalfeiertag, und heute Abend wird uns
ein Feuerwerk vom Feinsten serviert. Wir stehen absolut am richtigen Platz
und bekommen die Show voll mit. Herr Sarkousy , (Napoleon der 2.) in Ehren!
Unten am
Hafen ist Hally Gally angesagt. Neustens gibt es offene Bars mit
Bauchtänzerinnen und solchen die auf Tischen tanzen und sich dabei an
Stangen halten müssen.
Wir setzen
uns in eine Eisbar und ergattern ein Eis. Unsere Tischnachbarn versuchen
vergeblich während einer viertel Stunde ebenfalls ein Eis zu bestellen.
Keine Chance. Sie gehen wieder und werden es anderswo versuchen. Das ist
das moderne Korsika. Schlimm, was sich da innerhalb eines Jahres geändert
hat. Ob da ein neuer Kurdirektor oder Tourismusdirektor gewählt worden ist
? Schade. Zudem sind die Preise am
Steg ebenfalls in horrende Höhe geschnellt ( 79€ ). Nächstes Mal legen wir uns wieder in eine
ruhige Bucht.
Dank
Orstöpseln gelingt es einzuschlafen.
|
| 14.7.07 |
Französischer
Nationalfeiertag. Trotzdem ist um 0800 der Laden offen und ich kann
frisches Brot holen. Ich muss noch in den Mast um die Decksleuchte wieder
anzuschrauben, die gestern durch den Balooner beim einholen gelöst wurde.
François zieht mich hoch. Von oben sehe ich auch, dass das Boot, das sich
gestern Abend noch neben uns gelegt hat, eine weit ausgelegte Mooringleine
hat, so dass ich niemals ohne hängen zu bleiben von unserem Platz ausfahren
kann. Jetzt sind wir bereit zum Ablegen. Ich rufe einen Marinero herbei,
der soll mit seinem Gummiboot bei uns das Heck herumdrücken, so dass
ich vor die nachbarliche
Mooringleine zu liegen komme und dann geradeaus zwischen den Booten ausfahren
kann. Ich erkläre ihm das und los geht’s. Genau wie geplant klappt das
Ausfahrmanöver wunderbar. Die
Ausfahrt aus dem Hafen ist bereits Gewohnheit für uns.
Auf dem
offenen Meer bekommen wir den Wind wieder wie gewünscht von Achtern, so
dass wir ausbaumen und den Kurs direkt
nach Hyeres anlegen. 175
Seemeilen liegen vor uns.
Genau um
1500 dreht der Wind um 180°, so dass wir nun aufkreuzen müssen und hart am
Wind segeln. Nach 2 Schlägen dreht der Wind von westen nach Norden und wir
können wieder direkt Hyeres ansteuern. Am Wind machen wir regelmässig
zwischen 6 und 7 Knoten Fahrt. Nachts schwächt der Wind leicht ab, was uns
eine ruhige Nachtruhe beschert.
|
| 15.7.07 |
Den ganzen Tag
über haben wir regelmässigen, nicht allzu starken Wind immer aus Nord und
wir können auf direktem Kurs bleiben.
Mittags
lassen wir den Generator für kurze Zeit laufen. Dies ermöglicht mir eine
Wäsche zu machen und gleichzeitig trinken wir einen Kaffee und essen einige
Biskuits dazu.
Herrliches
Urlaubsleben !
Um 1915 setzen wir den Anker in der Bucht von
Poquerolle. In der gleichen Bucht zählen wir über 80 Schiffe die dort vor
Anker liegen. Es ist Urlaubszeit in Frankreich!
Wir prüfen
die Wassertemperatur, 20°, zu kalt für uns, schade.
|
| 16.7.07 |
Gleich in
der Früh rufe ich bei AMEL an, bekomme aber erst einen Termin morgen um
1000.
Um den
Tag mit Warten zu verbringen
entscheiden wir uns einfach mal so zum Spass die Insel Poquerolle zu
umrunden, denn es weht ein straffer Ostwind und der reizt zum Segeln.
Später
Nachmittag sind wir zurück und ankern erneut am selben Platz. Ich backe
nochmals ein Brot und Francois kocht eine herrliche Lasagna. Wir lassen es
uns schmecken. Nach dem Sonnenuntergang vertiefe ich mich wieder in meine
Lektüre, das Buch _Der Archipel Gulag- von Solschenizyn, eine schwer zu
lesende Lektüre, bei der ich täglich maximal 20-30 Seiten vorwärts komme. Hätte
Solschenizyn einen solchen Segeltag erlebt, wie wir heute, hätte er sicher
weniger schwermütig geschrieben.
|
| 17.7.07 |
Pünktlich
wie eine Schweizer Uhr legen wir um 1000 in Hyeres am Steg an. Der Platz
bei AMEL, der uns die Dame vom Büro angegeben hatte ist nicht frei, also
nehmen wir den ersten Besten. Hier liegen Landleinen und das heisst, der
Besitzer könnte jeden Moment zurückkommen. Francois geht einkaufen, ich
bleibe an Bord, falls das Boot verlegt werden müsste und zudem warte ich
auf den Techniker von AMEL.
Letzterer kommt denn auch bald und wir beginnen die Suche nach dem
Fehlstrom. Was das ist ? Bei einem
Boot wird Erdung der Elektroinstallationen über speziell angebrachte
Zinkanoden ins Wasser abgeführt. Durch eine dadurch entstehende Elektrolyse, wird die Zinkplatte nach und nach „abgefressen“ und wenn
notwendig ersetzt. Bei einem Fehlstrom wird
ein schwacher elektrischer Strom unkontrolliert irgendwo im Boot
abgeführt und das heisst, dass irgend ein Metallteil die Funktion der
Zinkplatten ( Anoden ) übernimmt . Bei meinem Boot habe ich entdeckt, dass
am Masten die Farbe kleine Blasen wirft, das heisst, dass darunter eine
Korrision stattfindet, und das sollte nicht sein. Zudem treten an vielen
Stellen Rostflecken auf, und das sollte ebenfalls nicht sein.
AMEL hatte
schon mal ein Boot, bei dem durch einen heftigen Fehlstrom die Bolzen vom
Kiel komplett zerfressen wurden.
Nicht zu denken, wenn man segelt und plötzlich der Kiel in den Tiefen des
Meeres verschwindet !
Speziell
ausgerüstet, will nun der Techniker herausfinden wo der Fehlstrom herrührt. Dank seiner
Erfahrung, werde ich auf alle Beobachtungen betreffend den Geräten an Bord
befragt. Ja, da war letzthin ein kleiner Rosfleck bei der hinteren
Toilettenpumpe, den ich mir nicht erklären konnte. Ah…, das könnte ein
Ansatz sein. Er nimmt die Pumpe vom Netz und siehe da, der Fehlstrom ist
weg. Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt, denn die systematische Suche
im ganzen Schiff könnte gut und gerne einige Stunden dauern.
Der
Techniker will nachmittags wieder kommen und eine neue Pumpe einbauen.
Francois ist
vom Einkauf zurück und wir wollen die SAMANTHA an einen anderen Platz
verlegen, da wir uns nicht von Bord getrauen, falls der Besitzer
zurückkommt. Stelle man sich vor, man kommt vom Segeln in den Hafen zurück
und findet den besetzt und niemand ist da ! Kaum vorstellbar wie wütend da
jemand werden könnte.
Nur 10 m
nebenan bereitet sich ein Franzose mit einer AMEL vor , auszulaufen. Ich frage, ob wir
uns an seinen Platz legen dürften. Er meint, er käme in 10 Tagen wieder
zurück und bis dahin sei es OK. Wir brauchen ja höchstens noch 3- 4
Stunden, dann sind wir auch wieder weg. Uns läuft schon das Wasser im Munde
zusammen, wenn wir an das kühle Bierchen denken, das wir uns genehmigen
wollen wenn wir vom Schiff gehen können.
Aber unser Franzose, der hat dieses Problem
nicht, wir braten noch mindestens eine halbe Stunde unter der nun
zwischenzeitlich mörderisch heissen Sonne, bis er soweit ist, die letzte
Leine vom Boot loszumachen und die Fahrt Richtung Hafenausgang anzutreten.
Ich habe ein so kompliziertes Ablegemanöver in meinem ganzen Seglerleben
noch nie gesehen!
Na endlich
ist er weg und fünf Minuten später liegt die SAMANTHA am neuen Platz.
Jetzt
geniessen wir das erfrischende kühle Hopfengebräu und erfreuen uns an der
Strandpromenade von Hyeres über das mediterrane Urlaubsflair.
Zurück auf
dem Boot, habe ich das dringende Bedürfnis, ein Mittagsnickerchen zu
machen, denn das Bier in dieser Hitze hat mir fast die Beine geknickt.
Nichts ist
mit Nickerchen, der Techniker kommt und installiert die neue Pumpe. Danach
wird nochmals auf Fehlstrom geprüft. Alles in Ordnung. Danke und auf
Wiedersehn.
Zurück
geht’s in die Bucht von Poquerolle, die wir nun bestens kennen.
|
| 18.7.07 |
Es ist 0800
als ich erwache. Gleich bereite ich das Frühstück vor, doch François
schläft wie ein Murmeltier. Um 0900 starte ich den Generator, das
Wecksignal für François!
Nach dem
Frühstück nehmen wir den Anker hoch und legen los Richtung Port Napoleon.
Wir wollen
noch einen Zwischenstop einlegen, überlassen es aber dem Wind zu
entscheiden bis wohin die heutige Fahrt geht.
Bei Cassis
wollen wir uns einmal umsehen, denn ein Kollege hatte mir gesagt, dass es
dort schön sei. Es gibt 2
romantische Naturhäfen, die seien aber oft überfüllt sagt mein Hafenbuch.
Und wie recht das Hafenbuch hat, rappelvoll ist dieser enge fiordändliche
Platz.
Die Boote
liegen alle nebeneinander mit Buganker und Heckleine. Dieses Manöver, ohne
Dingi und bei recht starkem Wind, nein danke, muss nicht sein!
Schliesslich
legen wir uns auf der anderen Seite de Bucht bei einigen anderen Booten hin
und geniessen den restlichen Tag. Eine Wassertemperaturmessung bringt
weiterhin keine erfreuliche Nachricht, immer noch knapp 20°C. Das ist eindeutig zu wenig für mich. François
würde die Temperatur ignorieren und schwimmen gehen, wäre da nicht dieser
Dreck! Leere Zahnpastatuben, Toilettenpapierschnitzel und viel anderer Unrat streichen langsam mit der
Strömung an uns vorbei. Unglaublich, wer schmeisst denn all dieses Zeug ins
Meer? Drüben vor Afrika war es sauberer!
Am ende des
Tages nähert sich nochmals ein Segelschiff. Die Besatzung besteht aus 3
jungen hübschen Töchtern ( nicht vergessen, dass wir bereits seit gut 2
Wochen unterwegs sind und mit fortschreitender Reisedauer, die Töchter dieser
Erde proportional schöner werden). Als diese sich dann, leider etwas zu
weit weg von uns, vor Anker legen, hilft nur noch der Feldstecher um die
oben ohne badenden genauer ins Visier zu nehmen. Nur, was nutzt’s? Der einzige Trost, wir essen an Bord
sicher wesentlich besser als die, denn zur Essenszeit wird bei uns nochmals
richtig fein aufgetischt, mit Vorspeise, Steaks, Pommes, einem Gläschen
Wein und einem kleinen Dessert , während die Mädels irgend etwas aus
Büchsen löffeln.
Trotzdem
finde ich es spannend, so eine reine Mädelcrew, wird doch Segeln allgemein
eher als Männersport taxiert.
Direkt neben
uns lässt ein junger Franzose mit einer schönen, sportlichen, kleineren
Segeljacht den Anker fallen. Er scheint ein sportlicher Regattasegler zu
sein, während die junge Dame sich nicht so richtig wohl zu fühlen scheint.
Als erstes sieht sie sich um und kommt frisch gestylt mit Röckchen und
gestickter Bluse wieder aus der Kaihütte. An ihrem ganzen gehabe merkt man
, dass sie in einem krassen Gegensatz zu Ihrem Kapitän steht. Wenn dieser
junge Mann, die Dame nicht nur für einen romantischen Ausflug mitgenommen
hat, dann wird er wohl oder übel in Kürze zwischen Schiff und Herzensdame
wählen müssen!
Nach unseren
philosophischen Betrachtungen legen wir uns aufs Ohr und schlafen ganze 10
Stunden, das letzte Mal draussen. Morgen erreichen wir unseren Zielhafen.
|
| 19.7.07 |
Ein Tag wie
alle anderen. Schön und warm, steifer Wind aus der gewünschten Richtung.
Mit vollen
Segeln fahren wir in den Golf von Lion ein. Einige hundert Meter vor uns
eine andere Ketsch (2Master) mit Spi scheinbar mit gleichem Ziel. Der Abstand zwischen unseren beiden
Booten bleibt in etwa gleich. Dann dreht der Wind leicht und er muss den Spi
wegräumen, während wir den Besanfok hissen können. Nun geht unsere SAMANTHA
aber ab wie „Schmitts Katze“. Nach kurzem überholen wir den „Gegner“ der
sich auch als Schweizer entpuppt. Tut uns leid, lieber hätten wir einen
anderen Landsmann (z.B. einen Franzosen) auf die Ränge verwiesen, so wie es
die Alinghi gemacht hat mit den Neuseeländern.
Nach und
nach verschwindet unser Nachbar am Horizont hinter uns.
Es soll
wieder einmal jemand behaupten, die AMEL sei ein langsames Boot!
Frühzeitig erreichen
wir Port Napoleon und fangen gleich an das Boot fürs Auswassern
vorzubereiten. Es ist für uns bereits eine gewohnte Prozedur. François
kümmert sich um den Innenraum und ich putze aussen. Abends geht’s nochmals
ins Dorf zum Essen. Showtime !
Kaum haben
wir uns vor der Pizzeria gesetzt, gibt es einen Menschenauflauf, da aus dem
Kamin einer Kneipe gegenüber dichter
schwarzer Rauch aufsteigt. Der Wind hüllt uns zeitweise mit dem Rauch so
ein, dass wir uns wie in einer Räucherkammer vorkommen. Tütato, tütato…..
Die Feuerwehr wurde alarmiert und rückt nun mit einem Löschzug an. Wir
bekommen für fast eine Stunde ein volles Programm geboten.
|
| 20.7.07 |
Putzen,
putzen und sauber machen. Das gehört nun leider auch zu den Seglerfreuden,
und wer mitsegeln will muss halt eben auch dran. Der Thermometer zeigt über
40° an und wir beide schwitzen so, dass die T-Shirts innerhalb von Minuten
nass sind. Trotzdem müssen wir fertig werden, denn heute, späten Nachmittag
wird das Schiff aus dem Wasser genommen.
Um 1700 ist
es soweit, wir sind mit allem fertig geworden und die SAMANTHA kommt auf
den Bock und wird am gleichen Platz wie zuvor abgestellt.
|
| 21.7.07 |
Das
Frühstück wird heute in Form eines Kaffees und eines Croissants im
Hafenrestaurant eingenommen. Es ist das magerste Frühstück seit 3 Wochen,
aber mehr wollen wir heute nicht.
Brum…
brum…. Neben uns wird ein anderes
Schiff hingestellt. Wer ist’s ?
Der
Schweizer, den wir vorgestern überholt hatten! Die Dame begrüsst uns dann auch
freundlich, er aber sagt kein Wort , böse, weil unsere SAMANTHA schneller
ist ? Auch die packen ab, sie waren
2 Wochen unterwegs und hatten auch super Bedingungen, das sieht man der
Dame an, sie ist tief gebräunt.
Zwischen 0800 und 1000 werden noch die letzten Kleinigkeiten
erledigt, dann fahren wir los in Richtung Heimat. Nach fast 30 Km Fahrt,
entfacht sich bei mir im Gehirn eine Laterne, und ich sehe vor meinem
geistigen Auge, dass ich vergessen hatte, den Strom , das heisst die
Batterien vom Netz zu trennen. Wir drehen um und müssen zurück. Die Sache
ist schnell erledigt aber die Zeit nicht stillgestanden. Eine gute Stunde
später sind wir wieder am gleichen Ort und führen unsere Reise weiter. Auf
der Autoroute du Soleil hat es viel Verkehr, aber bis kurz vor Valance
können wir flüssig fahren. Nun fängt es an zu stauen, bis zur Ausfahrt
Valance. Von Valance bis Genf läuft alles rund, nur die Temperatur ist von
33°C auf 13°C abgesunken. Brrrrr…
Zwischen dem
Zoll in Genf und der Autobahn nach Lausanne stehen wir im Stau. Es hatte
irgendwo da vorne einen Unfall gegeben. Als wir dann eine Stunde später die
18 Km auch hinter uns gebracht haben und an der Unfallstelle vorbeifahren
traue ich meinen Augen nicht.
Ein Auto ist
scheinbar von der Fahrbahn abgekommen und die Unfallstelle war bereits
geräumt, Auf den Fahrbahnen war gar nichts im Wege, ausser ein quer
abgestelltes Polizeifahrzeug durch das die eine Spur versperrt war, und
draussen neben der Autobahn standen 2 Polizisten, die miteinander lachten
und sich scheinbar am Stau amüsierten!
Erschossen
sollten sie werden! Warum sind diese „Gesetzeshüter“ nicht bemüht, möglichst schnell den
dichten Urlaubsverkehr wieder in Gang zu kriegen? Fahrlässigkeit,
Unvermögen oder Gleichgültigkeit um nicht Boshaftigkeit ins Spiel zu
bringen, Sie können wählen.
Nach dem
Stau hören wir im Radio, dass bei Luzern ebenfalls Stau wegen
Aufräumarbeiten angesagt ist. Uns kümmerts nicht, wir sind ja erst in 2
Stunden dort und bis dahin….
Denkste, wir
stehen wieder ¾ Stunden. Beim
Passieren, ein Arbeiter, der auf seine Schaufel gestützt den Verkehr
betrachtet. Der Dreckhaufen liegt bereits neben der Autobahn auf dem
Standstreifen ( sie waren scheinbar fleissig gewesen). Zwei Kollegen von
der Feuerwehr regeln den Verkehr, geben wechselweise immer eine Spur zum
passieren frei. Eine gute Gelegenheit zum Üben! Auch hier die gleichen Fragen wie in Genf
zuvor.
Erst um 2100
erreichen wir endlich das traute Heim. Hunger haben wir keinen mehr , aber
ein gutes Bier zum Abschied nach einer Traum-Segelreise gönnen wir uns
zusammen mit unseren Frauen.
Morgen ist
noch Ruhetag, dann geht’s am Montag zurück zur Arbeit.
Wann ich die
SAMANTHA wieder sehe ?
Ich weiss es
noch nicht. Ich habe vorsichtshalber einen guten Deal mit dem Hafenkapitän ausgemacht,
dank dem ich günstig das Schiff auch mal kurzzeitig benutzen könnte. Man
würde mir das Boot bereits auf telefonische Anfrage hin
ins Wasser setzen, so dass auch ein Kurzurlaub drin liegt. Mal sehen. Ich
melde mich dann wieder, wenn’s soweit ist.
Euer Kapitän
Rudy
|
|
|
|